Zielzeit berechnen mit Testlauf statt Laktattest

Zielzeit berechnen – aber richtig. Wenn ein Wettkampf vor der Türe steht (10 km Lauf, Halbmarathon, Marathon, Radrennen, Duathlon, Triathlon…) ist es wichtig die Zielzeit gut einschätzen zu können. Jürgens Kommentar betreffend eines Testlaufs hat mir zu denken gegeben. Denn ich habe hier einen Blödsinn verzapft. Nun ist mir dank Jürgen erst wieder bewusst geworden warum für das Berechnen der Zielzeit der Testlauf wichtiger ist als ein Laktattest…

 Zielzeit richtig berechnen
Mit dem Testlauf kann man seine Zielzeit gut berechnen – was meinst du?

Zuerst einmal danke an Jürgen. Danke dass du weißt was du willst. Danke dass du mir nicht alles glaubst. Danke dass du ein tolles Körpergefühl hast. Danke dass du hier immer wieder reinschreibst und dir so viel Zeit dafür nimmst. Danke dass ich von dir lernen darf.

Ich habe Jürgen empfohlen einen Laktattest vor seiner Kraichgau Challenge (Triathlon) zu machen. Mein Argument war, dass er dadurch seine Zielzeit anhand der mmol Laktatwerte besser weiß. Denn hier hat er dann die Werte und kann seine Zielzeit für das Radrennen gut berechnen. Ich selbst habe gar nicht bemerkt, dass das ein kompletter Schwachsinn ist den ich da verzapfe. ;-)

Warum ein Testlauf (Testrennen, Testradausfahrt, Testwettkampf) wichtiger ist als eine Leistungsdiagnostik vor dem Wettkampf um die Zielzeit richtig zu ermitteln:

Vertrauen in den Mensch
Ich denke jeder Sportler hat ein gesundes und gutes Körpergefühl. Wenn man einen Testlauf macht vertraut man in den Menschen. Und wenn ich eben einen Laktattest mache dann in die Technik. Und die kann manchmal auch versagen. Oder eben Werte ausspucken die einen dann sogar verunsichern. Es kann sein, dass man nicht die ideale Vorbereitung auf den Laktattest gemacht hat und demnach schlechte Werte rauskommen. Wenn man sich nun im Rennen dann selbst einen Schranken auflegt wäre das nicht gut. Ein Testlauf stärkt das Selbstbewusstsein und das Vertrauen in das eigene Körpergefühl.

Einflüsse von außen
Bei einem Rennen passieren so viele Dinge. Jeder der schon mal an einem Wettkampf teilgenommen hat weiß das. Ich persönlich dürfte eigentlich laut den Laktatwerten nie so schnell laufen. Ja meine Halbmarathon Bestzeit 2010 hätte eigentlich gar nicht sein dürfen. Denn laut den Laktatwerten bin ich hier über meinen Möglichkeiten gelaufen. Und zwar nicht nur in diesem Rennen. Sonden in allen Rennen. Gut dass ich auf meine Laktatwerte nicht schaue. Denn das Adrenalin pusht mich so, dass ich einfach im Rennen weit über meine Möglichkeiten laufen kann.

Feeling für die Geschwindigkeit
Jeder ist nervös vor einem Wettkampf. Ich immer – und die anderen auch. Wenn man jetzt keinen Testwettkampf macht oder Testlauf dann wird das Gespenst Wettkampf immer größer und größer. Dann macht man sich einfach immer mehr in die Hose. ;-) Wenn man jedoch nun die ganze Wettkampfszenarie mal probt dann bekommt man ein Feeling für die Geschwindigkeit. Man bekommt aber auch ein Feeling für das Rennen selbst.

Versorgung im Lauf proben
Gerade weil man ja nicht jeden Tag einen Wettkampf läuft sollte man hier proben. Und zwar die Versorgung sollte man proben. Hier muss man speziell auf Energiegels, Kohlenhydratgetränke, Bananenverträglichkeit und andere Helferleins achten. Wenn man die nie probiert hat wird es im Rennen schwierig. Mich zum Beispiel hat mal ein Gatorade bei einem Halbmarathon fast aus der Bahn geworfen. Das Getränk war picksüß und ich habe es fast nicht vertragen. Und nur Wasser geht auch nicht.

Wettkampfequipment testen
Klar es gibt ja auch eine spezielle Ausrüstung für den Tag der Tage. Und das sollte man im Training oder im Testlauf testen. Da ich selbst meine Wettkampfbekleidung nur im Wettkampf anziehe kommt mir ein Testlauf entgegen. Denn wenn ich mir das Shirt überstreife und die Leute sehe neben der Strecke steigt das Adrenalin. Und so merke ich auch ob der Schuh wirklich bei diesen Geschwindigkeiten gut ist oder schlecht.

Ein Testlauf muss aber nicht zwingend ein Wettkampf sein. Du kannst es auch wie Jürgen machen. Der ist seine Strecke genau abgefahren – und das sogar 2x. Hier hat er sich die wichtigsten Streckenpunkte eingeprägt. Denn nun weiß er was genau wann auf ihn zukommt. Und das gibt ein gutes Gefühl.

Klar kann trotz so einem Testlauf noch viel schief gehen. Aber wenn man alles tut was in der eigenen Macht steht dann kann man sich keine Vorwürfe machen. Dann war eben nicht mehr drinnen. Und mit so einem Gefühl sprengt man wahrlich die Grenzen im nächsten Wettkampf. Also, es kann einfach nix schiefgehen! Danke Jürgen, dass du mir die Augen geöffnet hast. Denn ich praktiziere das ähnlich wie du. Habe dir jedoch einen anderen Tipp gegeben. Verzeihe… 

Wie sind deine Erfahrungen zum Thema Testlauf? Machst du so was? Oder nicht?

Run ON!

Willi

Über Willi Prokop

Mein Name ist Willi Prokop. Ich bin 33 Jahre und habe 6 Kinder gemeinsam mit meiner Frau Angela. Neben meinem Job als Manager laufe ich. Seit kurzem bin ich Autor des E Books "Wie ich 1:24 im Halbmarathon in 2 Jahren laufen konnte - Die Running Willi Methode". Ich freue mich, dass du meinen Laufblog besuchst. Mehr Über Mich gibts hier. Wenn du nichts mehr verpassen willst kannst du gratis neue Beiträge per e-Mail erhalten. Run ON! Willi

4 Antworten auf Zielzeit berechnen mit Testlauf statt Laktattest

  1. Jürgen sagt:

    Hallo Willi,

    danke, dass Du meinen Ansatz so aktzeptiert hast. Ich mag das sehr an Dir, dass Du Dich auch selber hinterfragst und nicht fest auf Deinem Standpunkt beharrst. Ich denke dass wir gerade auch deswegen auf der gleichen Wellenlänge funken, weil wir beide sehr viel Erfahrung haben, weil wir beide sehr wissbegierig sind und weil wir beide lernen wollen…..voneinander und von allen anderen die hier ihre Kommentare zum Besten geben. Beide sind wir auch Typen, die das maximale rausholen wollen aus ihrem Sport und daher nichts dem Zufall überlassen wollen.
    Nobody is perfect und da stelle ich mich an oberste Stelle. Ich glaube so richtig werde ich erst nach dem Wettkampf merken, was ich vielleicht noch anders oder besser hätte machen können. Die Wahrheit liegt meist sowieso irgendwo dazwischen.
    Ich bin wie Du oben schreibst meine Wettkampfstrecke zweimal komplett am Stück im Renn-Tempo abgefahren, aber natürlich weitere unzählige Male in Teilabschnitten. So kann ich sagen, dass ich jeden Berg und Anstieg bestimmt 10-15 Mal gefahren bin und die Strecke mittlerweile wirklich sehr gut kenne. Anders wie beim Laufen kann man beim Radfahren und exakte Streckenkenntnisse enorm Zeit rausholen. So weiß ich z.B. in welchen Gängen ich in Berge reinfahren kann und an welchen Stellen ich runterschalten sollte…..auch wenn noch Kraft da ist…..weil der Berg gegen Ende nochmal gewaltig “zumacht” und man noch Reserven braucht. Ich denke dass sich nicht viele Hobbyfahrer wie mich so detailiert vorbereiten und die Strecke “erlernen”. Natürlich teste ich im Training, wenn ich Teilstücke fahre immer wieder andere Rhytmen wie ich einen Berg hochkomme und manchmal ändere ich dann eine vorher getroffene Taktik nochmal. Heute bin ich z.B. einen langgezogenen Berg mit 9% Steigung ganz anders gefahren. “Normal” hatte ich mir vorgenommen ihn von unten rein mit vorne großem Kettenblatt und hinten 4.Gang bis etwa zur Mitte zu fahren, dann in den 5.Gang zu schalten wenn die Trittfrequenz unter 75 fällt und dann bis zur Kuppe im Wiegetritt zu fahren. Heute habe ich probiert von unten weg im langsamen Wiegetritt bis oben durchzufahren und das im 6.Gang…..also mehr über die Kraft. Dabei achte ich aber, dass ich nicht total übersäure, indem ich die Trittfrequenz so niedrig halte, dass ich immer Reserven verspüre. Ich hatte den Eindruck, das bekommt mir besser, d.h. ich komme oben erholter an und das mindestens in der gleichen Geschwindigkeit.
    Das ist jetzt ein Detail wie ich noch viele nennen könnte. Es zeigt aber, dass für mich persönlich es extrem wichtig ist, ein Körpergefühl für die Strecke zu bekommen. Ich will überall wissen, wie ich einen Streckenabschnitt fahren kann und wie ich mich danach fühle. Es macht wenig Sinn einen Berg oben “blau” anzukommen und dann 10km zu brauchen bis man sich wieder erholt hat. Lieber oben ankommen und noch reserven haben und dann in der Abfahrt oder im Flachstück wieder bolzen können.
    Das ist meine Art der Vorbereitung, aber es gibt unterschiedliche Menschen, die sich vielleicht über Deine Methode und den Laktattest durchaus gut motivieren können. So nach dem Motto…..dem Ergebnis zum Trotz werd ich zeigen was WIRKLICH in mir steckt. Du, Willi, bist ja selbst das beste Beispiel, dass Du im Wettkampf Zeiten gelaufen bist, die von Deinem Test her gar nicht gegangen wären. Das zeigt, dass die Ergebnisse solcher Test durchaus ein Anhaltspunkt sind und wenn man penibel darauf achtet sie unter gleichen Voraussetzungen zu machen auch durchaus einen Fortschritt anzeigen, aber es bleibt doch eben eher eine theoretische Formel und die Wettkampfpraxis ist oft eine ganz andere.
    Ich werde meinen Test trotzdem natürlich machen…..nach dem Wettkampf, bzw. wenn ich mich vollständig von ihm erholt habe, weil ich überzeugt bin, und das einfach Schwarz-auf-Weiß lesen will, dass ich mich verbessert habe.

    Was mich ja interessieren würde ist, wie die anderen Läufer (und ggf.Radfahrer) das sehen. Wie bereitet ihr euch auf den Wettkampf vor ? Habt ihr auch einen sogenannten “Match-Plan”. Gibt es sowas beim Laufen überhaupt auch ? Würde mich interessieren. Mich fasziniert z.B. wie ein Läufer eine ganz bestimmte Kilometerzeit läuft, wo er doch nur alle 1000m sieht, ob er jetzt zu schnell oder zu langsam war. Beim Radfahren hab ich ja meinen Tacho…..aber wie macht das der Läufer ? Reines Körpergefühl ? Schreibt doch mal wie ihr das macht und auch von was ihr euch beim oder für den Wettkampf Motivation holt. Sind es die Zuschauer, ist es der Laktattest, ist es die akribische Wettkampfeinteilung und das Wissen in die eigene Stärke ? Lasst uns alle daran teilhaben. Danke schon mal

    Viele Grüße
    Jürgen

  2. RunningWilli sagt:

    Hallo Jürgen,

    danke für deine vielfältigen Erfahrungen. ;-)

    @alle da: Was meint ihr zu den Fragen von Jürgen?

    Wie bereitet ihr euch auf den Wettkampf vor ? Habt ihr auch einen sogenannten “Match-Plan”. Gibt es sowas beim Laufen überhaupt auch ? Würde mich interessieren. Mich fasziniert z.B. wie ein Läufer eine ganz bestimmte Kilometerzeit läuft, wo er doch nur alle 1000m sieht, ob er jetzt zu schnell oder zu langsam war. Beim Radfahren hab ich ja meinen Tacho…..aber wie macht das der Läufer ? Reines Körpergefühl ? Schreibt doch mal wie ihr das macht und auch von was ihr euch beim oder für den Wettkampf Motivation holt. Sind es die Zuschauer, ist es der Laktattest, ist es die akribische Wettkampfeinteilung und das Wissen in die eigene Stärke ? Lasst uns alle daran teilhaben. Danke schon mal

    Würde mich auch interessieren wie ihr das macht?

    Run ON!
    Willi

  3. ich kann hier nur von mir berichten, wie ich es mache
    bisher pflegte ich einfach nach puls zu laufen, auch beim wettkampf..
    wobei ich da immer irgendwelche werte genommen habe
    im letzten jahr habe ich einen laktattest gemacht, und dann mehr oder weniger konstant nach den vorgaben trainiert..
    nun habe ich aber seit Neujahr die Angewohnheit, einfach nur nach Gefühl an Wettkämpfen teilzunehmen.
    Das fällt mir einerseits leicht, da ich bei meinen Wettkämpfen bisher immer ausreden gefunden hatte, warum es mit der Bestzeit sowieso nichts werden würde, aber ich muss sagen, das Konzept bewährt sich, es funktioniert und ich habe sogar schon die eine oder andere PB aufgestellt!

  4. RunningWilli sagt:

    Und welchen Anhaltswert nimmst du beim Gefühllaufen? Dein Empfinden? Denn das kann ja ganz schön in die Hosen gehen weil du dann vielleicht zu schnell läufst. Aber ich selbst hatte auch eine meiner Bestzeiten beim 10 km Lauf in Ebreichsdorf ohne Pacetabelle gemacht. Aber gezwungenermaßen weil die KM Schilder gefehlt hatten: http://www.runningwilli.com/wettkampf/stadtlauf-ebreichsdorf/

    Run ON!
    Willi