Mein 11,6 km Lauf beim Volkslauf (Volkslaufcup) 2010 in Tragöss

Heute am 29. August habe ich meinen zweiten Lauf in meinem Leben absolviert. Die “Showbühne” war der 11,6 km Lauf in Tragöss in der Steiermark. Dieser Lauf zählt auch zum Volkslaufcup 2010. Nach dem Zieleinlauf bis zur Ankunft zu Hause war ich einfach nur enttäuscht über mich und meine Leistung. Diese Enttäuschung wandelte sich dann aber in Stolz und Freude. Warum?Das liest du weiter unten…

From Volkslauf Tragöß 11,6 km vom 29. August 2010

Das Fotoalbum vom Tragöss Lauf findest du hier

Leider keine Fotos von der Strecke und mir auf der Laufstrecke da ich keinen Fotografen mit hatte.

Was ist der Lauf in Tragöss?
Ursprünglich hätte es ein 10 KM Lauf mit einer Höhendifferenz von 15 Meter und 85% Wald/Schotter und 15% Asphalt sein sollen. Auf dem Flyer sah man eine Strecke die entlang des Grüner See verlief. Dieser Lauf wurde dann aber kurzfristig auf die Streckenlänge von 11,6 KM geändert. Und anscheinend auch damit das Höhenprofil. Das Interesse an diesem Tragösser Lauf war groß denn

es zählte auch zum Volkslaufcup (dem größten Laufcup in Österreich). Auch ein Kinderprogramm und ein Musikprogramm wurde beworben in den diversen Flyern und Plakaten.

Es gibt hier ein “Image” Video vom Grüner See wo man einen Eindruck vom Panorama und dem See an sich gewinnen kann:

Ohne Familie
Die erste Änderung des Planes erfolgte in der Früh. Meine Frau informierte mich, dass unser Sohn Marcel Fieber hat und unmöglich mitfahren kann. Aber natürlich konnte nicht nur Marcel nicht mitfahren sondern unsere gesamte Familie. Ich versuchte zwar noch unseren Sohn Tobias für das Mitfahren zum Tragösser Lauf zu motivieren aber er wollte einfach nicht. So kam es wie es kommen musste. Ich fuhr das erste Mal alleine zu einem Wettkampf. Da es ohnehin nur ein Trainingslauf für mich war betrachtete ich nun das auch als Training für mich um eine neue Erfahrung im “Kampf alleine” zu gewinnen.

Anfahrt und Fußmarsch mit Musik
Die Anfahrt nach Tragöß in der Steiermark dauerte 1 Stunde 45 Minuten. Ich nutzte die Autofahrt alleine um Musik zu hören. Da ich meinen Ipod mit hatte tankte ich so Kraft für die intensiven Stunden die noch auf mich zukommen würden. Ich habe auf der Autofahrt ein tolles Panorma rundherum gesehen. Als ich dann vom Parkplatz einen Fußmarsch von rund 10 Minuten zum Anmeldungszelt absolvieren musste steckte ich mir meine Kopfhörer ins Ohr und hörte “Conquest of Paradise”. Das Lied brachte mich in die Verfassung, dass ich nun wusste dass es bald ernst werden würde. Ich fühlte mich wie ein Fußballer der vor dem Champions Leage Match noch die Ruhe vor dem Sturm genoß. Nicht wenige Blicke erntete ich dafür und wahrscheinlich auch für meinen konzentrierten Blick.

Chaos bei der Anmeldung
Nun war es 12 Uhr bis ich im Zelt für die Anmeldung landete. Und nun kam auch der erste Schreck. Das Anmeldungszelt war randvoll gefüllt. Die Unruhe im Zelt unter den Läufern war zu spüren. Der Grund für das Mißgefallen unter allen Läufern war die langsame und schleppende Anmeldung. Ganz vorne am Zelt hingen 3 Zettel: Voranmeldungen, Nachnennungen mit Chip, Nachnennungen ohne Chip. Es bildeten sich 3 Schlangen. Aber ganz vorne am Anmeldungstisch saßen 2 (!) Damen und alle 3 Schlangen kamen auf eine zusammen. Die Organisation hat hier versagt. Als Läufer will man sich auf das Rennen konzentrieren und nicht darauf, dass man hoffentlich überhaupt das Rennen noch schafft weil die Anmeldung so langsam verläuft. Dieses Szenario war für mich und die anderen Läufer unvorstellbar. Das ganze Dilemma hat dann 20 bis 25 Minuten gedauert.

Die fehlenden Umkleiden
Nun war es bereits 12:25 und der Lauf startete ja bereits um 13 Uhr. Ab in die Umkleiden. Umkleiden? Gab es nicht. Ich zog mich direkt hinter dem Anmeldungszelt auf einer normalen Bank mit Tisch um. Zum Glück hat es nicht geregnet, denn sonst wäre das nicht so ideal gewesen. Spätestens hier habe ich mich gefragt wofür ich eigentlich 15 Euro Nenngebühr bezahlt habe. Auch in diesem Punkt war der Unmut eines anderen Läufers neben mir sehr groß. Nebenbei hörte ich aus den Lautsprechern die Bitte dass jemand vom Publikum bitte in der Sprecherkabine mithelfen sollte und dafür was bekommt. Also auch hier hat man anscheinend auf Personal vergessen. Vor einem Lauf sind das alles Dinge die an einem Läufer nicht spurlos vorrüber gehen.

Aufwärmen auf der Strecke
Nun war es 12:40 und ich begann mit meinem Aufwärmprogramm. 10 Minuten und 5 Minuten einlaufen nach Plan . Ich tat das gleich auf der Strecke. Und hier kam dann der erste kleine Schock. Die Strecke war absolut kubiert und nichts war zu sehen von nur 15 Höhenmetern. Nach 1 Kilometer hatte ich cirka ein flaches Stück von 50 Meter absolviert. Auf dieses Streckenprofil war ich überhaupt nicht eingestellt. Gut dass ich beim Warmlaufen bis zu KM 1 gelaufen bin um die Strecke kennenzulernen. Das kann ich wirklich jedem Läufer vor einem Event empfehlen.

Startposition optimal
Mein Freund hat mir den Auftrag gegeben, dass ich im ersten Drittel beim Start sein sollte. Und das tat ich auch. Ich war in der 4. Reihe von allen Läufern. Das war eine äußerst gute Position. Denn auf den Flyern konnte man auf Fotos erkennen, dass es auf dieser Strecke teilweise gar keine Überholmöglichkeit gab. Und gerade am Anfang hätte das für mich sehr störend sein können. Die Läufer in den ersten Startreihen hatten auch so ihre Mätzchen. Ein Läufer ließ sich vom Moderator zum Ziel bitten. Da waren schon Starallüren zu spüren. Vielleicht kennst du ja auch die braungebrannten Läufer die klar zu erkennen geben: Ich bin der beste Läufer hier….

Viele Läufer überholen mich
Durch meine günstige Startposition war es klar, dass mich viele Läufer überholen würden. Ich wunderte mich jedoch schon bei etlichen Läufern dass diese das taten. Denn aufgrund deren Verfassung schon nach ein paar Kilometern war mir klar, dass ich den Großteil wieder einholen würde. Für mich war es wichtig, dass ich mich von Anfang an auf diese Situation eingestellt habe denn sonst kann das schon eine mentale Belastung werden wenn man von vielen Läufern überholt wird.

Das Streckenprofil ist gefährlich
Der Co-Moderator hatte schon im Gespräch mit mir das Wort “gefährlich” und “aufpassen” nach der Frage wegen dem Streckenprofil erwähnt. Aber was hie folgte war echt gefährlich. Ich hatte in meinen dünnen Wettkampfschuhe manchmal richtig Schmerzen weil die Steine und Felsen mir direkt in die Fußsohlen gedrückt hatten. Der angebliche Waldweg war mit Steinen und Felsen gepflastert. Manchmal gab es auch Schlammpfützen und nasses Gras. Die Kunst war es dass man ein gutes Tempo hatte und dennoch nicht auf der Nase landete.

Das war die erste Runde von 5,8 KM
Die erste Runde verging relativ schnell. Die Marschroute war, dass ich einen bestimmten Herzfrequenzbereich nicht übersteigen sollte die ersten 6 bis 7 Kilometer. Der wunde Punkt war bei Hf 175. Ich lief die erste Runde meist in einem Puls von Hf 165. Dabei nahm ich aber öfters das Tempo bewusst zurück. Ich wollte nicht zu früh in den roten Bereich kommen. Und dieses Zurücknehmen war nicht einfach, denn mich überholten auch relativ viele Frauen und alte Leute. Aber ich wollte (noch) die Ruhe bewahren.

KM 7: Das Rennen “beginnt”
Bei genau 6,8 Kilometer begann für mich das Rennen erst so richtig. Denn ab hier hielt ich mich nicht mehr an maximale Pulsangaben. Ich konnte ab jetzt mein Rennen laufen und so schnell laufen wie ich wollte und konnte. Ab nun bekam ich einen Ruck und die Läufer die ich nun alle überholte staunten teilweise über meine Laufleistung. Viele waren bei Kilometer 8 oder 9 schon spürbar am Ende und hatten ihre Reserven schon längstens erreicht.

Willi überholt Läufer für Läufer
Nun begann das Rennen für mich Spaß zu machen. Denn die km/h Leistung wurde mehr und die Blicke der Zuschauer und der Läufer auch. Ich überholte Läufer für Läufer und das tat meiner Seele und meinem Selbstbewusstsein gut. Ich kam an Läufern vorbei wo ich beim Start und nach der ersten Runde niemals dachte, dass ich die überholen werde. Es war schon eine tolle Sache nun mit einem guten Tempo zu überholen. Und das tat ich dann auch manchmal direkt in Kurven.

Bergabpassagen gefährlich
Die gefährlichen Passagen waren die Bergabpassagen direkt im Wald. Denn nun wurden die Oberschenkel bereits schwer und müde und darunter waren lose Steine und dazwischen Felsen und spitze Steine. Ich wusste wenn es mich nun aufschmeissen würde, dann wäre das Rennen wohl für mich gelaufen. Die Läufer und auch ich drosselten in diesen Passagen die Geschwindigkeit denn einen Sturz wollte nun niemand riskieren.

Es beginnt zu brennen
In den Bergabpassagen begann von einer auf die anderen Sekunde das Brennen in den Oberschenkeln. Gefühlsmäßig würde ich sagen, dass es da noch 3 bis 4 Kilometer ins Ziel waren. Es war so, dass der Halt auf der Straße immer weniger wurde. Es ist das Brennen das man vom Training nicht kennt denn da geht man nicht so über seine Grenzen wie in so einem Lauf.

Flache Strecken > viel Tempo
Die 20% flachen Strecken waren die vor dem Ziel. Und genau hier merkte ich, dass mein Training im Flachen mir Vorteile gegenüber den anderen Läufern beschert hatte. Denn ich konnte nun mein Tempo das ich laufen konnte besser einschätzen das ich diese Geschwindigkeiten vom Training her kannte. Es machte einfach nun mehr Spaß, denn die Zuschauer merkten, dass ich das Tempo gesteigert hatte und mehr Tempo als die Läufer vor mir hatte.

Zuschauer motivieren
Wenn ich einmal Zuschauer bei einem Lauf bin dann werde ich auf jeden Fall klatschen. Denn auch wenn man das manchmal nicht glauben sollte aber als Läufer der bereits “am Zahnfleisch” läuft ist es eine große Stärkung wenn man “hopp hopp hopp” hört. Man fühlt sich ernst genommen und beflügelt. Da geht man dann auch über seine Grenzen. Ich habe manchmal den Daumen nach oben gestreckt damit auch die Zuschauer merken, dass ich als Läufer das registriere.

Der Punkt zum Aufhören im Rennen
In meinem ersten Halbmarathon hatte ich einen Punkt wo ich einfach nur mehr aufhören wollte. Und genau dieser Punkt kam diesmal auch. Zwar nicht ganz so intensiv wie damals aber er kam auf jeden Fall. Da kamen dann so “hilfreiche” Gedanken wie: Warum tust du dir das überhaupt an? Ich halte das nicht mehr lange durch. Gibt es eine Abkürzung? Das war einer der letzen Läufe von mir für längere Zeit…

Wieviele KM sind es noch?
So cirka 1,5 Kilometer vor dem Ziel wollte ich schon einen Streckenposten ansprechen wie lange es denn noch sei. Zu diesem Zeitpunkt war ich am Ende. Ich schnaufte wie eine alte Dampflok und jeder Läufer dem ich knapp hinter den Fersen war drehte sich um. Anscheinend hatten die Angst, dass ich zusammenbrechen würde, denn ich war echt nicht leise. Auch die Zuschauer merkten, dass nicht nur mein T-Shirt rot war sondern auch meine Werte in meinem Körper zu diesem Zeitpunkt. Es sind diese Momente an denen man nichts mehr wünscht als das “dumme” Ziel endlich zu erreichen. Ich sagte mir pausenlos, dass es “nur” mehr 1,5 Kilometer sein bzw. ein paar Minuten. Aber das half eigentlich nur bedingt. Der Fehler war allerdings dass ich glaubte, dass die anderen Läufer keine Probleme hatten nur weil diese nicht schnauften. Der Respekt vor den anderen war (zu) groß.

Die 4er Gruppe vor mir
Denn hätte ich den Respekt abgelegt dann hätte ich dir 4er Gruppe noch eingeholt. Ich hatte mehrmals im letzten Kilometer überlegt ob ich mir die noch holen sollte. Aber da das Tempo ähnlich meinem war wollte ich mir diese Anstrengung nicht mehr antun. Außerdem wusste ich ja selbst nicht mehr wie lange ich das noch durchhalten würde. Wenn man dann allerdings den Zieleinlauf hier in der Analyse sieht dann hätte ich durchaus Chancen gehabt weil…

Zieleinlauf “Willi Bolt”
Ich möchte hier nicht sagen, dass ich mich jemals mit Usain Bolt messen könnte. Aber im Zieleinlauf ist was merkwürdiges passiert. Durch die Stimme des Moderators und die Rufe der Zuschauer sah ich mich motiviert rund 100 Meter vor dem Ziel zu einem Zielsprint anzusetzen. Beim LCC Lauf 2009 ist der echt mickrig ausgefallen. Aber heute war das ein echter Sprint so dass ich den Läufer vor mir noch ganz kanpp (Fotofinish) erreicht hatte. Es hat anscheinend den Zuschauern Spaß gemacht, denn ich war ja nicht in der top Gruppe und die Läufer die jetzt kamen waren ja schon mehr als gezeichnet so wie ich. Als ich jedoch stehenblieb spürte ich ein Stechen im rechten Oberschenkel hinten.

Die Zeit
Vielleicht bist du nun gespannt welche Zeit ich in diesem “Berglauf” 11,6 km erreichte. Die offizielle netto Zeit ist 52 Minuten und 53 Sekunden. Das durchschnittliche Tempo betrug 13,16 km/h. Pro Kilometer benötigte ich 4:34 Minuten. Die erste Runde von 5,8 Kilometer absolvierte ich in 27 Minuten und 40 Sekunden. Die zweite Runde dann in 25 Minuten und 12 Sekunden. Diese Zeiten waren mir nach dem Zieleinlauf nicht bekannt. Ich wusste nur dass ich rund 53 Minuten gebraucht hatte. Und das war auch der Grund für die Enttäuschung die nun folgte.

Enttäuschung pur
Ich selbst war nicht zufrieden mit mir. Mein Gefühl war, dass ich die erste Runde zu langsam anging und zu viele Läufer noch vor mir blieben. Ich wollte unbedingt eine Zeit unter 50 Minuten aber diese hatte ich ganz klar verfehlt. Die Zielzeit von 50 Minuten steckte ich mir zu einem Zeitpunkt wo ich das Streckenprofil noch nicht kannte. Nun rechnete ich mir kurz meine Zeit im Kopf hoch. 53 Minuten x 2 = 106 Minuten. Für 23,2 Kilometer würde ich in diesem Tempo rund 106 Minuten brauchen. Nun wollte ich mir ja meine Halbmarathon Zeit für Graz am 10.10.2010 ausrechnen. Wenn man nun rund 9 Minuten für die 2 zusätzlichen Kilometer (die es beim Halbmarathon nicht gibt) abzieht komme ich auf eine Zeit von “nur” 97 Minuten. Also für einen Halbmarathon würde ich rund 1 Stunde und 7 Minuten 1 Stunde 37 Minuten (Danke an Mario der aufmerksam gelesen hat und meinen Tippfehler bemerkt hat. Auch wenn ich ein Perfektionist bin aber mit 1 Stunde 7 Minuten wäre ich schon zufrieden…) brauchen. Das war mir eigentlich zu wenig wenn ich ehrlich bin.

Telefonat mit meiner Frau Angela
Die erste Person die ich anrief war natürlich meine Frau. Die ganze Enttäuschung über meine Leistung erzählte ich am Telefon. Auch erzählte ich, dass ich mich wohl überschätzt hätte. Denn es gab etliche Frauen die vor mir waren und ich fühle mich nun alles andere als ein “King”. Auch ältere Läufer haben mich überholt und ich bin noch weit weg von einer Leistung wo ich eigentlich hinkommen würde gerne. Auch erzählte ich natürlich von meiner “Unterforderung” in der ersten Runde und vom Streckenprofil das zum Ärgern war. In diesem Telefonat war ich einfach nur negativ. Denn die maximalste Zeit war ja 50 Minuten die meine Vorgabe war. Nun stand ich als Looser da.

Die Rückfahrt
Du kannst dir wohl vorstellen wie “amüsant” die Rückfahrt alleine im Auto jetzt war. Ich fühlte mich als Looser. Ja, ich habe eine Niederlage eingesteckt das wollte ich gar nicht abtun. Aber diese komische Gedankenwelt die ich hatte war nicht gut. Auch hatte ich kurz überlegt ob ich diesen Rennverlauf überhaupt hier in meinem Blog veröffentlichen sollte. Die Entscheidung war klar: Ich würde einen Beitrag schreiben. Denn dieses Rennen gehört zu meinem Leben und zu meiner Geschichte als Läufer. Wie halt im richtigen Leben gibt es auch die Niederlage, den Tiefschlag für einen Menschen. Und mein Blog soll ja nicht dazu dienen, dass ich hier eine rosarote Welt zeigen will. Ich will das positive hervorheben, aber ich will authentisch sein und ehrlich. Darum dieser Beitrag hier.

Ergebnis schwarz auf weiß beruhigt
Nach der herzlichen Begrüßung durch meine Frau startete ich mein IPhone und die Internetverbindung. Zuvor habe ich noch ein Foto in Rennklamotten nachgestellt damit du mich sehen kannst denn leider hatte ich keinen Fotografen der mich fotografieren konnte da ich ja alleine beim Laufevent war. So nun gab ich die Internetadresse www.pentek-timing.at ein und… sah meine Endzeit. 52:53 dachte ich mir ja schon. Aber nun kam das positive daran. Ich belege den Platz 69. Beim ersten Halbmarathon im November 2009 wurde ich Platz 105. Das hörte sich schon eigentlich ganz gut an. Aber nun kam der Punkt der meine Enttäuschung in Freude umwandelte. In meiner Altersklasse (M 30) belegte ich den 7. Platz! Ich war unter den top 10 Läufern in meiner Altersklasse. Also so schlecht war das Rennen dann eigentlich gar nicht. Nein, es war gut. Ich konnte mit dieser Leistung zufrieden sein.

Bosnjak, Frauen und Zieleinlauf
Der Sieger dieses Laufes hieß Thomas Bosnjak. Das ist jener Läufer der den Volkslaufcup gewinnen wird und auch Trainer ist. Er hatte bei diesem Lauf etliche Schützlinge die man an dem T-Shirt und der Laufhose erkannte. Die Aufmachung war wirklich gut und man hatte Respekt davon. Ich selbst habe ja auch einen Trainer. Sogar im Startersackerl war der Info-Flyer von seinem Trainingszentrum drinnen. Nun wollte ich aber wissen wie seine Schützlinge abschnitten. Und die Überraschung war groß. Nur Thomas selbst als Sieger und ein Läufer waren im Klassement vor mir. Sonst hatte ich alle seine Athleten hinter mir gelassen. Und diese Athleten trainierten aber schon Monate und Jahre bei Thomas. Mein Training begann vor 5 Monaten. Dieser Punkt brachte mich noch mehr zum Strahlen. Dann hatte ich ja noch das Thema mit den Frauen. Ich wurde ja von vielen Frauen überholt. Aber als ich im Endergebnis nachschaute waren es gerade einmal 3 Frauen. Hier hatte ich die Situation ganz falsch eingeschätzt. Dann habe ich mir den Zieleinlauf angesehehen und bemerkt, dass ich die 4er Gruppe vor mir auf jeden Fall noch einholen hätte können. Auch das gab mir Zuversicht. Also meine Enttäuschung wich in Stolz und Selbstvertrauen.

Fazit
Erst die genaue Anlayse am PC hat meine Enttäuschung “besiegt”. Ich bin gut gelaufen obwohl mehr drinnen gewesen wäre wenn ich die erste Runde mehr am Limit gelaufen wäre. Der Respekt vor den anderen Läufern ist gut aber durch das Training bin ich nun auch kein Mauerpflänzchen mehr. Für meinen Hauptlauf am 10.10.2010 in Graz Halbmarathon muss ich mich aber noch sehr steigern. Ich habe dort ein Ziel (dass ich hier noch nicht veröffentlichen will) das schwer erreichbar sein dürfte. Dieser Lauf ist jedoch schwer einzuschätzen aufgrund des Streckenprofils.

Lg

RunningWilli

Weiterführende Links:

Offizielle Ergebnisliste vom 3. Böhlerit Volkslauf in Tragöß – Grüner See (Platz 69 Willi Prokop)
Offizielle Detailanalyse vom Volkslauf in Tragöß von Willi Prokop
Die Website des LCA Hochschwab (Veranstalter)
Die Website von Tragöß-Grüner See
Die Website vom Volkslaufcup

11 Antworten auf Mein 11,6 km Lauf beim Volkslauf (Volkslaufcup) 2010 in Tragöss

  1. Steffen sagt:

    Na da sage ich dann doch einmal herzlichen Glückwunsch!
    Ich weiß gar nicht was du willst, alles richtig gemacht, die zweite Hälfte schneller als die erste, eine gute Platzierung, lief doch super, oder?
    Hm, und was dein HM-Ziel angeht kann ich mir das schon denken, bin mal sehr gespannt ob ich damit recht haben werde, ich sage mal es liegt in etwa bei meiner PB über den Halben, eventuell sogar 3:07 Minuten schneller???? Ich bin gespannt!

    Herzliche Grüße an unser wunderschönes Nachbarland,
    Steffen

  2. Chris sagt:

    Glückwunsch zum Lauf. Genau für diese Erfahrungen sind solche Testläufe da. Etwas Wettkampfluft schnuppern, Taktik ausprobieren, Grenzen ausloten. Zeit und Platzierung ist dann eher nebensächlich. Umso motivierter wirst du in den Halbmarathon gehen! Aber Spaß haben nicht vergessen!

  3. RunningWilli sagt:

    Hallo Steffen,

    vielleicht sehe ich das nicht ganz richtig. Ich bin halt so ein Perfektionist… ;-) Wegen dem Halbmarathon würde mich jetzt aber sehr interessieren wie du mich einschätzt? Und danke für das “wunderschöne Nachbarland”…

    Hallo Chris,

    danke für dein positives Kommentar :-) . Ja es war eine wichtige Erfahrung denke ich. Die Wettkampfatmosphäre muss man erst kennenlernen. Immerhin war es das zweite offizielle Rennen in meinem Leben. Ich habe mich da anscheinend zu sehr auf die Zeit und den Platz konzentriert. Für den Halbmarathon war ich anfangs etwas demotiviert da ich mein mir gestecktes Ziel nicht erreichen werde. Aber mit jedem Tag Abstand nach dem Volkslauf gewinne ich wieder den Mut und die Motivation zurück. Weißt du was ich meine?

    Lg
    Willi

  4. Mario sagt:

    Hallo Willi,

    Glückwunsch zu dieser Leistung! Du setzt Dich aber schon ordentlich unter Druck, was!? ;-) Also eine Pace von 4:34min/km unter diesen Streckenbedingungen ist doch absolut top! Davon träumen viele auf der Straße! Und das alles nach erst 5 Monaten ernsthaftem Lauftraining! Also ich würde mir da überhaupt keine Gedanken machen. Du bist doch auf dem besten Wege zu einem Topläufer. Wenn mal mal so in den Laufergebnissen stöbert, stellt man fest, dass die Läufe meist von M35- oder M40-Läufern gewonnen werden. Also noch genügend Entwicklungspotential für Dich! ;-)

    Grüße aus Kölle!
    Mario

    P.S.: Kurz zu Deinem HM-Hochrechnungsbeispiel – 97 Minuten = 1 Stunde 37 Minuten. Ist aber bestimmt nur ein Tippfehler, oder? ;-D

  5. Mario sagt:

    Na super – da weise ich Dich auf Tippfehler hin und mache dann selber welche! ;-)

  6. RunningWilli sagt:

    Hallo Mario,

    danke für die Glückwünsche. Ja ich bin mir selbst der größte Kritiker. Eigentlich müsste ich wirklich zufrieden sein, aber ich bin halt auch leider ein Perfektionist. Und da sollte es das nächste Mal schon “perfekt” laufen ;-) Wahrscheinlich muss ich hier dankbarer auf das blicken was eben so gut läuft denn 5 Monate Training ist ja wirklich nicht die Welt – da hast du absolut recht. Der Weg ist das Ziel sagt man doch und der Weg passt.

    Anscheinend habe ich noch etwas Zeit denn so ganz alt bin ich noch nicht wobei in der Kategorie M35 bin ich schon. Du bist ein guter Motivator – echt!

    Mein Hochrechnungsbeispiel hat einen Tippfehler – ja stimmt. Dein 2. Kommentar hier (dass du dich selbst vertippt hast) habe ich erst später gelesen darum habe ich eine Zeit gebraucht das zu verstehen. Denn wenn ich mit einer Zeit von 1:07 nicht ganz zufrieden wäre…. ;-)

    Lg
    Willi

  7. Gerd sagt:

    Hallo Willi,

    bin erst heute dazu gekommen, den Beitrag zu deinem Rennen zu lesen. Ich glaube auch, du bist ein gutes Rennen gelaufen! Herzlichen Glückwunsch. Du erzählst ja ganz spannend :) ! Aus der Schilderung wird ja offensichtlich, dass die Strecke nicht ganz einfach, und auch nicht gerade flach war. Das trägt natürlich nicht dazu bei, einen guten Laufrhythmus zu haben. Bei dauerndem Auf und Ab verliert man auch erheblich Zeit. Ich würde den Zeitverlust auf irgendwo zwischen 30 und 60 Sekunden zu einer flachen Strecke einschätzen. Da du auch von Kurven gesprochen hast, kannst du dir getrost eine Minute von deiner erbrachten Laufleistung im Vergleich zu einem Straßenlauf abziehen. Da du ja nicht wußtest, dass der Untergund zum Teil aus Schotter bestand, war das auch kein Fehler Rennschuhe anzuziehen. Um das Problem aber für die Zukunft aus der Welt zu schaffen, rate ich dir folgendes. Nimm jedes Mal wenn du zu einem Rennen fährst, wo du nicht weißt es geht über die Straße, ganz einfach auch dein normales Paar Trainingsschuhe mit.
    Meine Analyse zu deinen Zeiten von beiden Runden ergibt, dass du die erste Runde tatsächlich zu langsam gelaufen bist. Fast zweieinhalb Minuten auf weniger als sechs Kilometer ist dann doch etwas happig. Das bedeutet, dass du auf der ersten Streckenhälfte wenigstens eine Minute schneller hättest laufen können. Zwar wäre dann die zweite Runde vielleicht mehr ganz so schnell geworden, aber du hättest mit Sicherheit auch mit dieser höheren Anfangs-Geschwindigkeit insgesamt noch zulegen können. Im Prinzip ist das genau richtig, was du gemacht hast. Du bist einen sogenannten Negativ-Split gelaufen. Will heißen, die zweite Hälfte schneller als die erste. Wie du selbst beschrieben hast macht das richtig Spaß, auf den letzten Kilometer den Überholer zu spielen und nicht den Überholten. Genau dadurch bist du überhaupt erst so schnell auf der zweiten Runde gelaufen. Diese Überholvorgänge haben bei dir nämlich soviele Glückshormone freigesetzt, dass du wahrscheinlich sogar über dein eigentliches Limit hinausgegangen bist. Jaja, wir Fußballer konnten uns schon immer quälen!
    Ich würde dir raten in der Zukunft etwas regelmäßiger an Wettkämpfen teilzunehmen, wenn dein Bein wieder auskuriert ist, denn es ist immens wichtig Wettkampferfahrung zu bekommen und genauso wichtig die sogenannte Wettkampfhärte. Das ist vergleichbar wie mit dem Fußball. Da ist man oft genug am Anfang der Saison noch nicht so gut drauf. Es dauert dann einige Spiele bis man “voll im Saft” steht. Vorbereitungswettkämpfe sind sehr wichtig, da kann man auch mal was ausprobieren, was man bei einem wichtigen Rennen nicht unbedingt machen sollte. Bei einem Vorbereitungsrennen kann man verschiedene Taktiken ausprobieren, und dabei gar nicht auf die Zeit schauen. Zum Beispiel diesen Negativ-Split üben. Wie nah man aneinander die erste und zweite Hälfte laufen kann, wobei die zweite Hälfte bevorzugt (siehe Glückshormone) die schnellere sein sollte. Ein anderes Mal kann man einfach mal versuchen so schnell wie möglich anzugehen, oder einfach mal einem Läufer, den man vorher vielleicht schon mal bei einem anderen Rennen gesehen hat und der normalerweise immer weit vor einem ist, so lange wie möglich an den Fersen kleben. Zum Beispiel bei einem 10km Rennen so nach dem Motto, du bleibst jetzt fünf Kilometer lang in seinem Windschatten, der Rest ist auslaufen. Ich hatte früher als ich noch in Deutschland wohnte, einen Laufpartner, der ein ganzes Stück schneller war als ich. Da hatte ich dann das Ziel, den mußt du immer im Blick haben, dann bist du ein gutes Rennen gelaufen.
    So kann man seine Erfahrungen machen ohne gleich über die Zeit enttäuscht zu sein, da man ja etwas ausprobiert hat. Dennoch sollte man wenigstens einen “wichtigen” Vorbereitungswettkampf vor dem großen Rennen laufen. Dann hat man einen guten Indikator, falls die Strecken vergleichbar sind, wie schnell man den Hauptwettkampf angehen kann.
    Übrigens, ich tippe darauf, dass du beim HM in Graz auf jeden Fall 1:35 Stunde laufen willst. Nein, ich glaube das ist nicht ganz richtig. Dein erster HM war 1:41, du hast eine Frau und sechs Kinder. Dann heißt das also nach Adam Riese: Für jedes Familienmitglied willst du 1 Minute “einsparen”, also am Ende eine 1:34!
    Gruß, Gerd

  8. Steffen sagt:

    Also gut, Butter bei die Fische, ich sage dir wie ich dich einschätze:
    Als sehr realistisch sehe ich bei dir eine Zeit von etwa 1:38. Wenn alles gut laufen sollte, das Wetter passt und du dich gut fühlst, traue ich dir eine 1:35 zu.

    Liege ich jetzt sehr weit mit meiner Einschätzung daneben?

    Ähm, ist doch auch ein sehr schönes Nachbarland, oder?

    LG
    Steffen

  9. RunningWilli sagt:

    @Gerd: Danke für dein Lob und dafür, dass du meinen Erfahrungsbericht so genau gelesen hast. Ja, das Laufen ist eine spannende Sache… ;-)

    Eventuell ist der Zeitverlust noch größer, denn im Flachen habe ich da schon andere Geschwindigkeiten. Das mit den Trainingsschuhen habe ich mir auf der Strecke auch gedacht dann. Denn es gab etliche Läufer die eben nicht mit den Wettkampfschuhen gestartet sind aufgrund der Strecke.

    Was wäre aus deiner Sicht denn eine “richtige” erste Runde gewesen von der Zeit her? Habe ich doch gewusst dass ich negativ gelaufen bin… ;-) Ja die Glückshormone dürften mich nach vorne gepeitscht haben. Aber nicht nur mich sondern auch meine Laktatwerte nach oben. Das Quälen gehört zum Sport dazu. Es ist doch irgendwie komisch. Direkt auf der Strecke denke ich mir dann immer “Willi, warum tust du dir das an?”. Aber Tage danach ist dann die Freude und der Stolz so groß dass ich dieses Erlebnis nicht missen möchte sondern gleich wieder ein Rennen laufen will.

    Mehr Wettkämpfe bedeutet allerdings auch, dass ich mich nicht so top vorbereiten kann. Denn jedes Rennen bedeutet ja Vorbereitung und Regeneration vom Rennen. Ich werde Wettkämpfe laufen aber nicht zu viele, denn ich möchte ja vor allem meine Leistung mal steigern – und da ist ja noch Potential. Aber ein Rennen “zum Spaß” sollte ich schon mal einbauen, denn diese Taktiken die du da beschreibst sind schon reizvoll.

    Der Umgang mit der Enttäuschung und der Erwartungshaltung ist wichtig – und da muss ich auch noch lernen. 1:35 wäre eine gute Zielzeit. Aber das mit den 1:34 und der Familie könnte ja noch ein Treibstoff sein. Schade dass wir “nur” 6 Kinder haben… ;-)

    @Steffen:
    1.35 ist meine Zielzeit. Du schätzt mich gut ein. Aber wie genau deine Einschätzung dann wirklich stimmt werde ich sehen “wenn mir die Puste ausgeht…” Ja, Österreich ist wundervoll. Wir fahren morgen in den Urlaub – nach Österreich!

    Lg & vor allem danke für eure Zeit hier ein Kommentar zu schreiben

    Willi

  10. Gerd sagt:

    Hallo Willi,
    wie ich schon in meiner vorherigen Nachricht gesagt habe, hättest du wenigstens eine Minute schneller laufen können in der ersten Runde. Ich bin überzeugt, dann wärest du in der zweiten Runde ebenfalls noch schneller gelaufen.
    -Mehr Wettkämpfe bedeutet allerdings auch, dass ich mich nicht so top vorbereiten kann.-
    Das ist einfach ein falscher Ansatz Willi. Du mußt dir Wettkämpfe als etwas komplett separates vom Training vorstellen. Das Training präpariert deinen Kopf und deinen Körper um an Rennen teilzunehmen, aber du brauchst schon mehrere richtige Rennen um ein guter Wettkämpfer zu werden. Du mußt die den Wettkampf ganz einfach als eine andere Art von Training vorstellen, genauso wie ein Schwellenlauf eine andere Form von Training ist wenn du so etwas vorher noch nicht gemacht hast. Dafür braucht man wahrscheinlich verschiedene Versuche um den richtigen Wert dieser neuen Erfahrung zu erkennen. Erinnere dich, dass Training deine Fitness verbessert. Der Wettkampf ist dazu da deine Fitness praktisch herauszufordern. Lass dein Training nicht deine Begabung für den Wettkampf unterdrücken.
    Das hört sich vielleicht ein bißchen komisch an, aber manche Läufer können erst in einem Rennen ihre wahre Leistungsfähigkeit entfalten und ganz andere Leistungen bringen als im Training. Außerdem, wenn man Vorbereitungsrennen läuft, dann verliert man nicht an hartem Training. Denn dann baut man das Vorbereitungsrennen als die harte Einheit der Woche ein. Das ist überhaupt kein Problem.
    Und jetzt viel Spaß im Urlaub!

    Gruß, Gerd

  11. RunningWilli sagt:

    Hallo Gerd,

    danke für dein Kommentar.

    Ich kapiere nicht ganz warum ich in der zweiten Runde schneller laufen hätte sollen wenn ich schon mehr Tempo in der ersten Runde gemacht hätte. Wäre ich dann nicht noch mehr kaputt gewesen in der zweiten Runde bzw. auf keinen Fall schneller als ich eh gelaufen bin in Runde 2?

    Das mit der Wettkampferfahrung sieht mein Trainer wie du. Ich brauche die Erfahrung. Allerdings sollte ich es eben als Trainingslauf betrachten und nicht immer 130% laufen. Mir ging es nur um den Zyklus zwischen Training und Regeneration. Aber wenn ich gut trainiert (besser als jetzt) bin dann ist auch die Regenerationszeit noch besser als jetzt.

    Danke für deine Worte.

    Lg
    Willi