Diese Woche habe ich mich entschieden mein erstes geplantes Rennen 2011 den Eisbärlauf LCC Lauf in Wien abzusagen. Dieser Wettkampf (Halbmarathon) war als Bestzeitenrennen gedacht um meine Leistung nach 1 Jahr Training zu protokollieren. Nun kam aber alles anders. Wann hast du einen wichtigen Wettkampf abgesagt? Wie ist es dir dabei gegangen? Was war der Grund dafür?

Diese Becher werde ich am Wochenende nicht sehen…
Ich selbst bezeichne mich als absoluten Vollblut Wettkampftyp. Darum gehört ja ein Bestzeitenrennen immer dazu. Gerade auf meiner Lieblinsstrecke – dem LCC Lauf in Wien habe ich ja bereits meine Bestzeiten purzeln lassen. Nun stehe ich aber vor einer vollkommen neuen Situation. Ich habe das erste Mal in meinem Leben einen geplanten Wettkampf abgesagt. Die Gründe dafür möchte ich hier nicht nennen, da ich dazu einen Podcast geplant habe der in Kürze veröffentlicht wird.
Vielmehr möchte ich dir sagen wie es mir geht mit dieser Entscheidung:
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Verloren: Ja ich denke, dass ich verloren habe. Ich habe den ganzen Winter ohne Unterbrechung trainiert und das war nicht immer leicht. Das Ziel war der Halbmarathon am 27.3.2011 in Wien. Nun habe ich verloren. Ja, ich habe mein Ziel aus den Augen verloren und auch einen Wettkampf der einfach ideal gewesen wäre. Denn am 27.3.2011 werde ich genau 1 Jahr von meinem Trainer betreut. Es wäre das Ende des ersten Jahres meines Trainings gewesen. Nun habe ich verloren.
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Jucken und Kribbeln: Ganz kann ich es nicht wahrhaben denke ich. Denn jeden Tag denke ich darüber nach ob ich nicht doch starten sollte. Aber so vieles spricht dagegen. Aber als Wettkampftyp ist das ganze nicht so leicht auszublenden. Hier gibt es einen Kampf zwischen Kopf und Herz. Und das ist ein Hin und Her jeden Tag – jede Stunde. Ich finde es jedoch schön, dass ich ein Jucken habe, denn das bestätigt ja meine Linie, dass ich bei Wettkämpfen starte und diese gut für mich sind.
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Neue Ziele: Nie hätte ich mir gedacht, dass ich mal einen wichtigen Lauf absagen werde. Nun ist es passiert. Nach der ersten Enttäuschung habe ich nun Platz für neue Ziele – Ziele die aus dem innersten meines Herzens kommen. Das sind Ziele die nicht beeinflusst wurden von anderen Läufern oder Läuferinnen. Ziele die von mir kommen und für die ich kämpfen werde. Aber diese neuen Ziele gibt es erst seit gestern Abend. Davor war ich einfach nur leer und habe mich gefragt warum gehe ich eigentlich laufen?
Jetzt spüre ich den neuen Frühling in mir und bin voller Tatendrang obwohl ich gar nichts mache derzeit. Aber was das genau bedeutet dann im neuen Podcast….
Jetzt würde mich aber interessieren ob du schon mal einen wichtigen Wettkampf abgesagt hast? Wie ging es dir dabei? Warum hast du das gemacht?
Run ON!
Willi

Hallo Willi,
ich bin ja mal auf Deinen Podcast und die darin genannten Gründe gespannt, denn ich kann mir vorstellen, dass Dir diese Absage ganz gewaltig schwer gefallen ist. Da ich mich als ähnlichen Typ wie Dich sehe, kann ich sehr gut mitfühlen wie es Dir mit dieser Entscheidung geht. Aber dennoch……egal was der Grund ist…..Hut ab……So wie es sich für mich anhöhrt, ist es auf jeden Fall kein gesundheitlicher Grund. Umso mehr kann ich nur sagen…..gewaltig. Ich glaube ich könnte das nicht, aber wie gesagt….ich kenne Deine Gründe (noch) nicht.
Mir ging es vor vielen Jahren auch mal so. Ziemlich genau 20 Jahre ist das schon her, als ich genau einen Tag vor einem Marathon Nierenkoliken bekam und ins Krankenhaus musste. Zwei Jahre Training umsonst……Das hat mich derartig umgeworfen, dass ich 6 Wochen gar nicht mehr laufen wollte bzw. gesundheitlich konnte. Danach hab ich es nie mehr so weit gebracht, dass ich in die Nähe kam, einen Marathon durchhalten zu können. Die Entscheidung nicht zu laufen war natürlich nicht freiwillig aber dennoch……trotz wirklich heftigster Schmerzen und obwohl mir die Ärzte im Krankenhaus gesagt haben dass es unmöglich ist am nächsten Morgen zu starten, ich wollte es nicht wahrhaben und habe noch in der Nacht spekuliert am nächsten Morgen einfach abzuhauen und den Lauf mitzumachen. Aber es kam anders. Ich hatte dann solche Dauerkolliken, dass ich mit Schmerzmitteln nur so vollgepumpt werden musste um es überhaupt auszuhalten. Trotz dem ich davon eigentlich zugedröhnt war, ging mir immer wieder der Marathon durch den Kopf. Ich konnte es einfach nicht fassen. Wie viele sch…..Läufe hab ich mir aufgezwungen….den ganzen Winter war ich durch Schnee und Eis gelaufen…..und jetzt das.
Du weißt ja, dass bei mir beruflich noch ein 3-wöchiger “Indien”-Aufenthalt bevorsteht……ich glaub wenn ich wegen dem meinen Hauptwettkampf am 6.Juni nicht mitmachen könnte……da würde eine Welt zusammenbrechen. Was hab ich und werde ich doch noch hart trainieren……Boah….nee….ich darf nicht dran denken. Ich hoffe und bete nur, dass ich erst nach diesem Termin da rüberfliegen muss…….Im Moment ist´s auf jeden Fall noch unbekannt.
Wenn man sich so auf einen Wettkampf fixiert hat, dann fällt es zumindest mir so unglaublich schwer, sich danach neue Ziele zu setzen, ja ich kann es mir gar nicht vorstellen. Ich glaube mir erginge es ähnlich wie nach dem Marathon-Erlebnis……ich würde wochenlang von Sport nichts mehr hören und sehen wollen…….nur um nicht mehr dran denken zu müssen….
Auf Deinen Podcast bin ich sehr gespannt….vor allem auch, wie Du eben jetzt damit umgehst……
viele Grüße
Jürgen
Hallo Jürgen,
die Gründe habe ich um einen Podcast verschoben. Aber im aktuellen möchte ich über meine Erlebnisse in dieser Woche ohne Sport oder 9 Tage ohne Sport berichten.
Ja für mich ist es auch eine gewaltige Veränderung, denn ich bin der gleiche Typ Sportler wie du. Aber ehrlich Jürgen lernt man nicht aus solch Erlebnissen wie du es vor 20 Jahren hattest das meiste für das Leben. Man sollte doch unendlich dankbar sein dafür. Denn nur dadurch kann man sich weiterentwickeln als Mensch. Und das hast du gemacht.
Weisst du noch gar nicht wann du nach Indien musst? Ich werde meinen Draht nach oben nutzen um eine gute Lösung für dich zu erhalten….
Aber Jürgen glaube mir, wenn du dieses Jahr nicht starten kannst ist das vielleicht das Beste das dir passieren kann. Denn dann wirst du nächstes Jahr noch stärker sein. Verbissenheit ist nicht immer gut. Aber die Gratwanderung zwischen Verbissenheit und Zielerreichung ist so schmal.
Und weil du es schreibst -- der heutige Podcast erzählt “nur” darüber wie ich damit umgehe mit der sportfreien Woche. Jetzt fällt mir gerade ein, dass ich gar nicht erwähnt habe im Podcast, dass ich meinen Wettkampf abgesagt habe…. also echt live eben…
Run ON!
Willi
Hallo Willi
Mußte auch meinen ersten Wettkampf diese Jahr absagen auf den ich mich eigentlich gefreut hatte.
Der Grund war mal wieder die arbeit mußte noch eine Nachtschicht dranhängen somit wäre ich am Wettkampftag erst in der Früh aus der arbeit gekommen und um 10:00 wäre der Start gewesen.
Aber das habe ich mir nun wirklich nicht angetan un der gesunde menschenverstand hatt gesiegt naja das wetter ( regen und kalt ) hatte natürlich beim nein noch unterstützt.
So nun suche ich mir noch einen 10 km testlauf im Mai für den ersten HM am 05.06 in Fürth.
Würde es im übrigen nicht sagen das Du nichts machst . Geistige arbeit wie nachdenken kann manchmal genauso anstrengend sein wie eine Trainingseinheit!!
Viele Grüße Christian
Hallo Willi,
ja, wenn man nur gleich sofort soviel Weisheit besitzen könnte, dass man einsieht dass es besser war oder ist dass man diesen Wettkampf jetzt nicht macht…..doch meist fehlt da zumindest bei mir die Abgeklärtheit. Es stimmt schon, dass ich verbissen an meinem Ziel arbeite, aber bei mir ist halt auch so ein bischen Torschlußpanik. Ich bin 43, werde dieses Jahr 44. Klar kann man auch in höherem Alter noch vernünftige Leistungen erzielen, aber ich habe momentan so das Gefühl, dass die Zeit wo ich meinen Körper noch richtig fordern kann, wo ich noch eine echte Leistungssteigerung sehen kann, die rinnt in den nächsten Jahren ab. Ich bin auf diese Zeit “danach” soweit man das kann, vorbereitet, denn es wird eine Zeit sein, in der ich mir keine Ziele mehr setze sondern versuche einfach mehr zu genießen. Es wird spannend werden ob ich das kann, aber ich habe es mir vorgenommen. Jetzt aber, wäre es für mich aus diesem Grund einfach ein bitteres verschenktes Jahr wenn Indien mir dazwischen käme. Für nächstes Jahr werde ich auch mit dem Wettkampf stärker sein, aber ihn mitzumachen…..das erste Mal an dem 13%er 200m von der Haustür entfernt in echtem Tour-de-France-Feeling und jeder Menge Leute die man kennt…….das muss ich einfach haben…..dieses Jahr…..UND nächstes Jahr. Von daher hoffe ich sehr, dass Du diesbezüglich gen Himmel mitbewirkst, dass es klappt.
Viele Grüße
Jürgen
Hallo Jürgen,
was keine Ziele mehr wenn du 50 bist? Aber wirklich nicht. Denn in jedem Alter kann man sich Ziele stecken. Und du bist ein Wettkampftyp darum wird dieses genießen dich nicht 100%-ig befriedigen. Was hältst du davon, wenn du in deiner Alterklasse ein top Fahrer wirst? Also ich war total beeindruckt als ich im letzten Laufbuch die Storys von den 60 und 70-jährigen Marathonläufern gesehen habe. Wenn du mit 65 eine top Leistung bringst erhältst du sogar Standing Ovations, denn das ist was ganz besonderes. Also ich würde mir schon jetzt auf jeden Fall deine Ziele als “Greis” ausdenken….
Run ON!
Willi
Super dass du so entschieden hast. Denn bei all den Zielen und dem Willen sollen wir auf unseren Körper hören…
Run ON!
Willi