Der Wettkampf – Er ist losgelassen. Der Wettkampftag……um 5 Uhr klingelt der Wecker….aber das wäre gar nicht nötig gewesen. Mein Kopf fährt die Strecke bereits seit Stunden ab. Unglaublich…..Zu der Nervosität gesellt sich bei mir meist dann auch noch der Gang zur Toilette. Unglaubliche 6x war ich dort und wenn´s für eines gut war, dann dafür, dass ich dabei 1,4kg an Gewicht verloren habe……und das ganz ohne Abführmittel.
Wettkämpfe sind für mich ganz natürliche Abführmittel. Gut dass ich mir am Vorabend einen Zettel geschrieben hatte an was ich alles denken musste. Nicht zuletzt, dass ich meine Reifen nochmal auf 8 bar aufpumpte. Das kann enorm Kraft kosten wenn man das vergisst. Immerhin hab ich sogar noch eine Banane mit etwas Haferflocken und Joghurt runter gekriegt….und ein Stück Marmorkuchen. Nachdem alle Utensilien und auch etwas zu Essen (Der Geheimtipp: 2 Pellkartoffeln) gepackt waren fuhr mich meine Frau mitsamt Rad an den Startsee, den Badesee in Ubstadt-Weiher.
Dort regierte bereits das blanke Verkehrs-Chaos…..Es wimmelte nur so von Menschen und Autos und verzweifelten Polizisten die den Verkehr irgendwie leiten mussten. Also packte ich schnell mein Rad runter, schnappte mir meine 3 Taschen und ging zum Rad-Check-in. Dort wird das Rad und der Helm geprüft und in den Ständer an seine Position gebracht. So….jetzt galt es per Telefon meine Staffel-Mitstreiter zu finden. Bis wir uns dann endlich gefunden hatte verging gut ne halbe Stunde. Ich begann ruhig zu werden. Komisch für mich…..Auf´s Klo musste ich auch nicht mehr…..War ja nix mehr im Darm das raus konnte….
Sodann begann ich meine Kartoffeln zu essen, danach eine Banane, danach 2 Bananenbrot-Riegel und abschließend eine Nußriegel. Wow……das war Carboloading……Ich fühlte mich gut. Wollte aber endlich losfahren. Der Start der ersten Startgruppe war längst geschehen und das waren die Profi´s wie Norman Stadler, Andreas Raelert oder Sebastian Kienle. Dann war es 10 Uhr und der Startschuß für „meinen“ Schwimmer fiel.
Wenn er seine Vorgabe einhalten würde, dann geht´s jetzt also in ca. 30 Minuten für mich los. Ich ging zu meinem Fahrrad wo der Schwimmer dann vom See aus hinsprintet und setzte mir bereits mal schon mal meinen Helm auf. Dann….nach gut 28 Minuten….wow war der schnell….kam er schon. Er machte mir den Zeitnahme ans Bein und los gings zu Fuß und mit geschobenen Rad bis zur Linie, gut 100m, wo man endlich aufsitzen durfte. ENDLICH…..ich bin auf die Strecke losgelassen.
Die ersten knapp 10km ging es flach dahin. Es war still…..hier sind kaum Zuschauer….mein Puls ging hoch und erreichte meine anaerobe Schwelle (AES). Mist…..denn eigentlich hätte ich gern noch mehr „Dampf“ gemacht…..aber ich sollte hier unbedingt unter dieser Pulsschwelle fahren. Dann fing die erste Welle an. Im Gegenwind….wie so oft im Training….Aber ich fuhr weiter über 30km/h….nahe an der AES und erst als es dann an den ersten steilen Berg ging, nahm ich etwas Kraft raus….und das war gut so….denn an diesem Anstieg mitten im Ort…. das erste Mal viele, viele Zuschauer, die einen Berg hochschrien.
Ich ging in den Wiegetritt und jetzt auch über die AES (hier erlaubt) und überholte so einige. Upps….scheinbar war ich am Berg doch nicht sooo schlecht wie ich glaubte. Von jetzt an ging es ständig auf und ab…..nach 35km kam dann endlich die Abfahrt nach Gochsheim….meinem Heimatort….und dann im Ort die 13%-Rampe wo links und rechts eine frenetisch anfeuernde Menschenmasse stand….viele Verwandte und Bekannte dabei….
Ich jagte den Berg mit (nachweislich mit den Tachoaufzeichnungen abgelesen) im steilsten Stück mit 30km/h hoch. Erst oben ging der Speed auf unter 20km/h zurück. Ich fühlte mich wie von einem Sog hochgezogen. Viele meinten ich sei da im Vergleich zu sehr vielen extrem schnell hochgezogen….. Ja, so kam es mir auch vor und im Training bin ich da nie soooo hochgekommen. Wahnsinn…….Von oben bis unten hatte ich nur noch Gänsehaut. Was für eine Stimmung.
Es ging weiter und ich versuchte mich weiter genau an die Pulsvorgaben meiner Trainerin zu halten. Die ganze Zeit hätte ich an meinem Tacho mal schauen können, wie denn aktuell gerade meine Durchschnittsgeschwindigkeit ist……aber ich traute mich nicht…..und wollte mich auch nicht noch mehr unter Druck setzen. Jeden Berg ging ich dann mit hohem Puls (über AES) hoch und versuchte mich in der Abfahrt so einigermaßen davon zu erholen. Die Pulsauswertung zeigt auch, dass ich da sehr gute Werte hatte…..also mein Puls sich da wirklich erholte.
So fuhr ich dann weiter und dann kam der letzte Berg, der Schindelberg……hat sowas von „schinden“ also „plagen“. Ja, der Berg tut dann auch wirklich ziemlich weh. Unten noch relativ flach macht er nach oben immer mehr zu und geht auf 10-11% Steigung. Zum Glück auch hier wieder etliche Zuschauer, die einem nochmal letzte Energie geben. Dann war ich oben und fuhr über die Zeitnahmematten…….jetzt endlich schaltete ich um auf die Durchschnittsgeschwindigkeit……
Ich las ab: 29,93 km/h und im gleichen Moment schossen mir Tränen der Freude und Erschöpfung in die Augen und ich dachte schon ich müsste anhalten weil ich nichts mehr sah. Waaaahnsin….. Ich wußte jetzt, weil die letzten knapp 10km nur noch bergab oder flach waren (mit zwei kleinen Erhebungen), dass ich mein Ziel, einen 30er Schnitt zu fahren, tatsächlich schaffen würde.
Meine Beine waren plötzlich wieder erstaunlich frisch und ich raste die Abfahrten runter und dann das letzte Flachstück, in vollem Gegenwind, nochmal mit fast 40km/h dem Ziel entgegen. Ich presste alles, wirklich alles was ich hatte aus mir raus. Kam im Ziel an und hatte einen Schnitt von 30,55 km/h. Mit allerletzter Kraft rannte, nein torkelte ich Richtung Wechselzone und brach dort zusammen.
Mein Läufer nahm mir den Zeitnahmechip vom Fuß und rannte los…..und ich….ich war nach gut 5 Minuten auch wieder ok. Was in dem Moment dann an Glückshormonen im Körper freigeschüttet waren…..dafür gibt es weder Worte noch Buchstaben. Ich kann nur sagen ich war mega-high. Im dritten und letzten Teil geht es dann um dieses Bikers-High und die Zeit danach…..
Euer Jürgen

Hi Jürgen,
alleine der Beginn dieses Berichts trifft den Nagel auf den Kopf. Ja, wir alle trainieren oft über Wochen und Monate. Und dann werden wir losgelassen. Gerade du und ich sind uns da ähnlich. Du und ich wir starten nicht oft bei Wettkämpfen. Aber wir trainieren dann auch im Winter dafür. Manchmal fragt man sich auch warum man sich das antut, aber das gehört dazu. Und dann eben wenn der großte Tag da ist dann werden wir losgelassen. Prima.
Die Toilette kenne ich von meinen Rennen auch. Am Anfang machte ich dann noch den Fehler, dass ich Magnesium zu mir genommen hatte. Also die Wettkampfgedanken und Magnesium sind eine fixe Dauerkarte auf dem Dixiklo.
Mich hätte nun dein Zettel für die Vorbereitung am Wettkampftag interessiert. Ich habe da auch so einen. Bei meinem ersten Rennen 2009 habe ich mir den ausgedruckt. Und weil ich zu faul bin habe ich dann nur mit dem Kugelschreiber Ergänzungen gemacht die sich dann aus der Erfahrung der anderen Wettkämpfe ergeben haben. Kannst du mir den Zettel fotografieren und mailen?
Was mich noch interessieren würde ist wie deine Frau mit diesem Tag umgegangen ist? Wie hat sie dich erlebt und wo hat sie dir geholfen?
Also wenn ich eine halbe Stunde meine Staffelkollegen suchen muss zucke ich aus. Da werde ich nicht ruhiger. Bist du dir sicher, dass du keine Beruhigungsmittel genommen hast?
Also wenn ich dich nächstes Jahr eine halbe Stunde suchen muss schreie ich mit dem Megaphon nach dir, das versprich ich dir.
Und jetzt wo ich weiterlese habe ich DIE Motivation warum ich doch bald bei einem Wettkampf starten sollte: Ich kann dann wieder genug Peeroton Bananenbrot “fressen”. Ja, da muss man ja in der Trainingsphase sparsam damit umgehen. Aber vor und nach dem Rennen gibt es dann das große Fressen.
Hast du die Profis hautnah erlebt? Wie war das für dich zu wissen, dass solche top Leute da mitmachen? Macht das für dich einen Unterschied oder ist das egal für deine Leistung und dein Erlebnis an so einem Tag?
Der Schwimmer hat ja eine ordentliche Leistung gezeigt. Willst du den auch für das nächste Jahr nehmen oder gibt es da noch schnellere in der Börse?
Ich finde es prima, dass du dich nicht verleiten hast lassen. Weißt du wieviele Anfänger den Fehler machen sich von dem Emotionen treiben zu lassen? Da wird am Anfang weit über das Limit gegangen. Und genau das hätte dir am Ende nicht so eine top Leistung ermöglicht. Aber man braucht auch viel Hirn dabei wenn man so agiert. Denn das Herz möchte ja Vollgas geben. Und auch wenn die ersten 10 KM keine Zuschauer waren dein Puls und dein Herz war auf tausend bestimmt.
Und auch hier bist du mir ähnlich: … Upps….scheinbar war ich am Berg doch nicht sooo schlecht wie ich glaubte. …. Wir beide unterschätzen unsere Fähigkeiten manchmal etwas. Warum solltest du schlecht drauf sein? Du hast prima trainiert und du hast dich optimal darauf vorbereitet? Du bist eben gut drauf gewesen. Manchmal gehen Leute die nicht so viel über das Training und die Vorbereitung wissen mit weit mehr Selbstvertrauen an den Start. Ich kenne das von mir.
Und nun beginnt das eigentliche Rennen. Du hattest soeben bemerkt, dass es einen großen Unterschied zwischen Rennen und Traininig gibt. Ja, dieses Emotionen bewegen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Man fliegt dahin wie man das im Training nie schaffen würde. Schön wie du diese Emotionen in Worte packst.
Aber den Schindelberg haben die nicht extra wegen dem Triathlon so benannt oder?
Und nun kommt DEIN Erlebnis. Ich kann mir einigermaßen vorstellen wie das für dich war. Ich denke du hattest ein gutes Gefühl vor dem Umschalten. Aber als dann DEINE Bestätigung kam muss das ein zutiefst berührendes Ereignis gewesen sein. Ja, Jürgen du hast es geschafft! Und noch mehr! Ja, du kannst stolz sein auf dich! Sehr stolz sogar! Die letzten Wochen und Monate des Leidens und des Trainings hatten einen Sinn. Und ich wage zu behaupten, dass du Talent für diesen Sport besitzt.
Ich kenne die Geschichte vom Läufer (leider) auch. Aber kannst du die hier auch mal erzählen. Denn die war ja leider nicht so ganz erfolgreich. Hier hätte mich interessiert wie denn die Laufstrecke war bei der Kraichgau Challenge. Und warum der Läufer die anvisierte Zielzeit nicht erreichte. Was kann ich daraus für das nächste Jahr 2012 daraus lernen damit mir das nicht passiert? Und was sind die Tücken dieser Strecke? Was war eigentlich die Siegerzeit in der Staffel beim Halbmarathon?
Congratulations!
Run on!
Willi
Und weißt du was mir noch fehlt? Die Platzierung und die Zeit von deiner Staffel. Denn leider konnte ich in der offiziellen Ergebnisliste nix finden.
Run ON!
Willi
Hi Willi,
ja….also bei soviel Lob….da muss ich mit der Kritik wohl selber ran…..
Zum Glück sehe ich schon einiges an Verbesserungspotential und ich kann Dir versprechen, wenn ich gesund bleibe und mein Geschäft mich vor Indien bewahrt……dann werde ich mich verbessern in 2012.
….ABER….ganz klar…Magnesium ist, vor allem wenn man ein bischen zuviel davon einnimmt oder auf nüchternen Magen eindeutig abführend…..von daher sollte man es wohl besser nicht nehmen. Neigst Du zu Muskelkrämpfen beim Laufen, oder warum nimmst Du Magnesium ?
Ja, also nochmal danke für Dein Lob.
Ich wieder chronologisch durch Deinen langen Kommentar (vielen, vielen Dank für Deine Zeit) und möchte so gut es geht antworten.
Das Magnesium vor dem Wettkampf…..ja, also ehrlich gesagt…..ich wüsste bei mir nicht, was mir das noch aus dem Darm treiben soll……weil der war leer…..
Von meiner Frau kenn ich das auch. Sie muss Magnesium nehmen um nicht ständig, vor allem Nachts, Krämpfe zu kriegen……ich bin davon zum Glück nicht betroffen. Ich brauch weder vorher noch nachher Mg.
Wegen meinen Wettkampfnotizen……die schick ich dir per Mail. Hab vom Original (Excel-Datei) einen Screenshot gemacht, da man auf dem Foto nix lesen kann. Im Großen und Ganzen hab ich mich eigentlich gut gehalten. Von den einzulegenden Gängen war ich manchmal sogar in der Lage einen höheren zu treten……aber das ist ja auch nur ne Richtschnur an die ich mich halten wollte um an den Anstiegen nicht zu überpacen. Auch die Pulswerte habe ich um einiges überschritten, was aber mir schon aus der Erfahrung vom letzten Jahr klar war. Im Wettkampf kannst Du einen Puls fahren oder laufen, der geht einfach im Training nicht……und das ist ja dann auch der Kick, wenn man sieht wieviel mehr da doch geht, oder ? Klar wandelt man aber an der Grenze zum “zuviel”….und da muss man aufpassen und in sich reinhören.
Meine Frau hat mich morgens zum See gefahren ….mit dem Auto…. Sie wäre auch gerne mit zum Start gekommen, aber in dem Auto-Chaos, wäre parken sehr schwierig geworden. Da dann später auch meine Eltern kamen ist sie dann doch früher wieder heimgefahren. An meinem Hausberg habe ich sie durch das hohe Tempo und den kurzzeitigen Ärger weil mich in der Abfahrt kurz vorher einer ausgebremst hatte nur kurz gesehen……aber gehört um so mehr…..Wir haben von WM in Südafrika noch eine dieser Vuvuzela´s…..(vermutlich total falsch geschrieben)…..und die hab ich natürlich deutlich gehört und dadurch auch sofort registriert wo sie alle stehen. Ansonsten wäre das eben wegen des Tempo´s schwierig geworden. Durch ihre gewohnt ruhige Art war sie am Wettkampfmorgen und auch in den Tagen zuvor schon eine wichtige Stütze. Ihr konnte ich meine Leiden, meine Vorhaben, meine Ängste sagen und wenn sie natürlich auch nicht direkt helfen konnte, so tat es doch gut sich darüber auszusprechen. Meine Frau ist mir in meinem Leben DIE wichtigste Stütze ohne die ich einfach nur umkippen würde. Ich kann Gott nur jeden Tag für sie danken.
Das mit dem Suchen der Staffelkollegen war eigentlich relativ entspannt, da viel, viel Zeit war. Wir waren ja so gegen 7:30 -- 8:00 alle am See und unser Schwimmer war erst um 10 Uhr am Start…..also von daher……es wuselt zwar nur so von Menschen….aber mit Handy hat das irgendwann dann doch geklappt.
Das Bananenbrot hab ich momentan auch von meinem Ernährungsplan gestrichen. Erstens will ich mich nicht daran überfressen…..zweitens sind sie ja nicht grad billig und drittens sind es natürlich ne Menge Kohlenhydrate, von denen ich grad nicht so sehr viel verbrenne (davon im Teil 3 mehr)
Wie hab ich die Topathleten erlebt……klar….man erlebt sie hautnah….könnte sie ansprechen….(was ich aber nicht gemacht hab)….so hab ich bei der Wettkampfbesprechung am Vorabend alle Favoriten hautnah gesehen. Den Norman Stadler, den Sebi Kienle, den Sieger Andreas Raelert, die Yvonne van Vlerken…..ja…war schon was besonderes…..aber im Wettkampf dann eher nicht mehr…..die starten ja alle ne Stunde vorher (den Vorsprung brauchen sie anscheinend…grins) und sieht man nicht mehr allzuviel von ihnen…..außer bei der Siegerehrung. Für mich war das aber auch weniger wichtig. Klar ist es schon was besonderes wenn man weiß man treibt den gleichen Asphalt unter sich her, wie diese Spitzenleute, aber spätestens wenn man anfängt zu leiden, ist man, bzw. bin ich doch sehr allein bei mir…..
Der Schwimmer…..Guiseppe…..ja, der war echt super……also mit der 12.besten Schwimmerzeit aus dem Wasser zu steigen…..das war schon der Hammer….Bedenkt man nämlich, dass es unter den Staffelathleten meistens eben Spezialisten auf der jeweiligen Disziplin gibt, dann ist ein 12.Platz einfach Wahnsinn. Er hat mir heute geschrieben, er würde mitmachen…..und ich würde mich freuen, wenn wir damit unsere Staffel bereits vor Anmeldebeginn voll hätten.
Zu den ersten 10km…..ja…..ich hab die wirklich genossen…….und es war vielleicht gut, dass da wenig Zuschauer waren, denn man braucht einfach diese Kilometer um in einen Puls-und Tretrhytmus zu kommen…..und das geht am besten wenn man nicht gleich von außen gesteuert hochgepusht wird. Es ist auch vom Feeling her herrlich still. Eben am See noch diese Wahnsinns-Stimmung….Du willst einfach nur dass es jetzt endlich losgeht……dann kommt Guiseppe….schnell das Startband umbinden….schnell mit Rad zur Startlinie rennen……und dann…….wird es still…..Du merkst wie Du vor Kraft nur so strotzt…..Du willst alles reinhauen…..Dein Puls rast….und Du musst Kraft rausnehmen und schauen, dass Du schnell einen Rhytmus findest wo Du hohes Tempo am gewollten Pulslimit hast. Da sind die 7km einfach ideal dazu geeignet.
Warum ich am Berg von mir selbst überrascht war…..nun…..ich bin meinen Hausberg ja im Vorfeld unzählige Male hochgefahren……auch gerade am letzten Freitag nochmal…….aber ich konnte ihn vorher und ich kann ihn jetzt nicht nochmal so schnell hochjagen wie im Wettkampf……nicht mal Ansatzweise. Ich hab mich da echt wie in einem Sog gefühlt. Wie wenn mich die Zuschauer durch das Anfeuern hochziehen…….das erstaunt dann schon wenn man oben ankommt und fast erschrickt mit welcher Speed man da hochgefahren ist. Alle meine Bekannten meinten dass neben den Profi´s da nur ganz wenige in so einem Tempo da hochgefahren sind……nunja…..wenn sie meinen……Aber meine Tachoaufzeichnung zeigt dass ich im steilen 13% Stück noch mit 30km/h unterwegs war…….und das geht im Training nicht……seltsam….aber es ist so…..
Der Schindelberg……ja man könnte meinen sie haben ihn so genannt, weil es ein Berg zum Schinden ist, aber ich persönlich komme ganz gut mit ihm klar. Viel mehr tut mir der vorletzte und drittletzte Berg nach Tiefenbach und Eichelberg weh……weil da die Steigung so plötzlich kommt…….Der Schindelberg fängt so “gemütlich” mit 1-2 % an und steigert sich bis er erst gegen Ende mit ca. 10% richtig gemein wird, aber Tiefenbach……da kommst Du mit Tempo 35 an und plötzlich kommen da 10-11% und Du meinst Du stehst…..und das dann jeweils für so 500m……
Zum Thema Talent…..nun da habe ich ja bei der Auswertung meiner Leistungsdiagnose meine Ernüchterung geholt……oder vielleicht zum Glück…..denn wenn ich herausgekommen wäre, dass ich DAS Jahrhunderttalent gewesen wäre wenn man es nur gefördert hätte…..wär ja auch nicht so toll…..Aber immerhin gehörte ich zu den oberen Hobbysportlern und letztlich ist man für sich selbst auch ein gehöriges Maß verantwortlich wieviel man aus sich herausholt.
Ich wünschte mir allerdings schon oft, ich hätte diese 18 Jahre Badminton ausgelassen und stattdessen Triathlon gemacht, denn ich spüre, dass es das ist, was mich eigentlich reizt. Laufen konnte ich früher auch schon immer recht flott und das Schwimmen hätt ich bestimmt auch erlernt…..aber so…..naja….machen wir halt so weiter….
Abschließend noch zum Thema Läufer…..ja….klar war er natürlich nicht in seiner Zielzeit (1:30h) sondern erst in knapp 2h im Ziel, aber wir haben ihm natürlich trotzdem keinen Vorwurf gemacht. Sicher hätte uns das ca. 25 Plätze nach vorne gespült, aber letztlich war es für ihn der erste solche Wettkampf und letztlich stand für uns einfach der Spaß im Vordergrund und jeder sollte einfach für sich das Geben was er konnte. Letzlich ist ja jeder dann für sich mit seinem Wettkampf zufrieden oder nicht, und da ist es schön, wenn man als Team dann trotzdem feiert, auch wenn einer einen schlechten Tag hatte.
Warum er seine Zeit nicht erreicht hat, konnte er sich auch nicht so richtig erklären. Im Ziel meinte er, er sei zu schnell angegangen, aber die Zwischenzeiten zeigen auf den ersten 7km einen 5:11er Schnitt, was jetzt nicht sooo schnell ist, wenn man eine 1:30 laufen will. ABER…..ganz klar……Die Witterung war sehr schwierig. Es war unglaublich schwül und sehr warm. Zudem ist das Streckenprofil nicht so flach wie ich immer dachte. Wenn ich er gewesen wäre, hätte ich mir natürlich das im Vorfeld zig mal angeschaut und wär die Strecke auswendig gelaufen, aber er hat sich eben anders entschieden und war relativ überrascht über das Profil der Strecke.
Ich hab Dir ja gesagt, dass wenn ich wieder kann, ich noch dieses Jahr die Strecke mal mit meinem Garmin Forerunner ablaufe und Dir dann das Streckenprofil schicke. Ich weiß ja nicht wann Du nächstes Jahr anreist, aber falls Du schon einen Tag vorher da wärst, könntest Du Dir (mit mir auf dem Rad) die Strecke mal vorher anschauen……ist sicher kein Fehler…..Vom Ziel aus geht es wohl in beide Richtungen erst mal nur bergab und auf der einen Seite kommt wohl auch ein kurzer steiler Teil, der unangenehm sein kann. Die Lauf-Siegerzeit bei der Staffel war…..1:20:09 …..Die schnellste Frau auf der Laufstrecke war übrigens insgesamt 4.beste Läuferzeit mit 1:24:16…….Wahnsinn, oder ?
Die Ergebnisse der Staffelwettbewerbe schicke ich Dir dann mal noch per Email zu…….und Du wirst sehen……dass ich meine Startnummer zurecht trug…..grins
viele Grüße und sorry an alle…..dass ich wieder soooo lang war…..
Jürgen
Jetzt mach ichs kürzer……
Wir waren insgesamt 58.ster von 110 gewerteten Staffeln…..
Schwimmer (12. von 110): 28:37 Min.
Radler (47. von 110) : 2:56:45 h
Läufer (89. von 110) : 1:59:33 h
die gesamte Ergebnisliste schick ich Dir zu…..ist etwas schwer auf der Ergebnisseite zu finden….
viele Grüße
Jürgen
Hi Jürgen,
suuuper Bericht, hatte echt Gänsehaut
Gratulation zur sehr guten Zeit und dass du geschafft hast, was du dir vorgenommen hast! Meinen Respekt!
Bin nicht so der Radfahrer, aber nen 30 Schnitt im hügeligen Kraichgau klingt schon beeindruckend
Viele Grüße
Rolf
Hast du dir da den Phelps ausgeliehen
Hallo Jürgen,
es gibt immer Verbesserungspotential. Und es ist eine Voraussetzung, dass man ständig lernen will. Denn durch diese neuen Erfahrungen hast du nun wichtige Erkenntnisse für die nächsten Rennen gewonnen. Und die wichtigsten Infos sind jetzt jene über dich selbst. Etwas zu erfahren ist immer am härtesten aber auch am Besten.
Danke für die Excel Tabelle. Ich dachte jedoch, dass du so einen Notizzettel hast was du alles einpacken musst und was du wann machst? Das hatte ich falsch verstanden. Aber dennoch ist diese Tabelle interessant. Darf ich die hier veröffentlichen?
Für mich persönlich sind die top Athleten im Rennen auch nicht wichtig. Denn auch wenn da 5000 Läufer starten. Im Rennen laufe ich immer alleine und merke die anderen gar nicht.
Auf den Schwimmer freue ich mich schon. Auf jeden Fall haben wir beide nun keine Ausreden mehr für eine gute Zeit.
Wettkampf und Training sind zwei komplett verschiedene Dinge. Wenn ich jetzt manchmal in der Freizeit den Kindern nachlaufe denke ich, dass ich ein alter Greis bin. Aber wenn ich voll Adrenalin am Start stehe haue ich alles raus was nur geht. Und die Leistung ist ja dann auch ganz ok.
Talent kann man schwierig feststellen. Aber wenn ich von dieser Entfernung deine Leistungssteigerung sehe dann bin ich der Meinung, dass du Talent hast. Klar haben wir beide kein Talent um die Olympischen Spiele zu gewinnen. Aber es gibt auch Hobbysportler die können trainieren was sie wollen und steigern sich nur schlecht. Diese Läufer sind zwar ganz selten aber die gibt es. Habe erst vor ein paar Tagen dazu eine Studie gelesen.
Bin ja froh, dass du keinen Druck auf den Staffelläufer ausübst. Dann kann ich ja locker nächstes Jahr unter 2:00 rennen und du bist mir nicht böse….
Die 1:20 hauen mich nicht vom Hocker wenn ich ehrlich bin. Aber die Frauenzeit ist megastark.
Run ON!
Willi
Gratulation! Das liest sich wirklich gut.
Run ON!
Willi
Hallo Willi,
das mit dem Zettel hab ich dann wirklich missverstanden……also den ich Dir geschickt habe…..meinen Wettkampfplan was Gang und Puls angeht kannst Du natürlich gerne veröffentlichen….wenn Du meinst das könnte jemanden interessieren …..hm….weiß nich…..
Letztlich wird ein zu langsamer Läufer einfach aussortiert…..grins….
Also den Zettel mit dem was ich am Morgen alles erledigen muss……den hab ich leider nicht mehr…..leider.
Die 1:20 hauen Dich nicht vom Hocker ? Also ich find die Zeit schon nicht sooo schlecht……Selbst bei den Triathlon-Profi´s bist Du da nur knapp unter den Top-20. Die Spitzenzeit dort ist 0:42:52, aber das ist wohl ein Top-Läufer, der halt auch mal mitgeschwommen und geradelt ist……seine Schwimmzeit 0:56:26 und seine Radzeit 3:54:51 sind nicht wirklich gut und das hat ihn in der Rangliste weit nach hinten gespült (Platz 1006). Aber ich denke selbst 1:30h ist schon ne Hammerlaufzeit und da wird es wie beim Radfahren auch sein……jede Minute die man da schneller laufen will…..wird nach oben hin immer schwerer zu erreichen sein. Der oben beschriebene Super-Läufer dürfte wohl der einzige sein, der schneller 21km rennt wie er 1,9km schwimmt……
Was den Druck auf den Läufer angeht……oder den Schwimmer…….hey….letztlich wollen wir Spaß haben, oder?
Ich denke wenn Du locker knapp unter 2:00h rennst wie “mein” diesjähriger Läufer wirst Du wohl am meisten unzufrieden sein……stimmts. Also für mich ist der Event, dass Dich endlich mal live kennenlernen, ja die Zeit die wir vor, während und nach dem Rennen haben werden das primäre Highlight……und wenn Du dann unter 1:20 läufst muss ich mal schauen, dass das mich nicht vom Hocker haut…..grins…..
viele Grüße
Jürgen
ja……der Guiseppe war wirklich super………umso froher bin ich, dass ich ihn fürs nächste Jahr schon wieder einplanen darf…..
@Guiseppe……(wenn Du das liest)…… aus der Nummer kommst Du jetzt nicht mehr raus…..
die obige Anwort sollte eigentlich unter Deinen Kommentar ob ich den Phelps ausgeliehen hab…..
ja…..Rolf……vielen Dank auch Dir für die Blumen. Motiviert wirklich wenn man so Rückmeldung bekommt…….das man auch zukünftig mal wieder einen Erlebnisbericht schreibt. Danke Dir.
Ja, Ziel ist erreicht……aber das nächste schon ins Auge gefasst….. Wenn man sich so die Ergebnislisten anschaut, auch die der Hauptwettkämpfer, dann finde zumindest ich es absolut erstaunlich wie hoch das Niveau auf der Radstrecke war. Also da ist meine Zeit so um Platz 800-900 oder so einzuordnen…… Ich habs ja schon geschrieben, dass ich es unglaublich finde, wie der Sebastian Kienle auf dieser wirklich anspruchsvollen Strecke einen 41er Schnitt fahren konnte…..die schnellste im gesamten Feld. Man sagt ja gern das kommt mir so weit vor wie die Entfernung zum Mond, aber ein 41er Schnitt…….das ist mir so weit wie die Entfernung zum Rand des Sonnensystems……einfach unglaublich. Die Steigungen sind alle mit zwischen 8-13% sowas von giftig und man kann sich eigentlich kaum an einer Stelle erholen….Naja…..scherzhaft sag ich ja immer……lass mich 20 Jahre jünger sein, schneid mir 40kg Körpergewicht weg……dann schaff ich das auch…..
ist aber´n Scherz. Auch wenn das Profis sind und die ja nichts anderes machen wie zu trainieren…….das ist ein harter Job…….ein verdammt harter……Man macht sich ja keine Vorstellung was es heißt ständig an seinen Grenzen zu trainieren…….und die machen das fast täglich…..Was das vor allem für den Kopf bedeutet kann man glaub ich nur nachempfinden wenn man mal eine Weile so trainiert. Ich hatte Wochen der Vorbereitung wo ich mal 3-4 Tage am Stück am Limit trainiert habe…..klar hab ich “nebenbei” noch arbeiten müssen…..aber das war mental einfach unglaublich hart…….Die trainieren auf einem anderen Level…….aber ebenso dann auf diesem Level an ihren Grenzen……
Da bin ich dann doch manchmal froh dass ich mir meine Brötchen leichter verdienen kann.
viele Grüße
Jürgen
PS: Mein Ziel für 2012 verrate ich momentan mal noch nicht……falls Du Dich das gefragt hast.
Nur soviel……ich will 2012 in den Anstiegen “eindeutig” schneller werden……da will ich besser werden, weil ich da für meinen Geschmack zuviel Zeit “verliere”. Ebene und Abfahrten stimmen vom Speed…..
Lieber Jürgen,
das Adrenaling steigt und steigt wenn ich das lese…..
Die 42 minuten können unmöglich auf der HM Distanz gewese sein. Denn der Weltrekord ist bei 58 Minuten. Das war dann ein 10er.
Ich gehe davon aus, dass ich bei den top Läufern sein werde. Denn ich werde top vorbereitet sein. Naja eigentlich bin ich ja mit der Zeit vom Vorjahr (1:29) schon gut dabei. Aber wenn ich diese Zeit laufen würde dann wäre ich sehr sehr enttäuscht.
Nimm’ dir sicherheitshalber den Hocker mit -- wer weiß….
Run ON!
Willi
PS: Kennt Guiseppe runningwilli.com schon? Sag’ ihm, dass er kein “Redeverbot” hier hat…
Hallo Willi,
stimmt…..42 Minuten kann ja wirklich nicht sein……..aber so steht der in der offiziellen End-Ergebnisliste drin. Auch der zweite ist mit ich glaub so 47 Minuten drin. Sowas müsste denen doch auffallen. Komisch…
Vielleicht haben die nur zwei statt der drei Runden gelaufen……Muss ich doch gleich mal dem Veranstalter melden…..
Lese ich richtig…..?….mit einer 1:29 wärst Du “sehr sehr enttäuscht” ?? Meinst Du das ernst……? Den Hocker nehm ich besser nicht mit……sonst hauts mich von Deiner Zeit dann wirlich runter….
Klar hab ich bei Guiseppe schon Werbung für Deine Seite gemacht…….Ich denke momentan ist er noch im Streß, weil er für Roth noch einen Staffelplatz ergattern wollte und seine Frau dort ja auch mitmacht……Aber vielleicht schaut er danach mal hier vorbei…..und hält sich daran, dass er kein “Schreibverbot” hat….grins..
Viele Grüße
Jürgen
Auch hier noch mal ein herzliches Dankeschön fürs „Mitnehmen“ in diesem packenden Bericht
. Bei der Stelle wo du dann, mit großer Anspannung auf die Durchnittsgeschwindigkeit geschaltet hast, und wusstest, dass dein Traum erfüllt wird, hätte ich fast selbst feuchte Augen bekommen, und mich sehr für dich gefreut. Du hast es echt verdient.
Habe auch mal überlegt einen Lauf zu laufen ohne auf die Uhr zu schauen. Ich stelle es mir extrem spannend vor auf die Ziellinie zuzulaufen und dann zu schauen was wird. Vielleicht probiere ich es mal bei einem 10er, den läuft man im Prinzip von Anfang an am Limit. Beim HM um M würde ich es mich nie trauen, weil da die Gefahr des zu schnellen angehen einfach zu groß ist. Dazu habe ich ein zu schlechtes Tempogefühl. Ich habe mich doch sehr von der Technik abhängig gemacht, muss ich zugeben
.
(weiter geht’s mit meinem Kommentar in Teil 3)
Hallo Marek,
wow…..ich muss sagen…..Dein Kommentar motiviert mich absolut, immer mal wieder einen Erlebnisbericht zu schreiben……Vielen vielen Dank für die Blumen.
Ja, der Moment als ich auf die Durchschnittsgeschwindigkeit geschaltet hab war schon absolut Hammer……aber…..ich hatte zu dem Zeitpunkt keinen Zweifel, dass auch wenn es nicht gereicht haben sollte, ich einen Wettkampf am obersten Limit abgeliefert habe……mehr ging nicht …..und so wäre ich letztlich auch mit einem 29er Schnitt glücklich gewesen. Dass der Schnitt dann nur knapp unter 30 war und ich wusste, dass ich ihn auf der Reststrecke auf jeden Fall noch darüber kriege, das war natürlich glücksgefühle hoch zehn. Ich glaub da darf man auch mal feuchte Augen kriegen. Da fiel mir sooooo viel Anspannung ab…..alles Training…..alles sich quälen……alle Zweifel ob man alles richtig gemacht hat…..alles fällt ab….Ein Moment, den man eigentlich selbst erleben muss um ihn näher zu beschreiben.
Das ganze bei einem Lauf zu probieren……ist sicher schwierig zu transportieren, weil Du beim Lauf so gar keine Information über Deine Geschwindigkeit hast. Ich hatte natürlich unterwegs schon sehr genau im Auge wo ich wie schnell gefahren bin…….klar…..daraus eine Durchschnittsberechnung zu machen ist schwierig, aber so +/- 2km/h kann man das schon abschätzen. Beim Laufen ohne auf die Pulsuhr zu schauen……halte ich eher für mutig….aber warum nicht…..gerade es mal auf einem 10er auszuprobieren….
Also wenn Du´s machst……..freu ich mich schon jetzt auf DEINEN Erfahrungsbericht…..
vg
Jürgen