Ich selbst habe einen Trainingsplan der von einem Trainer erstellt wird. Im Buch die Laufformel von Jack Daniels (selbst Lauftrainer) habe ich heute gelesen, dass der Trainingsplan und der Trainer die geringste Bedeutung haben um im Langstreckenlauf erfolgreich zu sein. Es gibt 3 Faktoren die noch wichtiger sind. Ich stelle diese 3 Erfolgsfaktoren vor und verrate dir warum es manchmal sogar besser sein kann keinen Lauftrainer zu haben. Was meinst du dazu? Teilst du diese provokante Meinung? Was ist für dich der wichtigste Faktor um erfolgreich und schnell zu laufen? Hier kannst du weiterlesen.
So sieht Jack Daniels aus der diese Behauptung aufstellt…
Jack Daniels selbst ist ein bekannter und erfolgreicher Lauftrainer. Sein Buch "Die Laufformel" ist ein Bestseller. Dieses Buch hilft Laufanfängern wie Laufprofis das Trainingsprogramm selbst erstellen zu können. Es gibt hier eine Art Punktesystem mit dem man das Training gut steuern kann. Der VDOT Wert ist jener Wert der eigentlich eine Leistungsdiagnostik (Laktattest) überflüssig macht. Alles interessant muss ich sagen. Aber die Aussage, dass der Trainingsplan und der Trainer die geringste Bedeutung von den vier Erfolgsfaktoren für Läufer hat war doch etwas überraschend zumal Jack Daniels (ja schreibt man wirklich so) selbst Lauftrainer ist.
Die 4 Erfolgsfaktoren für Läufer:
1. Angeborene Fähigkeiten: Wir alle haben gewisse Dinge die uns bei der Geburt vorgegeben wurden. Das ist zum Beispiel die Größe. Aber auch die Belastbarkeit der Muskulatur ist uns vorgegeben. Wir können eben über gewisse genetische Voraussetzungen nicht hinwegschauen und müssen diese akzeptieren. Wobei man hier aber auch sagen muss, dass nur ein sehr kleiner Teil wirklich an seine sportlichen Grenzen kommt weil er nicht richtig trainiert.
2. Motivation: Sehr entscheidend für den Erfolg ist die Motivation. Es gibt immer wieder Momente im Leben eines Läufers wo man nicht so leicht weiterkommt wenn man keinen guten Antrieb hat. Ich kenne viele Fußballer die viel Talent haben aber leider zu wenig Motivation. Gerade in Österreich ist dieses Phänomen weit verbreitet. Umso mehr freut es mich, dass ich mit meiner Seite und den Podcasts versuche dir die nötige Motivation zu geben und das auch nach Jack Daniels so einen großen Stellenwert hat.
3. Möglichkeit: Angenommen du möchtest Skifahrer werden und wohnst in Hawai? Angenommen du bist Manager mit einer Wochenarbeitszeit von 80 Stunden und möchtest 2x pro Tag trainieren? Sind das ideale Möglichkeiten (Voraussetzungen) um Erfolg zu haben. Auch ist manchmal der soziale Hintergrund nicht zu vernachlässigen. Denn es gibt Menschen die sich auch den Laufsport nicht leisten können.
4. Trainingsplan bzw. Trainer: Und nun der Punkt der laut Jack Daniels die geringste Bedeutung hat. Der Trainingsplan und der Trainer. Das war fast eine Zumutung für mich das zu lesen. Denn gerade hier investiere ich Zeit und Geld. Wenn ich das meinem Trainer sage wird er sagen "Schwachsinn". Aber man sollte den gesamten Zusammenhang verstehen. Die ersten drei Faktoren haben im Gegensatz zum Trainingsplan und dem Trainer keine schlechten Auswirkungen. Außerdem besitzt jeder Mensch einen gewissen Anteil dieser drei ersten Faktoren. Aber mit einem schlechten Trainingsprogramm oder einem schlechten Trainer kann man viel mehr verlieren als mit gar keinem Trainer oder Plan. Denn wenn dir jemand empfiehlt du sollst als Laufanfänger jeden Tag 2 mal trainieren und das mindestens 15 Stunden die Woche wirst du ins Übertraining kommen und dich nicht weiterentwickeln.
Was das für mich bedeutet:
Es ist eine Bestätigung für mich und mein eigenes Gefühl. Ich hatte immer gewusst, dass das Lauftraining von meinem Trainer gut und wichtig ist.
Aber gerade wie bei mir ist zum Beispiel die Motivation noch höher zu bewerten. Denn wenn ich nicht die Motivation hätte um 4.30 Uhr zu trainieren würde mir der beste Trainingsplan von einem Olympiasieger im Marathon oder Halbmarathon nichts helfen. Es ist auch eine positive Meldung für dich und die anderen Läufer und Läuferinnen da draußen. Denn die Motivation kann man auch lernen und üben.
Angeborene Fähigkeiten = Talent ist so eine Sache. Manchmal gilt das ja als Ausrede für unerfolgreiche Lauftrainer die dann dem Läufer sagen er hätte nicht so viel Talent und darum würde das tolle Trainingsprogramm nicht fruchten. Aber natürlich werde ich, Willi Prokop, niemals Olympiasieger im Marathon werden. Es gibt Grenzen für mich. Aber wie Jack Daniels auch sagt sind diese Grenzen noch nicht ausgeschöpft.
Die Möglichkeit ist für mich persönlich immer eine Sache die ich gerade in den Podcasts versuche auch so rüberzubringen. Man muss bevor man mit dem Laufen beginnt und einen Trainer engagiert sich klar werden was man will aber auch was man einsetzen kann. Es nutzt nichts wenn ich selbst zu mir sage, dass ich jetzt zu Mittag einen Mittagsschlaf mache weil ich 2x pro Tag (Vormittag in der Sonne und Nachmittag nach dem Schlafen) trainiere. Das wird es bei mir als E-Business Manager und Familienvater nicht spielen. Aber ich sage auch hier, dass viele ihre Möglichkeiten nicht ausschöpfen. Oder Sie haben andere Prioritäten (wie das Fernsehen) das eben den Sport verdrängt.
Ich finde das Buch "Die Laufformel" höchst interessant weil es mir selbst auch mal Einblicke gibt warum man eigentlich so oder so trainiert.
Frage: Was findest du ist der wichtigste Faktor um ein erfolgreicher Läufer oder eine erfolgreiche Läuferin zu sein?
Run ON!
Willi

Leidensfähigkeit gehört meines Erachtens dazu. Natürlich ist das auch ein Teil der Motivation. Wenn es mal nicht gut läuft und wenn die Träume weit weg scheinen, dann trotzdem weiter zu machen und sich nicht beirren zu lassen. Eine gewisse positive Sturheit und Verrücktheit ist enorm förderlich. Das heißt nicht, das man nicht realistisch sein sollte, was die kurzfristigen Ziele angeht, aber das Beste für den Erfolg ist, seinen Traum zu leben, auch wenn die Realität sich manchmal nicht so traumhaft perfekt gestaltet.
Wenn man hoffentlich sehr viel später auf seine Läuferkarriere zurückblickt, wird man nicht alle Ziele erreicht haben (z.B. was Zielzeiten oder Platzierungen angeht), aber es hat in sich einen hohen Wert, daß man diese Ziele verfolgt und dran bleibt, sich überwindet und im Ergebnis tolle Lauf- und Wettkampferlebnisse hat. Durch die professionelle Einstellung und das regelmäßige und systematische Training, das mit diesen Zielen verbunden ist, wird man mit hoher Wahrscheinlichkeit sein Potential ziemlich gut ausschöpfen, auch wenn man von der Zeit oder vom Talent/Veranlagung her limitiert ist.
Hallo Stefan,
ja ich denke du hast recht. Leidensfähigkeit und Motivation sind ähnlich aber nicht das Gleiche. Denn wer schon mal echt vor dem Abbruch gestanden ist in einem Rennen der kennt den Unterschied. Die Unterteilung der Ziele ist schon auch wichtig. Ich habe jetzt nur mehr Tagesziele und den Traum im Kopf. Aber ich setze mich nicht mehr so unter Druck weil ich schon morgen den Traum erreichen möchte. Das was du meinst hat auch mit Hoffnung zu tun. Wenn wir Menschen keine Hoffnung mehr haben dann geben wir auf.
Ich denke auch, dass wir alle mal auf uns stolz sein werden. Egal ob wir alle Bestzeiten erreicht haben. Denn gerade dass wir laufen ist ja schon ein großer Unterschied zur Masse. Denn die laufen eben nicht und leiden auch ein bisschen. Ja wir alle haben Talent und auch gewisse Rahmenbedingungen. Ich kann zum Beispiel nicht 2 oder 3 x pro Tag trainieren. Das geht einfach nicht auch wenn es mir Spaß machen würde. Aber genau das macht ja auch den Reiz aus. Wir wollen ja in unserem Rahmen das höchstmögliche erreichen. Und manchmal sind das nicht Bestzeiten sondern absolute Zufriedenheit.
Läufst du selbst Wettkämpfe oder bist du eher der Naturläufer (grüne Typ)?
Run ON!
Willi
Ich (28,m, Student, BMI von 20) bin wahrscheinlich beides, aber im Zweifel der grüne Typ. Im letzten Jahr bin ich nach einer Laufphase im Winter/Frühjahr vor allem Rad gefahren, auch mit “Drill” Einheiten wie Intervallen und Zeitfahren, aber der wesentliche Teil waren langsame Ausdauereinheiten. Mein Ziel dabei war, alle Ortschaften in 30 km Umkreis kennenzulernen und das ergab schöne Erlebnisse und neue Einblicke in meine Heimat. Auch habe ich diverse Gipfel im Harz erklommen, bin aber keine Rennen gefahren, obwohl ich es eigentlich für den späten Teil der Saison vorhatte. Die Geschwindigkeit dafür war einfach noch nicht da und ich bin ein ganz schlechter Verlierer, ich will nicht im Gruppetto oder bei den Oldies landen, sondern möglichst mit ambitionierten Fahrern mithalten.
Als Schüler war ich der beste Mittelstreckenläufer in meiner Schule, allerdings ohne systematisches Training. Die Fußballer konnten bei Strecken bei Distanzen von mehr als 400 m einfach nicht mehr mithalten. Ich nahm an lokalen Wettkämpfen von 800m bis 8 km recht erfolgreich teil, etliche Urkunden und Medaillen kamen ins Haus.
Leider habe ich das Talent nicht gepflegt und konnte bislang noch nicht wieder richtig Fuß fassen, vielleicht weil die Motivation nicht so groß war und selten ein systematisches Training zu stande kam. Aber ich hänge irgendwie noch am Laufen und sehe da auch mehr Potential als beim Radfahren. Nach 2 Monaten Couchpotatoe war der Wiedereinstieg jetzt im Januar nicht ganz leicht, aber ich kann jetzt wieder 10k am Stück laufen ohne danach Schmerzen zu haben oder total fertig zu sein. Nach einem Laktatschwellentest (mein letzter war fürs Radfahren, und liegt eine Weile zurück) Ende Februar werde ich dann auch wieder Intervalleinheiten trainieren. Ich bekomme Coachingunterstützung von einem Leichtathletiktrainer. Gute Voraussetzungen also um wieder fit zu werden. Aktuelle Laufzeiten kann ich gar nicht nennen, ich werde wohl erst einmal sehen müssen wie das Training anschlägt. Hab früher alle Rennen mit einer 3:xx er Pace laufen können (aber es war ja auch nie länger als 8k). Soweit bin ich noch nicht, kann sein daß es Jahre braucht oder gar nicht klappt, wieder an diese Zeiten heranzukommen. Aber das macht mir nicht viel aus, weil das Laufen an sich eine schöne Sache ist. Manchmal laufe ich mit Freunden zusammen, einer ist mehr so der langsame Jogger, einer hat schon Marathons gelaufen und ist auch recht flott auf 5k. Da muß man sich dann immer auf ein Tempo einigen. Aber es verschafft dann auch Abwechslung. Ich weiß noch, wie ich einmal mit einem Freund einen Berg hoch gelaufen bin und wir haben uns dann immer gegenseitig überholt. Es war ein tolles Erlebnis im Grenzbereich, aber die nächsten 2 Tage hatten wir beide übelsten Muskelkater…
Möchte sogar solche Erlebnisse nicht missen.
Run on!
Stefan
Hallo Stefan,
danke für deine Zeilen hier. Nun kann ich dich besser einschätzen. Meine Anmerkungen dazu:
Wir alle sind je nach Zeitpunkt und Stress einmal mehr der Lauftyp und dann wieder der andere Lauftyp denke ich. Und wie man sieht taugst dir das Radfahren. Da könntest du dich mal mit dem Jürgen (der regelmäßig hier Kommentare schreibt) austauschen, denn der ist auch ein begeisterter Radfahrer der für den Triathlon im Juni 2010 trainiert.
Also jetzt musste ich aber lachen….
Hey, du bist ja wie ich! Ich habe im November 2009 meinen ersten Halbmarathon bestritten: http://www.runningwilli.com/wettkampf/mein-erster-halbmarathon-beim-lcc-leopoldilauf-2009/. Jedoch wollte ich ja schon im April 2009 laufen. Der Grund war einfach. Erstens hatte ich Schiss -- und zweitens wollte ich mich nicht blamieren. Naja die Zeit war ja dann ohne gezieltem Training gar nicht zum Blamieren. Aber hätte ein Arbeitskollege mich nicht damals so wild gemacht dann hätte ich wohl diesen Lauf niemals absolviert. Denn der meinte, dass ich ein Meister im Verschieben wäre. Und genau das hat mich dann motiviert!
Du hast auf jeden Fall einen großen Vorteil gegenüber den anderen Läufern -- du hast Talent. Denn wenn du in der Jugend solche Erfolge hattest dann bist du einfach ein Talent. Aber ein Talent braucht auch Motivation wie du richtig geschrieben hast. Aber wenn du die “richtige Motivation” findest (so wie du das ja bereits gemacht hast) dann geht es wieder. Glaube auf keinen Fall, dass du Jahre brauchen wirst. Denn es gibt einen Vorteil. Alle Geschwindigkeiten die man bereits einmal erreicht hat kann man auch relativ “leicht” wieder erreichen. Nur das erstmalige Erreichen ist am Schwierigsten. Und du gehst ja mit der Leistungsdiagnostik genau den richtigen Weg. Das klappt bestimmt!
Läufst du in diesem Jahr ein Rennen? Denn bei dir klingt absolut der Wettkämpfer durch. Aber du bist wie ich. Blamieren will man sich eben nicht…
Und ich finde es toll, dass du 2 Freunde hast mit denen du Spaß beim Laufen und den Wettkampf bis zum Muskelkater vereinen kannst.
Run ON!
Willi
Du hast auf jeden Fall recht, daß gerade im ersten Jahr systematischen Trainings recht große Fortschritte drin sind. Und offizielle Rennergebnisse sind dafür natürlich tolle Belege.
Größere Wettkämpfe habe ich allerdings noch nicht so fest geplant. Ich bin froh, überhaupt wieder zu laufen. Aber ich habe tatsächlich ein paar Rennen auf dem Zettel die mir zusagen könnten und werde Mitte Mai als Formtest einen Crosslauf über 5k mit überschaubarer Konkurrenz mitlaufen.
Zudem habe ich eine Art Fernwettkampf mit einem Freund, der mir eine 5k und eine 10k Zeit vorgegeben hat, die ich unterbieten möchte. Das reicht mir momentan als Motivation für die härteren Einheiten. Aber ich kann mir gut vorstellen, daß ich Lust auf Rennen bekomme und z.B. im Herbst beim Leipziger Stadtlauf und beim Harzer Berglauf am Start sein werde.
Hallo Stefan,
ja der einzige wahre Leistungsfortschritt kann nur in einem Rennen gemessen werden. Denn da kann man nichts schummeln.
Schön dass du für dich einen guten Weg gefunden hast an Wettkämpfen teilzunehmen die dir Spaß machen und den Ehrgeiz belohnen. Und nun kenne ich ja deine wahre Motivation…. der Fernwettkampf.
Ich denke du wirst bestimmt noch mehr laufen, das sagt mir mein Instinkt…
Run ON!
Willi