Ich war gerade vollkommen platt vom Ergometer-Rad gestiegen, als mich der Laborleiter zu einem Gespräch zum bevorstehenden Test bat….den VO2max-Test. Um es in kurzen Worten zu beschreiben…bei dem Test geht es darum herauszufinden wie der Körper in der Lage ist Sauerstoff aufzunehmen, zu transportieren und im Muskel zu verbrauchen.
Die interessante Aussage über das „physische Talent“ fand ich dann auch sehr interessant. Bei Spitzenathleten wie z.B. Ullrich (auch wenn er vielleicht gedopt hat) liegt hier bei um die 6000 ml/Minute. Eine Zahl und Einheit die einem zunächst mal nicht viel sagt. Ein echt guter Wert läge nach Aussage des Laborleiters so bei 4000 ml/Minute…..ABER…..der Wert sei sehr stark genetisch festgelegt und könne auch durch intensivstes Training nur um maximal 10-15% gesteigert werden. Die Körpergröße und vor allem das Gewicht spielen hier ebenfalls entscheidend mit ein und so kann eine deutliche Gewichtsabnahme das Ergebnis deutlich verbessern.
Zum Testablauf….wie im Bild zu sehen, bekommt man hier wieder auf dem Ergometer sitzend eine Maske auf, die absolut luftdicht sein muss, denn es soll alle Atemluft durch das Auslassrohr entweichen bzw. hineinkommen. Ein Sensor erfasst nun die Menge an Sauerstoff die in den Körper durch die Atemluft ein-und wieviel davon wieder ausgeatmet wurde (also wieviel der Körper nicht aufnehmen konnte). Wieviel der Körper hier aufnehmen kann ist übrigens absolut unabhängig davon wieviel Sauerstoff in der eingeatmeten Luft ist. Auch wenn man mir hier puren Sauerstoff vor die Nase geblasen hätte, hätte mein Körper nicht mehr oder weniger aufnehmen können, wie wenn die Luft stickig und verbraucht ist.
Das Atmen unter dieser Maske ist zunächst mal ganz schön beklemmend, obwohl das Luftloch natürlich sehr groß ist und man beim atmen keinen spürbaren Widerstand überwinden muss. Dennoch…..die Maske sitzt sehr fest (damit sie dicht ist) und man braucht einige Minuten bis man sich daran gewöhnt hat. Aber diese Zeit bekommt man auch. Alles beginnt nämlich mit einer Einfahrzeit mit 150 Watt von 6 Minuten. Ca. 45Minuten nach dem Laktatstufentest sitze ich jetzt also wieder auf dem Rad und soll nochmal Höchstleistung bringen….na schau´n mer mal….
Dann beginnt ein zwar kurze, aber äußerst schmerzvolle Phase die in der totalen, ja absolut totalen Erschöpfung endet. Alle 10 Sekunden wird die Leistung um 10 Watt erhöht die man beim Treten erbringen muss. Auch hier gibt es wieder das Abbruchkriterium bei einer Trittfrequenz von unter 75 U/min. Die 150 Watt tritt man noch total locker und die Zeit ist gut um sich an die Maske zu gewöhnen. Dann geht es aber heftig zu. Schnell hat man Spähren erreicht die im dunkelroten Bereich liegen.
Aus dem Lakttest wusste ich ja (Auswertung in Teil IV), dass mein roter Bereich so bei 220 Watt beginnt…..und ich war jetzt bereits bei 300Watt…..alles geht sehr schnell….man schaut auf den Computer vor sich und sieht 350Watt…..360Watt…..370Watt…..die 400 will ich unbedingt erreichen. Die Beine fangen an zu brennen wie wenn einem jemand einen dicken Umschlag mit Wärmesalbe gemacht hätte……da….die 400Watt sind erreicht. Die Trittfrequenz ist immer noch bei 85 U/min….Geht noch was ?
Ich versuchs weiter…..und komme auf 410 Watt….. Wahnsinn…..es zählt schon länger nur noch der pure Wille und den glaub ich zu haben……420 Watt….beide Trainer feuern nochmal an und da…….von einer Sekunde zur anderen der absolute Leistungsabriss…..alles anfeuern bringt nichts mehr…..die Waden scheinen zu zerplatzen….die Oberschenkel in rot-Glut….aus….die Trittfrequenz sackt in sich zusammen….Abbruch. Für mich eine phänomenale Leistung…..aber was wird der Trainer in der Abschlußbesprechung sagen ?
Antworten darauf, aber auch auf Fragen von euch……gibt’s im vierten und letzten Teil meiner Berichte vom Laktatstufentest Lauf & Rad.
Dein Jürgen


Hallo Jürgen
Also die Maske fand ich bei meiner Leistungsdiagnostik auch zum ….
Habe zwar auch einen Tauchschein aber das Atmen durch das Ding ist auf jedenfall bedrückender.
….ja…..es gibt wirklich angenehmeres als da durchzuatmen…..noch dazu wenn man dabei auch noch an seine Leistungsgrenze gehen muss und sehr intensiv atmet…..Aber ich war froh, dass man sich da 6 Minuten “einfahren” konnte und man sich so etwas dran gewöhnen konnte. Danach geht ja alles so schnell…..da hätte ich wohl Platz-oder Erstickungsangst bekommen…..
War das bei Dir auch so ? Konntest Du Dich auch in einer Einfahrphase dran gewöhnen ?
Viele Grüße
Jürgen
Hallo Jürgen,
vielen Dank für den 3. Teil (den Du mir ja netter Weise schon vorab zu lesen gegeben hast), er ist sehr anschaulich und lebendig geschrieben! Er hat auch noch einen weiteren Vorteil: jetzt kommt bestimmt bald Teil 4 raus -- und darauf bin ich schon gespannt!
Herzliche Grüße
Wolfgang
Hallo Wolfgang,
leider hat es mir am Wochenende doch nicht gereicht den 4.Teil zu schreiben. Vom vielen Training war ich nur noch platt. Gestern hab ich dann auch noch ein bischen Fliesen verlegt und ausgefugt…..da war ich dann zusätzlich kaputt. Bin grad nur froh, dass ich jetzt eine Regenerationswoche vor mir habe, mit nur 5h Training…..aber morgen und Dienstag ist frei…..herrlich…..da wirds dann bestimmt klappen.
Viele Grüße und eine schöne Woche wünsche ich Dir
Jürgen