Das heutige Lauftraining war eines der besonderen Art. Es war Laufen für die Seele. Denn ich habe es gewagt ohne Pulsuhr und ohne Trainingsvorgaben einen Waldlauf zu machen. Gewagt? Meine Läuferseele hat danach geschrien, dass ich mich von den Zwängen von Trainingsplan und Pulsuhr befreie. Und das Erlebnis war ein Laufen für die Seele wie ich es noch nicht oft erlebt habe…. Frage an dich: Habe ich so ein Lauferlebnis wie heute schon lange gebraucht? Was meinst du?

Glücksgefühle nach dem Laufen für die Seele *
(* Dieses Foto fand meine Frau eher erschreckend als motivierend. Aber ich wage es dennoch…)
Müdigkeit
Ich habe von gestern auf heute nur rund 5 Stunden geschlafen. Und diese Müdigkeit habe ich in der Früh gespürt. Ich war voll matt und dennoch hatte ich Lust auf das Laufen. Warum? Ich konnte es gar nicht mehr erwarten ein Training der anderen Art zu machen. Heute stand nicht das Laufband (wie in den letzten Wochen Training für Training) am Programm. Nein, heute war alles anders.
Pulsuhr & Trainingsplan ade
Es ist für mich als "Leistungsdiagnostik-Fanatiker" schon eine Umstellung wenn ich mir den Brustgurt der Pulsuhr nicht umschnalle. Und dann nicht mal in den Trainingsplan zu blicken ist fast schon eine Schmach. Wie kann man nur ohne Trainingsvorgaben trainieren gehen. Bin ich echt schon so verrückt geworden, dass ich nun meine sportliche Leistung auf das Spiel setze? So und ähnlich waren meine Gedanken vor dem Start.
Laufstrecke vor dem Haus
Vor rund 8 Monaten bin ich das letzte Mal direkt vom Haus weggelaufen. Denn der Nachteil ist, dass es bei uns sehr hügelig ist und es kaum ein flaches Stück gibt. Darum bin ich immer in die Lafnitzauen (Forststraße komplett flach aber mit Autoanreise verbunden) gelaufen. Ich merkte schon, dass es ein besonderer Tag werden sollte als ich beim ersten Nachbarn vorbei bin. Und ich hatte nicht das Gefühl, dass ich gehen würde…
Waldlauf mit Schneelandschaft
Die Laufstrecke führte mich nach 10 Minuten direkt in den Wald so eine herrliche Schneelandschaft auf mich gewartet hatte. Wann habe ich so etwas wundervolles das letzte Mal im Training gesehen? Meine Terrassentüre vom Laufbandtraining ist halt nicht so ein Highlight wie dieser wunderbare Anblick. Das Knarren vom Schnee hörte man bei jedem Mal als ich den Laufschuh aufsetzte. Herrlich dachte ich mir.
Freiheit für die Seele
Meine Seele hat in den letzten Wochen gelitten unter dem Umstand, dass ich nur mehr effizient und effektiv trainiert habe. Denn meine Laufseele braucht einfach Platz um sich entfalten zu können. Natural Running war der Begriff der mir sofort im Gedächtnis herumschwirrte. Ja, meine Seele hat jede Minute – jede Laufsekunde aufgesaugt. Aber der Schwamm war noch immer so trocken als ob dieser Hunger meiner Seele gar nicht gestillt werden könnte.
Wann habe ich das letzte Mal das gewagt?
Wie weit musste es eigentlich kommen, dass ich "gewagt" schreibe wenn ich mal 75 Minuten frei laufen gehe ohne Pulsuhr und ohne Trainingsvorgaben? Bin ich von allen guten Laufgeistern verlassen dachte ich mir? Warum habe ich dem sportlichen Erfolg alles untergeordnet und meine Persönlichkeit verraten? Und dennoch fühlte ich mich ab und zu so als ob ich nun etwas gestohlen hätte und ich mich mich schuldig gemacht habe.
Die Natur einfangen
Ich wollte am Liebsten jetzt mein Iphone oder Digitalkamera rausnehmen und Fotos machen. Aber diese Wunderdinger waren nicht dabei. Ich war jetzt so von Glück erfüllt, dass ich die Natur einfach einfangen wollte so dass diese Momente niemals vergehen würden. Aber das Glück ist ja manchmal so leicht einzufangen so wie heute eben.
Durchlaufen und nicht aufhören
Nach cirka 30 Minuten meldete sich mein Trainingshirn und sagte, dass ich jetzt eine Pause machen muss. Wochenlang bin ich selten länger als 30 Minuten durchgelaufen und habe dann immer eine 5 Minuten Pause gemacht. Ich war trainiert darauf, dass ich stehen bleiben sollte. Aber – ich habe es nicht gemacht. Ich lasse mich nicht von mir selbst etwas vormachen. Nein, heute nicht. Ich wollte gar nicht aufhören. Denn anfänglich wollte ich ja nur 60 Minuten laufen. Aber nun war jede Minute wie im Flug "verlaufen". Ein Gefühl das ich nicht mehr kannte aber mir sooooo gefehlt hat.
Tempobeschleunigung am Schluss
Für die letzten 20 Minuten hatte ich mir vorgenommen, dass ich hier schneller werden würde. Aber genau jetzt beim Zurücklaufen wo ich alle Hügel rauflaufen musste die ich vorher runtergelaufen bin? Da komme ich doch in Laktatbereiche wo ich vielleicht gar nicht hinsollte. Denn eigentlich ist ja noch Regenerationswoche angesagt. Aber es war mir herzlich egal. Denn ich machte komische Dinge. Ich lief 500 Meter rückwärts und das bergauf. Schön war es, dass ich heute wie ein "Trottel" anders lief. Und nun eben die letzten 20 Minuten. Immer wieder der Impuls: "Willi, übernimm’ dich nicht." Aber die Antwort – "Heute ist mir alles egal" zog ich durch. Ich fühlte mich stark obwohl ich ja eigentlich müde war (hatte ich anscheinend schon vergessen…). Heute konnte mich nichts bremsen – nicht mal der Willi dachte ich mir.
Glücksgefühle und Keuchen
Nach 75 Minuten bin ich zu Hause angekommen nachdem ich die letzten 50 Höhenmeter zügig lief und dann auch noch die Stiegen rauf bei uns. Naja, die Türe stand nicht offen darum musste ich stoppen. Ich keuchte und war verschwitzt (siehe "Beweisfoto oben). Ich hatte auch ein wenig Husten da die Luft draußen mit minus 7 doch kalt war. Aber es hat so gut getan! Ich bin sogar auf Wegen gelaufen die "unsicher und gefährlich" waren weil man unzählige Male hätte verknöchen können. Aber genau das waren dann auch die Glücksgefühle die ich einfach nicht so leicht beschreiben kann.
Laufen für die Seele!
Vor cirka 2 Monaten hatte ich das Hörbuch von Die Seele läuft mit gehört im Autofahren. Da gibt es auch das Buch von Die Seele läuft mit natürlich. Dieses Hörbuch hatte mich damals verunsichert. Denn es hat genau von diesen Erfahrungen die ich heute gemacht habe erzählt. Aber genau diese Art von Lauftraining habe ich ja nicht am Trainingsplan. Und wenn man erfolgreich und schnell sein will dann kann man ja nicht für die Seele laufen – oder doch? Ich glaube dass es ungemein wichtig ist für die Seele zu laufen. Gerade wenn man etwas Erreichen will. Und wie ich nun gesehen habe gibt es auch ein Buch mit dem Titel meines heutigen Beitrags – Laufen für die Seele Bio Running - interessant.
Nun stellt sich für mich die Frage ob ich so ein Lauferlebnis wie heute einfach gebraucht habe. Was meinst du?
Run ON!
Willi
PS: Hier noch die heutige Waldlauf Detailanalyse vom Adidas MiCoach Trainingsprotokoll. Vielleicht nicht ganz aussagekräftig weil es extrem hügelig war. Aber dennoch …

Hallo Willi,
ab und zu braucht man Glückshormone, und die hast du heute wohl reichlich bekommen!!! Wie das Laufen ist es dir auch beim Schreiben praktisch aus dir “herausgesprudelt”. Man kann praktisch deine Freude spüren, die in dir steckt und du willst es allen mitteilen.
Ich hatte mich sowieso schon gewundert, warum du nach 30 Minuten eine fünfminütige Pause machen sollst. Das bringt einen aus dem Laufrhythmus, und ist aus meiner Sicht schwer verständlich.
Ich hätte allerdings nicht gedacht, dass es so kalt ist. Wie hoch liegt denn der Schnee? Das ist natürlich wenn es dann auch vereist ist, nicht gerade gut. Wenn allerdings der Schnee festgetreten ist, und man ohne Probleme laufen kann, ist das sehr gut für die Muskulatur.
Dein Laufband macht sicherlich in Extrem-Situationen Sinn, aber wenn der Untergund draussen “laufbar” ist, solltest du vorwiegend draussen laufen. Das kann ich auch jedem anderen empfehlen.
Gruß, Gerd
na da hast du aber eine “wilde” woche hinter dir, willi
schwimmen und dabei ein swimmers high- ein runners high beim laufen
ich hoffe du kommst damnächst nicht dazu einen drogentest zu machen, der schlägt womöglich noch positiv aus….
aber ich freu mich für dich, und gerade weil ich momentan weniger laufen kann/muss ermuntern mich dein worte umso mehr und ich kann das genau nachempfinden
wobei ehrlichgesagt hätte dieser tag wohl auch unter extrem schlechten bedingungen einen guten eindruck bei dir hinterlassen, denn wer sich wie du monatelang kasteit und nur im finsteren auf dem laufband seinen trainingsplan abarbeitet, der kann nur glücksgefühle erleben, wenn er sich hinaus in die vollkommenheit begiebt!
@Gerd: Ja das waren echte Glückshormone die ich da hatte. Und ich wollte es allen hier mitteilen. Bei uns ist es schon sehr kalt. In der Früh hat es sogar minus 10 oder minus 15. Beim Eis war es halt gefährlich, denn da kann man schnell mal umknöcheln. Danke!
@alberteinstein: Und du erst… Hast ja deinen neuen Laufblog (hier: http://arlberteinstein.blogspot.com/) gestartet. Gratulation dazu! Leider ist mein Kommentar über das Iphone nicht abgesendet worden -- probiere da mal aus. Aber das werde ich nachholen -- eh klar. Die ganzen Highs waren notwendig, denn die Tiefschläge sind auch nicht gerade gering derzeit. Zu Drogen und Doping kann ich nur sagen: “Das Zeug gehört nicht in den Ball sondern in die Spieler….”.
Warum kannst du derzeit nicht laufen? Wie hältst du das aus, dass du nicht die Wände hochgehst?
Run ON!
Willi
Lieber Willi,
Gratuliere! So ein Lauf ist das Beste! Er befreit mich von Anspannung, meine schlechte Laune verfliegt und danach bin ich wie aufgetankt! Auch ich laufe dann “anders herum”, mal zur Seite hoch, dann zur anderen Seite bis ich nicht mehr kann. Und das bei strahlend blauem Himmel und Sonnenschein.
Grade sehr disziplinierte Menschen brauchen das ab und zu…außerdem ist Fasching!
beste -- ver-rückte -- Grüße
Xandria
Hallo Willi,
Sage nur Bravo, das hast du doch Toll gemacht.
Freude, Spaß und Abwechslung das soll es auch sein.
Ist dies nicht, die wirklich die erste Grundlage für ein erfolgreiches Laufen???
Danke und mach weiter so!!
Gruss
Michael
Hallo Willi,
ein sehr guter Beitrag. Ich kann nur Bestätigen, dass Laufen für die Seele sehr gut ist. Anfang des Jahres wurde ich durch einen Burn-Out aus meinem sehr stressigen Projektjob gerissen. Eines der besten Mittel war, und ist immer noch, für mich das Laufen um aus dieser depressiven Episode meines Lebens heraus zu kommen.
Mir, als blutiger Anfänger, hat Laufen einiges gebracht:
1.) Zeit für mich selbst. Die Zeit beim Laufen kann ich nicht für etwas anderes nutzen als für mich selbst. Es geht nicht auf dem iPhone Emails zu lesen oder gar zu beantworten. Ebenso kann ich nicht noch irgendwelche Protokolle erstellen oder ähnliches.
2.) Keine Ablenkung. Vorausgesetzt das Handy wird auch ausgeschaltet, hat man keine gewohnte Alltagsablenkungen durch Anrufe oder Emails. Man kann, nach einiger Zeit auch bewusst, abschalten und zu seiner inneren Ruhe kommen.
3.) Körperwahrnehmung. Die Körperwahrnehmung wird mit jedem Lauf am Anfang intensiver. Mit der Zeit bekommt man ein Gefühl für Sich selbst und seinen inneren Zustand. Diese Wahrnehmungen kann man dann auch im Alltag nutzen um selbst frühzeitig festzustellen, wann es zu viel Stress wird.
4.) Erhöhung der Leistungsbereitschaft. Ich kann es selbst wahrnehmen, dass durch das Laufen meine Leistungsbereitschaft sich wieder erhöht. Aufgaben werden wieder mit Elan durchgeführt und das gibt auch wieder ein positives Feedback.
5.) Stressbelastbarkeit. Ganz über den Berg bin ich noch nicht, aber ich merke, dass der Punkt, wenn ich Überreizt werde immer entfernter wird.
6.) ‘Runterkommen. Wichtiger finde ich jedoch, dass ich durch das Laufen schneller von einer gereizten Stimmung wieder herunter komme.
7.) Medikamente. Zudem ist meine Medikation durch das Laufen um einiges niedriger, als ursprünglich ärztlich vorausgesagt. Ich denke, ich bräuchte die doppelte Dosis von Neuroleptika wenn ich nicht laufen würde um auf dem gleichen ausgeglichenen psychischen Level zu kommen. Zudem habe ich mit meinem Arzt bereits einen -- langfristigen -- Plan gefasst, das Medikament auch wieder absetzen zu können.
Im übrigen Laufe ich zwar mit meiner Pulsuhr, diese ist aber nur zur Aufzeichnung meiner Läufe an. Während dem Training nutze ich, in meinem aktuellen Anfangsstadium, keine Intervalle oder gar das gepiepse wenn ich meine HF Zonen verlasse.
Interessant ist aber, dass ich meine -- nach einem Laktattest -- 2-4 mmol Grenzen nun kenne und diese alleine durch das Hören auf meine innere “Stimme” einhalte. Ich habe auf meiner Uhr die HF Grenzen auf 2-4 mmol Laktat eingestellt und wenn ich beim Laufen nun merke, dass ich eine Gehpause brauche ist dies fast punktgenau der 4 mmol Punkt. Ebenso wenn ich denke, jetzt kann ich wieder Laufen ist dieser Punkt meist im Bereich 2-2,5 mmol. Für mich als blutigen Anfänger hat das zwar noch nichts mit einem Trainingsplan zu tun, aber seelisch tut es mir gut sich nicht an einen Plan halten zu müssen. Mein einziger Plan ist, dass ich 3-4 mal in der Woche mindestens 30 min. “Laufen” (bei mir noch mit einigen Gehpausen) möchte und dies im Moment auch wirkliche schaffe und es tut mir sehr gut!
Ich kann Laufen als Seelischen Ausgleich nur Empfehlen !!!
Alexander