Um 4.45 verließ ich das Haus um meinen 90-minütigen Waldlauf zu absolvieren. Als ich um 4.30 Uhr das Bett verließ plagten mich schon die Ängste. Angst weil ich heute zum ersten Mal die dunkle Waldstrecke für das Training wählte. Angst weil dort ganz enge Passagen sind und weil es stockdunkel sein würde. Aber der Kampf den ich erlebte war nicht wegen der Angst aber dennoch hart….
Der dunkle Wald hat heute auf mich zum ersten Mal gewartet…
Zu meiner Angst
Ich bin ein "Hosenscheisser" der in der Dunkelheit Angst hat. Darum ist es für mich im stockdunklen Wald um 4.45 Uhr (gefühlte 3.45 Uhr) eine echte Herausforderung. Immer wieder habe ich die Bilder von den Krimis im Kopf, dass mich jemand abstechen will. Und wenn ich dann Geräusche höre geht der Puls schnell nach oben.
Sterben
Als ich vor rund einem Jahr in den stockdunklen Wald lief bin ich nach 10 Minuten umgedreht weil ich immer wieder Geräusche hörte. Die Methode, dass man die Augen zu machen soll und durch funktioniert bei mir nicht. Darum machte ich das diesmal anders. Ich habe ja Angst das Opfer eines Kriminalfalls zu werden. Worst Case? Sterben. Und genau das hatte ich für mich heute akzeptiert. Ja, ich habe zu mir gesagt, dass das schlimmste ist zu sterben. Und darum konzentrierte ich mich nicht auf die Geräusche und die funkelnden Augen die links und rechts vom Wegrand waren. Hört sich arg an aber ist so.
Ich und der Wald
Mein Gefühl war wie das von Rocky Balboa. Ich lief den Berg auf und ab. Und der Untergrund war kein Feldweg der glatt war. Immer wieder starke Wurzeln, schlammiger Untergrund, hohe Wiese, Steine, Felsen, Löcher, enge Passagen wo man die Bäume spürt,… Aber ich hatte nur meine Petzl Ultra Stirnlampe und sonst nichts mit. Bewusst hatte ich nur auf die Stufe 2 und nicht die höchste Stufe 3 gedreht, denn ich wolle alleine sein im Wald.
Kampf ab Minute 50
Und nun ging der eigentliche Kampf los. Ab Minute 50 war der Muskelkater vom Krafttraining am Dienstag zu groß. Auch die Trainingsumstellung von Laufband nun in die Wildnis und die Berge ist schon zu spüren. Um 4.30 als ich aufgestanden bin gab es keinen Muskel den ich nicht gespürt habe. Und genau ab Minute 50 war das einfach zu viel obwohl ich nur im Fettstoffwechsel unterwegs war. Jedoch ist der Fettstoffwechsel schon relativ hoch bei mir und kein Vergnügen mehr.
Schmerzen
Nun wurden die Schmerzen jede Minute stärker. Ich tat mir schwer den Puls zu halten. Immer wieder musste ich schneller werden weil ich zu langsam war. Es war ein Kampf Körper gegen Kopf. Und das im stockdunklen Wald um 5.30 Uhr ganz alleine. Der Körper spielte nicht mehr mit und wollte stehen bleiben. Aber der Willi im Kopf wollte nicht. Die Schmerzen waren so als hätte ich einen 30 KG schweren Rucksack oben und sollte nun schnell laufen.
Vor 1,5 Jahren
Das letzte Mal hatte ich solche Schmerzen vor rund 1,5 Jahren. Die ganze Zeit über beim Training meines alten Trainers war ich nicht so kaputt. Und genau das wollte ich ja! Ich möchte weiterkommen und nicht stehenbleiben wie die letzten Monate. Darum werde ich an diesen harten Einheiten nicht vorbeikommen und will es auch nicht.
S.O.S.
Nach 75 Minuten in kompletter Dunkelheit (von 90 Minuten Training) war ich zu Hause gelandet. Ich konnte mich noch die Stiegen hochschleppen. Ich war sogar zu müde zum Dehnen. Meine Tochter Sophie hat dann ein Foto (siehe unten) von mir gemacht vor der Haustüre. Nach dem Blick auf die Polar F6 war klar. 1039 Kalorien sind nicht so wenig die ich verbraucht hatte.

RunningWilli nach dem Waldlauf heute …
Aufladen
Nun stopfte ich sofort 2 Peeroton Riegel in mich rein. Dann noch meinen Regenerationsdrink mit dem Plus Kohlenhydratpulver, BCAA, 1 Banane und dann ging ich duschen. Nun sitze ich vor dem Notebook und schreibe den Artikel. Ja, ich habe es geschafft! Meine Angst überwunden. Aber vielmehr noch meine Schmerzen.
Run ON!
Willi
PS: Ich spüre mich und das ist ein Zeichen das ich schon lange vermisst hatte… !!!

Wenn du weiter gegen deine Ängste kämpfen willst, dann leg dich in ein Zelt uns versuche im Wald zu schlafen. Es ist schrecklich! Immer gibt es irgendwo ein Geräusch. Und wenn du mit dem Kopf auf dem Boden liegst und eben auch nichts siehst, kannst du keine Richtungen oder Entfernungen orten. Ich habe mir auf Tour eingeredet, dass die Axtmörder mich ja auch nicht sehen können, wenn es stockdunkel ist. Und eine Taschenlampe würde ich sehen. Also ist es nur ein brünftiger Elch, der sich paaren will…dann vielleicht doch lieber der Axtmörder…?
Hallo Willi,
also Hut ab, wie Du Deine Ängste angehst. Sich selbst solchen Ängsten in eigentlich ja nicht notwendiger Not auszusetzen……da gehört schon was dazu. Ich glaub ich hätte da meine Kopflampe auf allerhöchste Helligkeit gestellt, um es so hell wie möglich um mich herum machen würde.
), sondern vielmehr vor Tieren, die vielleicht tollwütig sind oder, was es hier bei uns in der Gegend nicht gerade selten gibt, Wildschweine. Gerade Wildschweine, wenn die Junge haben und man läuft ahnungslos in deren Revier…..oh oh…..ich glaub da kann man gar nicht schnell genug einen Baum hoch……im Dunkeln natürlich ungleich schwerer. Nee….vor den Viechern hab ich einen höllen Respekt.
Ich muss zugeben, dass ich in der Dunkelheit ein ähnlicher Angsthase bin. Helfen tut mir dann eigentlich immer, dass ich mir vorstelle, dass wenn es jetzt hell wäre, ich ja auch keine Angst hätte, also wieso Angst haben, nur weil ich jetzt gerade schlecht sehe.
Angst habe ich wenn ich im dunklen unterwegs bin aber weniger vor irgendwelchen menschlichen Attentätern (der würde sein blaues Wunder mit mir erleben…
Was mir ja mal passiert ist……ich weiß gar nicht ob ich´s hier irgendwann schon mal geschrieben habe…..ich lief in der Abenddämmerung los und es wurde immer dunkler als ich dann eine nur noch eine lange Gerade vor mir hatte bis zum Parkplatz. Ich lief und lief als plötzlich, vielleicht 3-4 Meter vor mir ein Reh quer über den Weg rannte und im Wald gegenüber verschwand. Das Tier stand die ganze Zeit regungslos auf der einen Seite und hatte wohl bis zum Schluß die Hoffnung ich würde es nicht sehen und an ihm vorbeilaufen. Nun ja, gesehen hätte ich es wohl nicht, wenn es stehen geblieben wäre. Als ich dann aber dann doch zu nahe kam bekam es Panik und rannte los. Ich frage mich nur, wer von uns beiden mehr Panik bekam…….ich wette ja, dass ich das war. Auf jeden Fall raste ich los zum Auto und nix wie weg. Seit der Zeit, und das ist schon ewig her, laufe ich im dunkeln eigentlich nicht mehr. Solche Horrorläufe wie Du da hingelegt hast…..das wär nichts für mich.
Das zweite was Du beschreibst war ja der Kampf gegen Schmerzen. Ich hoffe Du hast jetzt keine “Nachwehen” von dem Lauf. Ich weiß ja nicht, worher der Schmerz bei Dir rührte, aber bei mir hat es sich, ich habs Dir ja erzählt, schmerzlich nicht ausgezahlt mit den beginnenden Schmerzen trotzdem weiterzulaufen. Der Lauf als das passierte, war gleichzeitig mein letzter Lauf und der war am 27.Februar. Im Moment könnte ich wohl wieder ein bischen Laufen versuchen, aber ich wage es ehrlich gesagt nicht, weil ich mein Radtraining nicht gefährden will.
Nun, so wie es sich bei Dir ja eher anhört, waren es keine verletzungsähnlichen Schmerzen, sondern eher Muskelschmerzen von dem harten Lauf, richtig ??
Klar, die kann man dann schon mal überwinden….manchmal muss man das auch um weiter zu kommen. Gerade wenn man in den Spähren trainiert wie wir das wohl beide tun, da tut es einfach auch mal weh und muss man auch mal über diese Schmerzgrenze raus. Wie machst Du das ganze dann nur, dass Du danach, nach solch einem harten Lauf noch Arbeiten gehen kannst.
Wenn ich harte Trainingseinheiten habe, dann brauch ich danach absolute Ruhe. Da ist Couch angesagt. Sehr oft verfalle ich dort auch erst mal in einen 1-2-3 stündigen Schlaf. Danach Arbeiten gehen…..für mich undenkbar.
Aber hier macht sich wohl auch etwas unser Alterunterschied bemerkbar. Mit meinen 43 Lenzen regeneriere ich einfach nicht mehr so gut, wie das noch mit 25 oder anfang 30 Jahren der Fall war. Da nimmt sich der Körper dann einfach die Ruhe und man muss sie ihm auch geben, sonst regeneriert man nicht und kommt schnell in die Überlastung.
viele Grüße
Jürgen
Also, ich zähle mich jetzt einfach auch mal zu den “Schissern”, die sich bei einem Lauf in der Dunkelheit unwohl fühlen. Bei uns am Marchfeldkanal wäre es wahrscheinlich nicht komplett stockdunkel, da sich die Waldstücke in Grenzen halten. Dennoch: die Angst würde mitlaufen. Auch wenn man logisch überlegt “warum soll um 5:00 in der Früh genau jetzt jemand im Gebüsch am Wegesrand genau auf Dich warten?”. Daher meine Hochachtung vor Deinem Waldlauf!
Was mich freut, ist, daß diese Läufe für Dich so wunderbare Erfahrungen sind. Ausgetretene Pfade verlassen. Etwas Neues wagen. Du schreibst, daß Du Dich wieder spürst. Wunderbar!
Liebe Grüsse,
Wolfgang
Hallo Chris,
du und deine Tipps immer….
Run ON!
Willi
Hallo Jürgen,
schön dich wieder zu lesen. Danke für dein Lob. Durch den neuen Trainer stelle ich vieles um. Und gerade weil ich davor Angst habe musste ich es machen. Nun geht es mir viel leichter wenn ich im Dunklen laufe. Und da wir keine Wildschweine haben habe ich auch Schwein…
Beim Reh habe ich keine Angst. Denn die sind total schreckhaft. Immer wieder wenn ich die mit der Lampe anleuchte rennen die sofort weg. Aber ein Hund oder ein Mensch ist schon was anderes. Die Schmerzen waren von den Muskeln. Das Läuferknie habe ich dank der speziellen Dehnungsübungen wegbekommen. Derzeit läufst du gar nicht?
Also ich schlafe mittlerweile in der Arbeit….
Wäre schwer beim Autofahren da ich ja viel im Außendienst bin. Aber ich bin halt ein anderer Typ als du. Am Abend solche schwierigen Radeinheiten wie du könnte ich nicht. Echt.
Weißt du was ich denke? Ich denke, dass bei dir die Regeneration nicht ideal ist. Gerade bei deinem Trainingsumfang brauchst du eine professionelle Regeneration. Kennst du die BCAA? (siehe http://www.runningwilli.com/ernaehrung/bcaa/ Ohne die könnte ich diese Intensitäten nicht machen. Wenn ich die mal vergesse ist die nächste Einheit ein Horror. Hätte nie geglaubt, dass das solche Auswirkungen haben kann.
Gewinnen tut der Athlet der am schnellsten regeneriert….
Run ON!
Willi
Hallo Willi,
der Link zur BCAA funktioniert nicht……Kannst Du nochmal nachschauen ?
Danke
Heute ist meine Regenerationswoche um und in Kürze steigt meine erste wieder etwas härtere Einheit. Am Mittwoch abend werden die 3h dann ein echter Prüfstein, wie gut ich regeneriert habe. Vom Gefühl her könnte ich besser erholt sein. Ich habe allerdings am Samstag auch gut 2 Kubikmeter Sand geschaufelt und mit der Schubkarre ums Haus gefahren. Das hat ordentlich Muskelkater besorgt…..was natürlich nicht so ganz im Sinne der Regeneration war…..nur…..so ganz kann ich wegen dem Training meine “Haus”-Aufgaben halt auch nicht vernachlässigen….
Viele Grüße
Jürgen
Hallo Jürgen,
jetzt klappt der Link zu BCAA: http://www.runningwilli.com/ernaehrung/bcaa/
Nein, die Hausaufgaben darf man deswegen nicht vernachlässigen. Sonst braucht man noch mehr Regeneration wenn die Luft zu Hause dünn ist….
Run ON!
Willi
Willkommen im Schisser-Club!
Die Gefahr, dass du von einem Auto überfahren wirst ist bestimmt größer. Aber sag das mal deiner Angst… Jetzt bin ich heute das dritte Mal im stockdunklen Wald gelaufen. Ich habe mich daran gewöhnt und konnte heute gar nicht verstehen warum ich jemals Angst hatte.
Ja die Erfahrungen sind echt wunderbar. Und gerade die neuen Pfade machen viel Spaß.
Run ON!
Willi