Die Schlacht ist vorbei. Mehrzad Marashi ist der neue Superstar. Als Fan von Menowin Fröhlich ist das für mich eine "kleine Niederlage". Beide Superstars haben etliche Tugenden von denen Läufer profitieren können. Wer diese Tipps befolgt kann seine Zeiten im Wettkampf bestimmt verbessern.

Läufer können sich Tugenden von Mehrzad und Menowin abschauen
Vielleicht ist es für manche überraschend, dass ich auch bei Menowin von positiven Tugenden schreibe, da dieser doch in den letzen Wochen medial gehörig unter Druck stand. Ein Läufer und ein Musiker haben Parallelen zu meistern auch wenn das auf den ersten Blick etwas weit hergeholt scheint. Ich möchte nun die wichtigsten Tugenden dieser beiden Ausnahmekünstler herausstreichen und dir zeigen was das für dein Lauftraining oder deinen nächsten Wettkampf bedeuten kann.
Fangen wir bei den positiven Tugenden von Menowin Fröhlich an:
Druck standhalten:
In den letzten Tagen und Stunden hatte der junge Menowin sehr viel Druck gehabt. Viele Anschuldigungen (die großteils durch das Massenblatt Bild) waren einfach haltlos und haben den Superstar in seiner Leistung auch etwas beeinträchtigt. Oder doch nicht? Nein, ich denke, dass es eine große Tugend von Menowin war mit dem Druck, der da medial ausgeschlachtet wurde umzugehen. Beim Laufen setzt man sich vielleicht selbst öfters unter Druck weil man eine tolle Zeit laufen will oder eben schon den nächsten Marathon im Kopf hat wo man eine ambitionierte Zeit laufen will. Es gibt im Läuferleben viele Zeiten von Druck. Auch wenn man durch Krankheit nicht trainieren kann erzeugt das einen innerlichen Druck. Aber wie bei Menowin gibt es auch den Druck von außen. Angenommen deine Arbeitskollegen wissen, dass du ehrgeizig bist und einen guten Platz erreichen willst. Dann werden diese Kollegen nur darauf warten, dass du deinen Lauf nicht in einer guten Zeit läufst um eine Bestätigung für deren Nichtantreten zu haben. Auch dein Versagen könnte dann einige Freunde und Kollegen doch etwas freuen. Diesen Gefallen solltest du diesen Personen aber nicht machen. Darum behalte dir deinen Traum vor Augen so wie Menowin und liefere deine Performance im Rennen ab. Ob du dann diese Wunschzeit erreichst oder nicht ist nicht so wichtig, denn es geht darum ob du alles dafür getan hast um diesen Druck standzuhalten.
Eigene Persönlichkeit
Es gibt viele Läufer, die eben nur den anderen nachlaufen. Das beginnt damit, dass man die Trainingspläne der anderen studiert um diese dann nachzulaufen. Man schaut immer auf den Läufer davor oder daneben und konzentriert sich nicht auf seinen Lauf und auf seine Trainingsvorbereitung. Menowin hat bei jedem Lied sein eigenes Lied daraus gemacht. Er hat "sein Lied" in "seiner Versioin" gemacht ohne dass er darauf geschaut hat ob andere das gut und richtig finden. Für einen Läufer ist es wichtig zu sich selbst zu stehen. Lass’ dir deinen Traum von der Halbmarathon-Zeit von 1:30 nicht ausreden. Du kannst das schaffen. Und der Weg dahin ist nicht von den "Profis" abhängig, die dich mit ihren ach so tollen Tipps aus der Bahn bringen. Versuche in der Vorbereitung zum Training deine persönliche Note reinzubringen. Wenn auch die tollsten Profis sagen, dass man nicht mit Musik laufen soll und du spürst, dass das aber für dich passt, dann tue es. Auch ist es wichtig den Tag oder die Nacht vor dem Lauf so zu verbringen wie DU das für richtig hältst. Es gibt keinen Menschen, der dich besser kennt als du selbst. Und glaube mir, wenn du deine eigene Note durchziehst wirst du dafür auch Bewunderung ernten. Nur die "Nachläufer" werden nicht in Erinnerung bleiben. Ein so ein Nachläufer war bei DSDS Plüsche oder Manuel. An diese Personen wird sich in ein paar Tagen oder Wochen keiner mehr erinnern können. An dich schon, wenn du deinen Lauf durchziehst.
Siegeswille & Selbstvertrauen
Der absolute Wille zum Sieg war eine Tugend, die Menowin ausgezeichnet hat. Du wirst jetzt einwenden, dass er aber kein guter Trainierer war. Das stimmt leider und dadurch hat er sich auch um seinen großen Traum gebracht. Aber mir geht es darum, dass er der einzige Kandidat war, der von Anfang an sagte, dass er da ist um zu gewinnen. Das ist wahre Größe. Denn viele Kandidaten haben sich hinter fadenscheiningen Ausreden versteckt und wenig Selbstvertrauen gezeigt. Für dich als Läufer ist es wichtig, dass du die Balance zwischen Siegeswille und Selbstvertrauen behältst. Du musst ja nicht gleich deinen großen Traum von einer Zeit von 1:15 für den Halbmarathon sagen. Aber du kannst schon eine ambitionierte Zeit anderen Leuten erzählen. Denn nur wer wagt kann auch gewinnen (und manchmal auch verlieren). Man muss nicht dauernd als Läufer mit seinen Wunschzeiten untertreiben. Der Marathonläufer aus Österreich (Weidlinger) ist auch so ein Typ. Er sagt, dass er da ist um die Schallmauer von 2:10 zu knacken. Er sagt nicht, dass er da ist weil Wien so schön ist und weil er in der frischen Luft laufen will. Solche Läufer gibt es en masse. Und insgeheim wollen diese Läufer eigentlich top Zeiten erreichen und haben letztlich Angst zu verlieren – nämlich Respekt bei den Kollegen und Freunden. Das einzige was diese Läufer aber verlieren ist das eigene Selbstvertrauen. Denn es gibt ja nichts schöneres als eine gute Wunschzeit zu verkünden, hart dafür zu arbeiten und dann diese auch zu erreichen. Die Genugtuung danach ist wesentlich höher als wenn du untertreibst.
Nach diesen Zeilen um die positiven Eigenschaften von Menowin kommen wir zu den positiven Tugenden von Mehrzad Marashi:
Trainingsbegeisterung (Ehrgeiz, Wille, Durchhaltevermögen)
Beide Superstars sind große Talente. Doch Talent alleine ist einfach zu wenig. Es gibt auch genug Läufer, die ein Talent haben gute Zeiten zu laufen, weil der Körper und die Muskeln für diese Sportart ideale Voraussetzungen bieten. Aber von Mehrzad können wir Läufer lernen, dass man jeden Tag etwas dafür tun muss um schließlich und endlich zu gewinnen. Auch du als Läufer kannst mit deinen Visionen und Zielen deine Gedanken positiv beeinflussen. Aber was du nicht kannst ist dadurch deine Leistung zu steigern. Du musst von Mehrzad lernen, dass du jeden Tag aufstehen musst, dir die Laufschuhe anziehen und loslaufen. Eine große Stärke von dem Skistar Hermann Maier war, dass er sehr hart im Training trainiert hart. Aber nicht nur hart sondern auch genau. Als Läufer ist es notwendig richtig zu trainieren. Man muss punkte Ernährung, Gesundheit und Pulsgrenzen sich an gewisse Dinge halten. Wenn man das nicht tut ist das zu wenig. Die top Läufer ganz oben investieren eben mehr Zeit und Genauigkeit in das Training. Wenn du lernst das auch zu machen, dann kannst du ganz tolle Dinge in deiner Läuferkarriere schaffen. Aber mache nicht den zweiten vor dem ersten Schritt. Denn jeden Tag gilt es das Trainingsprogramm durchzuziehen – auch wenn du glaubst, dass du jetzt eh schon besser bist als die Tage und Wochen zuvor. Genau diese Nachlässigkeit bestraft viele Läufer und beim Wettkampf wünscht du dir dann diese Fehler nicht begannen zu haben. Bei Begeisterung geht es nicht um ein Gefühl, dass du vor Freude aufspringen musst, wenn es draußen regnet, nebelig ist und minus 8 Grad hat. Aber es geht um den inneren Antrieb für das Training. Genau solche Einheiten machen dich stärker psychisch und physisch. Glaube mir.
Familienleben als Kraftquelle
Im Leben eines Superstars gibt es viele Hürden zu meistern. Es gibt viele Leute, die nicht wollen, dass man erfolgreich ist. Aber genauso als Hobbyläufer braucht man Kraftquellen für die Hürden, die im Läuferleben eben passieren: Antriebslosigkeit für das Training, Stress in der Arbeit und dadurch keine Zeit für das Laufen, Krankheit in der Familie, wenig Schlaf weil Kinder unruhig sind in der Nacht, schlechte Ergebnisse beim letzten Lauf die noch immer an deinem Selbstvertrauen kratzen, Kollegen und Freunde die dich belächeln weil du so viel Energie ins Laufen investiertst jedoch nicht so viel gute Ergebnisse sichtbar sind. Dir werden bestimmt noch etliche Enttäuschungen einfallen, die ich hier jetzt nicht aufgezählt habe. Auch Mehrzad ist das passiert und wird das noch passieren. Das ist aber kein Problem, denn wenn du wie Mehrzad eine intakte Familie im Rücken hast, dann kannst du dort deine wahre Kraft beziehen. Wenn ich mal enttäuscht mit mit oder meinen Trainingsergebnissen oder Ergebnissen im Wettkampf bin, dann hilft mir meine Frau Angela weiter und baut mich auf. Im Rennen selber denke ich sehr oft an meine Familie. Wenn ich schon im dunkelroten Bereich laufe, dann baut mit das innere Bild meiner Familie immer weiter auf und ich zapfe noch Kraftquellen an, die ich vorher nicht kannte. Auch bei der Vorbereitung auf das Training oder einen Wettkampf ist eine intakte Familie gut und wichtig. Denn du wirst dann nicht der Typ sein, der bis zu Mitternacht im Lokal herumhängt um dann am nächsten Tag um 5.30 Uhr laufen zu gehen. Viele Läufer, die Singles sind, haben hier einen großen Nachteil. Auch wenn man einwenden könnte, dass man mit Familie auch Verpflichtungen hat. Das stimmt, aber die Kraftquelle wo man sich auftanken kann ist bei einem Läufer mit Familie eben höher.
Perfekte Planung & Selbsteinschätzung
Bei Mehrzad hat man oft in seinen Intervies gehört wie genau er sich auf seine Auftritte vorbereitet. Es überlässt nichts dem Zufall und lernt eben auch die Texte und überlegt sich welche Titel er singt. Dafür wurde er oft gelobt und geliebt. Hier kann man sich als Läufer auch einiges mitnehmen. Manche Hobbyläufer machen den Fehler, dass sie die Planung für das Laufjahr unterschätzen und von Woche zu Woche leben und trainieren und dann eben irgendwann einen Wettkampf laufen. Das ist aber nicht gut für dich und dein Trainingsprogramm. Du solltest das Laufjahr durchplanen und dir deine Meilensteine rauspicken. Schau’ dir an welche Läufe dich interessieren. Aber schaue auch darauf, dass diese Planung ausgewogen ist, denn zwei Marathonläufe in kurzer Zeit werden dir nicht wirklich gut tun. Unterschätze dabei aber nicht die Ausrüstung, die Ernährung und die Belastungen in deiner Arbeit. Wenn du für den Herbst ein großes Projekt anstehen hast, dann wäre es wichtig dies auch in deiner Läuferplanung zu berücksichtigen. Wenn du wenig Energie und Zeit in dein Training investieren kannst, dann solltest du nicht beim Ultralauf mitmachen. Zur Planung gehört eben auch, dass man sich richtig einschätzt. Das hat Mehrzad gut gemacht, denn er wusste auch so seine Fehler und vor allem auch seine Stärken liegen. Überlege dir einmal wo deine Stärken und Schwachstellen liegen und versuche diese in deiner Trainingsplanung zu berücksichtigen. Mehrzad wusste auch welche Titel er singen kann. Du als Läufer solltest wissen welche Läufe für dich richtig sind und welche dich überfordern. Es bringt nichts, wenn du nach 10 Wochen laufen dich gleich für einen Marathonlauf anmeldest. Du solltest dich richtig einschätzen können. Denn sonst wirst du Schiffbruch erleiden.
Die beiden Superstars haben mir einige Tugenden vor Augen gestellt, die man als Läufer braucht um erfolgreich zu sein. Natürlich gab es auch Tugenden (Laster), die eben nicht so positiv waren. Aber diese möchte ich hier nicht aufzählen. Wichtig ist als Läufer, dass man nicht so sehr auf seine Gefühle achtet, wenn es darum geht sein Training durchzuziehen. Hier ist natürlich auch die Ausnahme die Regel. Wenn du Schmerzen hast, solltest du nicht einfach weiterlaufen. Es geht mir vielmehr darum, dass man sich nicht gut fühlen muss um gut trainieren zu können.
Welche Tugenden braucht ein Läufer aus deiner Sicht? Was zeichnet erfolgreiche Läufer aus?
Lg
RunningWilli

