Voraussetzungen für eine gute Marathonvorbereitung – “weiche” Komponenten

Voraussetzungen für die Marathonvorbereitung

Welche Voraussetzungen braucht man um eine gute Marathonvorbereitung absolvieren zu können? Was sind die Erfolgsfaktoren damit man eine Vorbereitung auf den Marathon auch durchhält. Mir geht es heute nicht um die klassischen Argumente wie Lauferfahrung, den richtigen Trainingsplan, das richtige Marathontraining, gute Laufschuhe, etc.

Mir geht es um die “weichen” Komponenten. Um Faktoren die eine gute Marathonvorbereitung viel mehr beeinflussen als die Punkte oben. Denn was bringt es dir den besten Trainingsplan der Welt zu haben aber nicht mal zum Lauftraining zu kommen? Gerade in der Vorbereitung auf deinen Marathon (mindestens 6 Monate) muss man VOR dem Trainingsstart einige Punkte überlegen…

Wie gesagt möchte ich hier nicht die X-te Aufzählung machen was du an Training und Equipment brauchst um dich erfolgreich für den ersten (oder 10ten) Marathon vorzubereiten. Nein, es geht mir um die sozialen Faktoren. Und gerade diese werden kaum von Marathonläufern berücksichtigt. Darum scheitert das Vorhaben “mein erster Marathon” auch so kläglich und so oft bei den meisten berufstätigen Läufern und Läuferinnen.

Die wichtigsten “weichen” Faktoren um eine Marathonvorbereitung durchzustehen:

Dein Warum
Du hast dich jetzt zum Marathonstart entschieden. Großartig! Aber warum eigentlich. Und sag’ mir jetzt bitte nicht die alten Sprüche wie “etwas für die Gesundheit tun”, “mich überwinden”, “weil dieser  Marathon in der Nähe ist”…. Nein das sind nicht DEINE Gründe. Du bist ein Winner-Typ. Und du bist auch ein bisschen ein Ego. Sorry für die klare Aussage hier. Aber kein Marathonläufer oder keine Marathonläuferin der Welt ist nicht ein Stück auch ein Egoist. Denn sonst tut sich das wohl keiner an. Du willst in deiner Alterklasse gewinnen. Du willst deine Arbeitskollegen beeindrucken. Du willst die Zeit deines Freundes toppen. Du willst das Letzte aus dir rausholen. Du willst dir beweisen, dass du auch schnell und lange laufen kannst. Du willst was für dich tun. Du willst das andere über dich reden. Und genau diese egoistischen Gründe sind ein Problem. Eben ein Problem für deinen Partner. Denn wenn er diese Gründe spürt wirst du wohl kaum Unterstützung bekommen. Und dann ist deine Vorbereitung dahin.

Familiäeres Warum
Klar muss ich als 6-facher Vater auch ein Stück Egoist sein. Denn sonst könnte ich meine Familie nicht beschützen. Und ich könnte mich nicht gegen Nörgler abschotten. Diese Nörgler gab es auch hier bei runningwilli.com. Bin ich froh, dass ich die nicht mehr lesen kann. icon wink Nun musst du aus deinen Gründen (die ein wichtiger Antrieb sind) ein gemeinsames warum finden. Ich habe mit meiner Frau Angela ein gemeinsames Warum gefunden. Aber das werde ich hier nicht veröffentlichen. Sei’ kreativ (so wie in der Arbeit) und überleg’ dir was. Du wirst bestimmt gemeinsame gute Gründe finden.

Auswirkungen auf deine Zeit
Überlege dir konkret was du an Zeit pro Woche und Tag verbrauchst für den Marathonstart. Denn mit 2 Stunden die Woche wird das nix werden. Und nun überlege dir welche Auswirkungen hat das auf die Familie, den Beruf, deine Freizeit, deine anderen Hobbys, deine Freunde, den Schachverein, den Hundeverein, die Feuerwehr. …. icon wink Es hat bestimmt Auswirkungen. Und nun musst du schauen ob du das dann auch willst. Ja, du musst der Feuerwehr vielleicht sagen, dass du am Sonntag nicht Wein trinken kommst. Denn da machst du deinen langen Lauf. Oder du musst deinen Freunden  sagen, dass die Playstation Runde am Donnerstag Abend ausfällt. Weil du da hier gerade Krafttraining machst. Überlege dir jetzt noch einmal in Ruhe ob du diese Opfer bringen willst. Und glaube ja nicht, dass du auf nichts verzichten musst. Denn dann wirst du nicht lange für den Marathon trainieren. Glaube mir.

Welche Interessen werden gekürzt?
Jetzt mache dir konkret eine Liste welche Aktivitäten/Interessen du kürzt oder streichst. Du brauchst nun 5 bis 15 Stunden pro Woche mehr Zeit. Zeit für das Training. Eben das Laufen, das Krafttraining, das Dehnen, die Trainingsplanung, die Intervall-Läufe, das Umziehen, für dein Trainingstagebuch, das Lesen von guten Lauftipps (RunningWilli zum Beispiel), die Anfahrt zum Training, … Also, welche Interessen hast du gekürzt. Das Einfachste ist der TV Konsum. Denn der Durchsnittsbürger sitzt jeden Tag mindestens zwei Stunden vor der Kiste. Und das kannst du dir sparen. Dann kannst du 14 Stunden die Woche trainieren ohne dass jemand es merken wird. Aber dennnoch ist das nur die Theorie. Denn du dein Marathontraining hat Auswirkungen auf alle Interessen.

Mein körperlicher Zustand in der trainingsfreien Zeit?
Die besten Marathonläufer (fragwürdigsten eigentlich) sind die Kämpfer. Denn die machen sich im Training so kaputt, dass die dann total ausgepowert sind. Das ist von der Qualität des Trainings fraglich. Aber auch für die Aktivitäten danach. Was bringt es dir wenn du zwar nur 1 Stunde trainierst am Tag aber dafür den ganzen Tag über kaputt bist. Nur weil du dich bei den Intervallen extrem geschunden hast? Dann ist mit dir ja nix anzufangen. Und darum trainiere ich nach der RunningWilli Methode. Ich bin sofort nachdem Training bereit eine Wanderung zu machen. Weil ich ganz leicht und locker trainere. Und darum ist meine Familie auch glücklich darüber. Ich muss mich nicht nach dem Training auf die Couch legen und mit Eis behandeln. Nein, ich bin sofort aktiv. Und in der Arbeit bin ich noch schneller (und nicht müder). Aber das geht nur weil ich so langsam und “unterfordernd” trainiere. Und das ist ein großes Geheimnis für einen erfolgreichen Läufer. Mach’ dich nur kaputt im Training. Ich überhole dich dann im Rennen. icon wink

Ist mein Ziel realistisch?
Den ersten Marathon sub 4:00 (4 Stunden) oder sogar 3:30 (3 Stunden 30 Minuten). Hihi. Damit machst du dich doch kaputt. Und meistens kommen diese  Aussagen vom Stammtisch in der Kneipe. Das blöde daran ist aber auch die Vorbereitungszeit. Denn die ist meistens nur ein paar Wochen. Anfängerfehler hoch 17. Als ich meinen ersten Halbmarathon gelaufen bin wusste ich nicht was es heißt eine Schallmauer von 1:30 zu durchbrechen. Ich wäre die Zeit gleich am Liebsten beim ersten HM gelaufen. Darum könntest du vielleicht jetzt denken, dass eine Zeit unter 4 Stunden im Marathon ein Kinderspiel ist. Frag’ mal erfahrene Marathonläufer was denn eine realistische Zeit für dich ist. Oder noch besser. Mach’ eine Leistungsdiagnostik und du wirst genau sehen wo du stehst. Wenn deine Bestzeit die du laufen willst unrealistisch ist wird die Marathonvorbereitung und der Marathon selbst Frustration pur.

Hat die Vorbereitung Auswirkungen auf die Arbeitsleistung?
Du bist kein Profi. Ja, auch wenn du talentiert bist wirst du keiner werden. Darum halte dir vor Augen, dass der Marathonlauf dir kein Geld bringt. Geld bringt dir deine Arbeit. Und darum darfst du deinen Job niemals vernachlässigen. Denn dadurch kannst du deine Familie ernähren. Und nicht durch deinen “Egolauf”. Schau’ dir an ob deine Vorbereitung negative Auswirkungen auf die  Arbeit hat oder nicht. Und wenn ja musst du das anders machen. Bei mir hat die Halbmarathonvorbereitungen auch Auswirkungen. Aber sehr Positive. Denn ich bin viel kreativer. Und ich arbeite in der Zeit die ich habe noch mehr. Aber nur weil ich auch richtig trainiere und nicht wie ein Irrer trainiere.

Welche Ziele/Träume hat mein Partner?
Schön dass der Marathon ein Ziel – ja ein Traum für dich ist. Aber was ist der Traum für deinen Partner? Einen Mann oder eine Frau zu haben die für sie  da ist? Einmal eine Woche Entspannung zu haben? Unterstützung im Haushalt zu haben? Oder auch ganz was Anderes? Dann frag’ doch mal. Denn du musst deinen Partner unterstützen. Weil er/sie genauso das Recht auf ihre Träume hat. Wenn nur du einen Traum verfolgst dann wundere dich nicht wenn nach Wochen und Monaten ein Ungleichgewicht entsteht.

Das sind einige Punkte die ich dir vor dem Start in das Marathontraining empfehle. Ja, es sind Punkte die du nicht gerne hören möchtest. Aber glaub’ mir. Du wirst es nicht schaffen wenn du diese Punkte nicht beachtest. Ich habe einen Freund. Und der klagt immer: “Meine  Frau lässt mich nicht Marathon laufen. Das ist mein letzter Marathon.” Und da er eine Wettkampftyp ist will er sich nicht einengen lassen. Aber würde er seine Frau mehr einbeziehen in das Unternehmen Marathonvorbereitung dann wäre das kein Problem.

Glaub’ mir, denn ich trainiere 4 bis 6 x die Woche. Und ich habe eine Frau und 6 Kinder. Die brauchen mich. Und ich brauche sie. Aber wie machen das gemeinsam. Wir laufen gemeinsam. Ein Rezept das man erst entdecken muss. Ich wünsche dir viel Spaß  dabei.

Run ON!

Willi

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.