Durch einen "Sportarzt" bin ich hingewiesen worden, dass die Absolvierung eines Marathons wie ein Herzinfarkt ist. Mit dieser Antwort habe ich mich jedoch nicht begnügt und habe noch einen weiteren Arzt aufgesucht, der mir eine ganz andere Antwort gegeben hat:
Wie bin ich mit diesem Thema überhaupt in Berührung gekommen? Ich wollte bei einem praktischen Arzt bei uns in der Nähe einen Laktattest machen bzw. mich erkundigen ob er so etwas anbietet in der Ordination und wie das so abläuft bei ihm. Dieser Arzt ist nicht nur ein normaler praktischer Arzt sondern eine geprüfte Stelle des Landes Steiermarks und auch beim Austrian SkiTeam involviert. Also dieser Mann ist durchaus ein Fachmann, wenn es um die Betreuung von Sportlern und speziell auch Läufern geht. Das einzige Problem bei diesem Arzt ist nur, dass er relativ schnell alle Patienten behandelt und für Diagnosegespräche oder Fachauskünfte nur wenig Zeit hat bzw. sich nur wenig Zeit nimmt.
Eines Tages bin ich mit meinem alten Laktattest sowie meinen Aufzeichnungen meiner Trainingseinheiten zu dem Arzt um mich bezüglich Trainingsbetreuung zu erkundigen. Wiedereinmal wollte er schnelle Antworten geben und mich dann "loswerden". Aber mir war das Thema Laufen und Laktat wichtig, so blieb ich dran. Ich erzählte, dass ich derzeit Halbmarathon laufen würde und dass ich vor hätte in Zukunft an einem Marathon teilzunehmen. Und dann kam es:
"Ein Marathon ist nur etwas für Neurotiker, für Leute die sich etwas beweisen müssen. Ein Marathon löst im Herzen das gleiche wie ein Herzinfarkt aus. Etliche Studien an Läufern in den USA hatten ergeben, dass die Werte im Herzen nach einem Marathon einem Herzinfarkt ähnlich bzw. gleich sind. Ich empfehle dir, dass du auf keinen Fall einen Marathon läufst, denn das ist gefährlich. Außerdem hast du sechs Kinder und damit auch eine dementsprechende Verantwortung." Mit diesen Worten ließ er mich dann aus der Praxis gehen und ich war total verwirrt. Natürlich wollte ich nicht meine Gesundheit bzw. meine Familie aufs Spiel setzen. Ich sprach mit meiner Ehefrau über diesen Termin. Wenn das stimmen sollte, waren wir uns einig, dann wollte ich auf keinen Fall einen Marathon in meinem Leben laufen. Irgendwie war ich schon enttäuscht, denn ich wollte ja unbedingt mal über die volle Distanz gehen – außerdem hatte ich ein paar Tage zuvor das Buch über den Ultramarathon gelesen.
In den nächsten Tagen musste ich mit dieser neuen Mitteilung lernen umzugehen. Nie in meinem Leben würde ich auch nur einen Marathon laufen, da sonst Herzmuskeln absterben würden bei jedem einzelnen Marathon. Die Antwort des praktischen Arztes ließ mir keine Ruhe und ich wandte mich an eine Fachzeitschrift wo man einem Arzt bestimmte Fragen rund um das Laufen schicken konnte. Und das war dann die Antwort:
Dass diese Aussage von einem Arzt kommen soll, noch dazu von einem, der mit Sportlern zu tun hat, kann ich kaum glauben. Es ist mir keine einzige Untersuchung bekannt, wonach bei einem Marathon Herzmuskelzellen absterben. Es ist wohl bekannt, dass bei manchen Läufern nach einem Marathon verschiedenste Biomarker wie beispielsweise das Troponin T ansteigen, was auch bei einem Herzinfarkt passiert. Auch konnten bei Ultraschalluntersuchungen nach einem Marathonlauf Veränderungen der Kontraktilität des Herzmuskels nachgewiesen werden, welche aber nicht mit dem Ausmaß des Anstieges der verschiedenen Herzmuskelenzyme korrelieren. Man vermutet, dass diese Befunde Folge von Ermüdungsprozessen und Dehydration (Flüssigkeitsmangel) sind und keinerlei Folge von strukturellen Schäden des Herzmuskels darstellen. In allen ernst zu nehmenden Untersuchungen mit entsprechenden Fallzahlen waren spätestens nach einer Woche alle diese Veränderungen nicht mehr nachweisbar und das Herz sowohl funktionell als auch morphologisch bei allen Untersuchten wiederum völlig unauffällig. Dass bei einem vorgeschädigten Herzen bei einem Marathonlauf Probleme auftreten können, ist unbestritten und sollte natürlich durch entsprechende Voruntersuchungen versucht werden, zu verhindern. Ein gesundes Herz wird jedoch bei vernünftiger Vorbereitung sicher keinen dauerhaften Schaden durch die Absolvierung eines Marathons erleiden. Vielmehr wurde in vielen Untersuchungen die Reduktion der verschiedensten Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen durch den Langstreckenlauf, wozu auch der Marathonlauf gehört, nachgewiesen. Auch gibt es Zahlen, wonach bei einem Halbmarathon sogar mehr gesundheitliche Zwischenfälle zu beobachten sind, zumal auf der Halbmarathondistanz die Menschen ihre Leistungsfähigkeit häufiger überschätzen und deutlich schlechter vorbereitet an den Start gehen.
Hier stehen viele interessante Dinge drinnen, die mich bewogen, dass ich in Zukunft einen Marathon absolvieren möchte:
1. Halbmarathon gefährlicher als Marathon
Diesen Satz kann ich gut nachvollziehen. Denn erst vor ein paar Tagen sagte ein Arbeitskollege zu mir, dass er einen Halbmarathon bestreiten möchte. Dieser Kollege ist nicht viel gelaufen in den letzten Wochen und Monaten und nun will er gleich an einem Wettkampf teilnehmen. Viele Leute unterschätzen die Distanz von 21,1 KM eindeutig. Ich selbst kann von meinem ersten HM sagen, dass das kein Honigschlecken war. Die letzten 6-7 KM waren wirklich viel Arbeit und ich lief am Limit. Aber was passiert nun mit dem Herzen bei Menschen, die nicht genug trainiert haben? Das ist ja wahrer Raubbau am Körper und die Leute denken sich dann noch, dass Sie sich etwas gutes getan haben.
2. Unauffälliges Herz nach ein paar Tagen
Mir war auch klar, dass der Marathonlauf selbst natürlich auf Geist und Körper Auswirkungen haben muss. Ich sehe es wie dieser Artz, der schreibt, dass diese Werte im Herzen nach ein paar Tagen wieder ganz normal zurückgingen und überhaupt keine Entzündung oder sonstige Schädigung des Herzmuskels stattgefunden hat. Da wären doch viele Marathonläufer mit einem "kaputten" Herzen unterwegs und das kann ich mir auch nicht ganz vorstellen. Mir selbst ist nur wichtig, dass ich meinem Körper keinen Schaden zufüge und dass nichts repariert werden muss, da auch nichts kaputt ist. Ich möchte meinen Sport aus Ehrgeiz betreiben, aber nicht um ihn zu schädigen. Diese Nachrichten taten wirklich gut.
Nun habe ich überlegt ob ich wieder in die Praxis von dem praktischen Arzt gehen sollte um ihn diese e-Mail zu zeigen. Aber ich habe es nicht gemacht, denn ich hatte mir ja bereits meine Meinung gebildet und eine Entscheidung getroffen. Aber gerade der Punkt 1 mit der mangelnden Vorbereitung hat mich dazu bewogen, dass ich meinen ersten Marathon in meinem Leben erst 2011 laufen werde, da ich mich noch besser auf dieser großen Anstrengungen vorbereiten will. Und dann war der Besuch unseres praktischen Arztes doch wieder kein so großer Fehler.
Liebe Grüße
RunningWilli

Hallo Willi,
es kommt immer darauf an welchen Arzt du besuchst. Ein Arzt der selbst Sport betreibt wird dir was anderes raten als ein Arzt der keinen Sport betreibt. Klingt blőd ist aber so.
Ich war vor meinem Marathon beim praktischen Arzt wegen einer Gesundenuntersuchung. Dabei habe ich ihm erzáhlt das ich bei einem Marathon mitlaufe. Er wollte mit abraten, denn das ist so eine Belastung fúr den Kőrper und úber die Einnahme von Nahrungsergánzungsmitteln wolle er ja gar nicht reden und so weiter und so weiter. Dieser Arzt betreibet keinen Sport.
Zwei Wochen spáter bin ich zum Lungenfacharzt wegen einer Blutabnahme zur Bestimmung meiner Werte. Auch diesen habe ich von meinem Marathonvorhaben erzáhlt. Seine Augen begannen zu leuchten und er sagte zu mir welche Zeit ich mir vorgenommen habe und das werde ich sicher schaffen. Auch hat er mir Empfehlungen abgeben zB. solle ich mir diese GelPackungen kaufen und wáhend des Laufes zu mir nehmen wegen der Kohlehydrate. Dann erzáhlte er mir, dass er auch Sport betreibt und auch schon einen Marathon gelaufen ist.
Also alles eine Frage des Arztes…..
Schőne Grússe Geri
Hallo Geri,
danke für deine Kommentare. Bei den Arztbesuchen sind auf jeden Fall die Aussagen unterschiedlich das kann ich dir auch bestätigen. Wie heißt es denn so schön “Gehe zu 3 Ärzten und du hast 5 Meinungen”.
Deine Erfahrungen finde ich echt spitze wie du diese hier schilderst. Ich kann mir das bildhaft vorstellen. Vor allem die Begeisterung vom Lungenfacharzt spüre ich förmlich.
Aber ich denke schon, dass die Aussage von dem Arzt aus dem Fachmagazin glaubwürdig ist. Ja, im Leben geht es eben um Glauben und Vertrauen.
Lg
Willi