L-Carnitin – Supplementierung für Ausdauersportler

L Carnitin ist ein Wunderstoff sagen die einen. L Carnitin ist unnötig sagen die anderen Läufer. Aber was ist nun richtig? Gibt es ein richtig und falsch? Braucht man als Ausdauersportler eine Supplementierung von L Carnitin? Welche Vorteile hat es wenn man L Carnitin zur Nahrung ergänzt? Ronny Pohl ist ein aktiver User hier bei runningwilli.com und außerdem Hochschullehrer im Fachbereich Trainingslehre, Ernährung und Sportmedizin. Ronny hat diesen interessanten Beitrag verfasst. Danke, Ronny!

 L Carnitin SupplementierungBracht ein Ausdauersportler Supplementierung von L Carnitin?

L-Carnitin – Supplementierung für Ausdauersportler

- Auszug aus der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnislage-

L-Carnitin ist eine chemische Verbindung, welche aus den zwei lebensnotwendigen (essenziellen oder unentbehrlichen) Aminosäuren Lysin und Methionin besteht. Sie hat eine der entscheidenden Funktionen beim Fettstoffwechsel im menschlichen Körper. L-Carnitin selbst wird im Körper synthetisiert. Der Mensch hat durchschnittlich 20-28 g L-Carnitin, besonders in der Skelett- und in der Herzmuskulatur, vorrätig.

Wann braucht der menschliche Organismus L-Carnitin?

L-Carnitin ist ein Transportkörper. Es transportiert die mit dem Co-Enzym A aktivierten freie Fettsäuren zur Fett-Verwertung (ß-Oxidation, Fettverbrennung) von der Mitochondrien-Innenmembran in die Mitochondrien-Mitte.

Damit das L-Carnitin mit Fettsäuren beladen werden kann, benötigt es einige Rahmenbedingungen:

·         Es müssen genügend „Bagger“, sogenanntes CPT 1 (Carnitin-Palmitoyl-Transferase 1), vorhanden sein. Erst wenn genügend „Bagger“ vorhanden sind, können freie Fettsäuren auf das L-Carnitin aufgeladen werden. Rückschluss: Ein mehr an L-Carnitin, z. B. durch Supplementierung, hat nicht zwingend eine höhere Fettverbrennung/Fettoxidation zur Folge. Der limitierende Faktor ist hierbei das CPT 1 oder eben der „Bagger“. Dieses Menge an CPT 1 kann durch ein regelmäßiges extensives Fettstoffwechseltraining erhöht werden.

·         Es muss eine fettstoffwechsel-freundliche Lage vorhanden sein, damit die erhöhte Menge an L-Carnitin, z. B. durch Supplementierung, auch gebraucht wird. Ein niedriger Blutzuckerspiegel hat zur Folge, dass das Masthormon Insulin wenig/kaum in der Blutbahn vorhanden ist. Als Folge wird der Gegenspiegel des Insulins das Glucagon ausgeschüttet, mit dem Ziel den Blutzuckerspiegel zu erhöhen. Kohlenhydrate (Glykogen), Fette sowie z.T. Proteine werden daraufhin abgebaut und zur Energieaufrechterhaltung herangezogen. Somit wird vom Körper eine erhöhte L-Carnitin-Verwendung nur bei vermindertem Blutzuckerspiegel benötigt.

·         Ist der menschliche Körper in der Lage eine hohe Menge an CPT 1 sowie an freien Fettsäuren (Freisetzung z.B. durch Glucagon) zur Verfügung zu stellen. Und ist auch eine angemessene Anzahl von L-Carnitin-Molekülen (auch durch Supplementierung) vorhanden, dann muss der menschliche Körper überhaupt die mögliche Menge an Fettenergie benötigen wollen. D.h., es müsste auch die Situation sein, dass der Körper die ihm zur Leistungserbringung zur Verfügung stehenden Energie auch verbrauchen müssen.

·         Wenn genügend CPT 1, freie Fettsäuren, „Energieverbraucher“ vorhanden sind und es an L-Carnitin als limitierender Faktor scheitern würde, dann ist eine Mindestmenge von 2-3g/Trainingseinheit als Supplement notwendig. Aber selbst diese Menge von außen zugeführtem L-Carnitin hat nicht zwingend die Folge, dass sich diese Moleküle auch in den Ort der Fettverbrennung wiederfinden werden. Es kann sich auch nur um eine Erhöhung des L-Carnitins in der Blutbahn handeln.

 

Vorteile von L-Carnitin-Supplementierung:

·         Es zeichnen sich Tendenzen ab, dass L-Carnitin mit einer Dosierung 2-3g/Trainingseinheit den Muskelabbau in der Regenerationsphase, welcher bei extensivem Ausdauertraining eintreten kann, hemmt.

·         Die Supplementierung von L-Carnitin kann zur mentalen Vorbereitung des Sportlers auf das kommende Training unterstützen. Nach dem Motto: „Glaube versetzt Berge“, erreicht der Sportler seine Trainingsziele, da er von dem Gesamttraining inkl. L-Carnitin-Supplementierung überzeugt ist und somit eine insgesamt positive Bewertung des Trainings- und der Trainingsergebnisse von sich aus vornimmt.

·         Aus sozial-psychologischer Sicht kann die Supplementierung von L-Carnitin den Vorteil haben, dass man sich – ähnlich dem Zigarettengebrauch am Stammtisch, dem Tragen der angesagten (Lauf)Schuhen etc. – mit einer Peer-Group / sich selbst ähnlichen Gruppe identifiziert und damit eine gefühlte soziale Sicherheit in sich hervorruft.

Abschluss: Eine abschließende einheitliche Bewertung der Supplementierung von L-Carnitin kann nicht erfolgen, da einerseits die wissenschaftliche Erkenntnislage noch nicht ausreichend ist und sich die Ergebnis (ja/nein einer Supplementierung) aus dem jeweils anderen Blickwinkel (physisch, psycho-sozial) anderweitig diskutieren lässt.

Hast du Erfahrungen mit L Carnitin gemacht? Welche?

Ronny Pohl

 

 

 

 

 

Mag. Ronny Pohl  -  Hochschullehrer im Fachbereich Trainingslehre, Ernährung und Sportmedizin.        

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Info von Willi noch: Zwei Blogbeiträge (die nicht von Ronny ausgewählt wurden) die auch das Thema L Carnitin beleuchten:

 Ausdauerlauf oder L Carnitin zur Fettverbrennung

Mein “Bloggerkumpel” Christian Brennr über L Carnitin

 

Über Willi Prokop

Mein Name ist Willi Prokop. Ich bin 33 Jahre und habe 6 Kinder gemeinsam mit meiner Frau Angela. Neben meinem Job als Manager laufe ich. Seit kurzem bin ich Autor des E Books "Wie ich 1:24 im Halbmarathon in 2 Jahren laufen konnte - Die Running Willi Methode". Ich freue mich, dass du meinen Laufblog besuchst. Mehr Über Mich gibts hier. Wenn du nichts mehr verpassen willst kannst du gratis neue Beiträge per e-Mail erhalten. Run ON! Willi

14 Antworten auf L-Carnitin – Supplementierung für Ausdauersportler

  1. Rolf sagt:

    Hallo Ronny,
    Interessanter Artikel, da scheiden sich die Geister ja noch ziemlich bei dem Thema.
    Da mich solche Themen aber sehr interessieren habe ich noch eine Verständnisfrage dazu.
    Zum Punkt “fettstoffwechsel-freundliche Lage”: Bei niedrigem Insulinspiegel wirkt sich L-Carnitin positiv aus? Also wenn ich morgens auf nüchternen Magen laufe? Oder hab ich das falsch verstanden?

    Übrigens: Der Placebo-Effekt ist natürlich nicht zu unterschätzen -- bei allem was uns die Fitness-Industrie schmackhaft machen will ;-)

    Viele Grüße
    Rolf

  2. Ronny_P sagt:

    Hallo Rolf,
    zu Deiner Frage:
    bei einem niedrigen Insulinspiegel muss sich L-Carnitin nicht zwingend positiv -auf den Fettstoffwechsel- auswirken. Schon gar nicht eine Supplementierung.

    Ein niedriger Insulinspiegel bzw. ein höherer Glucagonspiegel sind günstig um den Fettstoffwechsel verstärkt(!) zu aktivieren. Dabei kann(!!!) eine L-Carnitin-Supplementierung diesen Prozess unterstützen, muss es aber nicht zwingend (siehe CPT1).

    Ein Nüchtern-Training hat den Vorteil das der Stoffwechsel lernt schneller/verstärkt auf die Fettoxidation umzuschalten.
    Dies bedeutet NICHT gleichzeitig, dass es während des Trainings zu einer signifikanten Fettgewebereduktion führen muss.

    Nüchtern-Training ist auch nicht zwingend gleichzusetzen mit einem sofortigen Training nach dem Aufstehen. Es geht vielmehr darum, dass sich die das Verhältnis der Energiebereitstellung zwischen KH/Fetten schon zu Gunsten der Fette verhält (z.B. 30/70).
    Dies wird auch erreicht, wenn man seinen morgendlichen Stoffwechsel mit KH aktiviert und einige Stunden später zum Training geht. Oder man ist bis Mittags normal und geht nach der Arbeit zu Fettstoffwechseltraining.
    Also: Es gibt viele Möglichkeiten.

    Viele Grüße

    Ronny

  3. Wolfgang Schroeter sagt:

    Hallo Ronny,

    ich habe den Artikel sehr interessiert gelesen. Das Thema ist und bleibt ein ein Dauerbrenner.
    Nun mein Beitrag: wird Deine “fettstoffwechsel-freundliche Lage” nicht automatisch erzeugt, wenn man wirklich lange Läufe macht, wie sie z.B. in der Marathonvorbereitung üblich sind.
    Du hast in Frage gestellt, das dass Carnitin auch da ankommt, wo es gebraucht wird. Was soll Deine Zellen denn davon abhalten das substituierte Carnitin auch zu nutzen(aufzunemhen), wenn es mit dem körpereigenem identisch ist.
    Ich habe schon mehrfach gelesen das der Körper die Eigenproduktion an Carnitin runter fahren soll, wenn man selbst hohe Dosen über einen langen Zeitraum nimmt.

    sportlichen Gruß

    Wolfgang

  4. Ronny_P sagt:

    Hallo Wolfgang,
    danke für Deinen Beitrag.

    Es ist vollkommen richtig, dass die “fettstoffwechsel-freundliche Lage” durch die langen Läufe etc. hergestellt werden kann. Je nach Leistungsniveau sollten diese mind. 45 min sein. Natürlich ist die für Marathonis viel zu wenig. Deshalb auch das “mind.”.

    Es ist auf dem ersten Blick schon verblüffend, dass eine hohe Carnitin-Supplementierung nicht zwangsläufig zu einer erhöhten Mitochondrienakkumulation (Anhäufung) dessen führen muss. Man hat dies bei Untersuchungen beobachtet.
    Eine klare Erklärung liegt (noch) nicht vor.
    Meine persönliche Sichtweise(!!!) ist: das der tägliche Carnitinverlust so gering ist (um die 10-20mg pro Tag), dass Botenstoffe ein Sättigungssignal von den Mitochondrien übermitteln “Wir brauchen kein Carnitin!”.
    Diese geringe Verlustmenge baut der Körper selbst auf, so ist es nicht verwunderlich, dass es “immer” zu diesem Sättigungssignal kommen könnte.

    Eigenproduktion:
    Die Eigenproduktion von Carnitin ist recht gering, da der Körper Carnitin kaum abbaut (s.o.). Es besteht also ein “Recycling-Kreislauf”.
    Diese Verluste können zwar, für den Fettstoffwechsel, über Supplementierung aufgefangen werden, eine Einschleusung in die Mitochondrieninnenfläche scheint aber erst zu passieren, wenn ein starkes Defizit (Schwellenprinzip) erreicht worden ist. Demnach ist auch die Eigensynthese bei einer Supplementierung kaum betroffen.
    Einfach gesagt: Was soll heruntergefahren werden, wenn Eigensynthese kaum betrieben wird.

    Entschuldige bitte: Alles in einfache Worte zu fassen ist eine Kunst für sich.

    Viele Grüße
    Ronny

  5. Wolfgang sagt:

    Hallo Ronny,

    danke für Deine Antwort.

    Du kannst mit mir “normal” sprechen, ich komme aus der Biologie und bin Ausdauersportler.
    Nach dem was ich gelesen habe, halten sich Carnitin-Aufnahme und Verlust (meine Quellen sagen ca. 30mg im Mittelwert/Verbrauch gerade so die Waage, wenn man keinen Sport macht und Fleisch (Mischkost) ißt. Wenn wir jetzt von 3-5 Trainingseinheiten in der Woche mit jeweils ca. 700-1500kCal Energieumsatz sprechen, dann kann man sich schon vorstellen das es in den Mitochondrien knapp wird. Wenn dadurch eine Feedback-Hemmung aufgehoben wird und dann kein Carnitin zur Verfügung steht, was ist dann. Wird Carnitin über spezifische Transporter in die Zellen und Mitochondiren aufgenommen? Hat man schon mal jemanden gefunden der tatsächlich eine Carnitinunterversorgung hatte und ist dieser Mensch überhaupt gesund und darf Ausdauersport machen? Wie sieht denn ein Carnitinmangel aus?

    sportlichen Gruß
    Wolfgang

  6. Rainer sagt:

    Hallo Ronny,

    hat man denn schon mal messen können, ob man mit Carnitin schneller oder länger laufen kann?

  7. RunningWilli sagt:

    Hallo Ronny,

    vielen Dank für deinen (ersten) Artikel hier. Das macht Hunger auf viel viel mehr hier. Ich hoffe du hast die Lust dazu…. ;-)

    Ich selbst habe L Carnitin von Peeroton zu Hause stehen und verwende es nur sporadisch. Irgendwie fehlt(e) mir der Glaube daran. Naja bei Nahrungsergänzung grundsätzlich muss man schon Vertrauen darin haben. Aber das ist ja nicht nur bei der Nahrungsergänzung so. ;-)

    Durch deinen Artikel über die Wirkung von L Carnitin hat das “Wundermittel” eine höhere Priorität in meinem Kopf erlangt. Aber dennoch ist für mich die Praxis das Wichtigste. Mein Trainer ist nicht so überzeugt vom L Carnitin hat jedoch gemeint, dass ich es unterstützend bei den Nüchternläufen nehmen kann. Und ich weiß nicht ob das nur reine Einbildung ist aber ich fühle mich mit L Carnitin bei den Fettstoffwechselläufen besser (obwohl ich nicht daran glaube).

    Mich würde nun deine persönliche Erfahrung dazu interessieren. Hast du selbst als Sportler schon L Carnitin genommen und hat es dir etwas gebracht? Du selbst hast ja sogar schon Ironmans gemacht. Also da schöpft man ja bekanntlich alles aus was es so gibt am Markt um besser und schneller zu werden. ;-)

    Stimmt es auch, dass das L Carnitin rund 1 Stunde braucht bis es für die Leistung verfügbar ist? Also wenn ich in der früh aufstehe und das L Carnitin nehme dann wirkt es angeblich erst 1 Stunde später?

    Ich bitte dich bereits die Finger gut zu schmieren, denn ich hätte da noch zwei Themen die mir wichtig wären und wo ich von dir Hilfe brauchen würde:

    1. Das Piriformis Syndrom (Erkennen, Behandeln, Therapiemöglickeiten, Dauer der Verletzung, ….). Ich leider seit 7 Wochen am Piriformis Syndrom. Ich dehne sehr viel, habe die Hochfrequenztherapie probiert, bin derzeit beim Physio wegen der Schmerztherapie, habe die Trigger Behandlung mit dem Tennisball gemacht (schmerzhaft), ….. aber die Verletzung ist noch immer da leider. Bitte um deine Erfahrungen aus der Praxis und der Wissenschaft. Danke dir!

    2. Das HIT Training (High Intense Training) -- Welche Möglichkeiten gibt es da speziell für Läufer und Radfahrer das einzusetzen? Das angebliche 4 Minuten Training vom Bodybuilding ist auch für Läufer geeignet? Ich habe diese Woche das erste Mal HIT Training am Ergometer und für mich ist das ganz neu. Ich kann dir dann meine Erfahrungen geben wie das HIT Training abgelaufen ist…. ;-)

    Danke auf jeden Fall für deine Beiträge! Du bist eine große Bereicherung für runningwilli.com. Fachlich und persönlich. ;-)

    Run ON!
    Willi

  8. Ronny_P sagt:

    Hallo Wolfgang,
    ich werde mich in den kommenden Tagen melden. Bin gerade von einer Reise wieder rein. Jetzt heißt es schlafen.
    Danke Ronny

  9. Ronny_P sagt:

    Hallo Rainer,
    ich werde mich in den kommenden Tagen melden. Bin gerade von einer Reise wieder rein. Jetzt heißt es schlafen.
    Danke Ronny

  10. Wolfgang sagt:

    Hallo Ronny,

    die Frage vom Rainer finde ich auch sehr interessant. Was sind den Deine persönlichen Erfahrungen mit dem Wunderstoff? Hast Du schon mal Läufe mit und ohne Carnitin gemacht und die Zeiten und das Gefühl dabei vergleichen, oder gar echte Parameter die mit dem Fettstoffwechsel zu tun haben gemessen?

    sportlichen Gruß

    Wolfgang

  11. Ronny_P sagt:

    Hallo Rainer, Wolfgang und Willi, sowie alle anderen!

    Ich werde mich nachher an die Beantwortung Eurer Fragen machen. Wenn Ihr in der Zwischenzeit noch eine Fachfrage habt.
    Bzw. an alle anderen, die eine “Erstfrage” haben, dann bitte her damit.

    Werde dann alles gemeinsam beantworten.

    Viele Grüße Ronny

  12. RunningWilli sagt:

    Bin schon gespannt darauf….

    Run ON!
    Willi

  13. Ronny_P sagt:

    Fehler gefunden! Müsste jetzt alles gehen!

    Hallo Wolfgang, hallo Rainer, hallo Willi

    Hier meine Beantwortung Eurer Fragen: Ich versuchte dies im fachlicher und „normaler“ Sprache zu bewältigen.

    1) Was ist, wenn – auch durch Sport – zu wenig Carnitin zur Verfügung steht?
    In Extremsituationen kann eine extern-isolierte Carnitinzufuhr vorteilhaft sein:
    Z. B.
    • Nierenversagen / Dialysepatienten
    • In extrem katabolischen Fettwechselsituationen wie die postoperative TPE (künstliche Ernährung); Hungerzustände (nicht mit unserem Hunger vergleichbar)…
    • Diabetes Mellitus II
    • Höchstleistungssport.
    Die Reduktion der Aufnahmehemmung und die Carnitin-Anforderung zur Beta-Oxidation erfolgt bei einer Carnitinkonzentration von < 3-4 mmol/l intrazellulär.
    Einen Ausgleich bei Mangelerscheinungen erfolgt über 2 Wege:
    • Externe Gabe von L-Carnitin sowie
    • Eigensynthese aus des essenziellen Aminosäuren Lysin und Methionin mit „Hilfsstoffen“ wie Ascorbinsäure (Vit. C), Niacin (Vit. B3), Pyridaxin (Vit. B6), Eisen.
    Und genau diese Eigensynthese kann bei fast jedem Menschen in der Leber, den Nieren, Gehirn auf hochtouren laufen, wenn es sein muss. Eine externe Gabe von L-Carnitin ist demnach nicht zwingend notwendig. Bei Leuten mit Leberproblemen und Nierenschäden…ist dies natürlich etwas anderes (eingeschränkte Eigensynthese aus Lysin und Methionin).

    2) Wie erfolgt der Transport von Carnitin zur Muskelzelle?
    Resorption durch Dünndarmwand mittels Carnitintransporter OCTN-2 (Organic Carnitine/Cation Transporter-2) und den Aminosäuretransporter ATB (0,+), sowie durch die „klassische Diffusion“.
    Transport vom Dünndarm zu den Muskelzellen mittels Carnitintransporter OCTN-2.
    Transport innerhalb der Muskelzelle mittels akkylierter Hydroxycarbonsäure.

    3) Gibt es Menschen wo ein Carnitinmangel gefunden wurde und wie sieht dieser aus?
    • Bei Menschen mit Erkrankungen
    • der Leber (z.B. Leberzirrhose),
    • der Nieren (z.B. Niereninsuffizienz),
    • bei Menschen wo sich der Körper in einem massiven katabolischen Prozess befindet (Extremhunger mit Unterernährung, Höchstleistungssport),
    • verminderter Aufnahmefähigkeit der essenziellen Aminosäuren Lysin und Methionin sowie der wasserlöslichen Vitaminen C, B3, B6 wie zu geringer Eisenaufnahmefähigkeit.
    Symptome sind extreme Müdigkeit und Schwäche, besonders aufgrund der verringerten Energiebereitstellung (ß-Oxidation). Diese Symptome können aber auch aufgrund der primären Ursache Eisenmangel mit sekundären Ursache Carnitinmangel (verminderter Eigensynthese) sein.
    Ursachenzuschreibung bei bestimmten Symptomen ist – wie häufig – sehr schwer.

    4) Sport bei Carnitinunterversorgung?
    Ich möchte die Frage so beantworten: Weshalb liegt eine verminderte Versorgung vor? Dies ist sehr selten aufgrund einer verminderten externen Carnitinaufnahme.
    Wenn die Gründe aber bei einer verminderten Carnitin-Eigensynthese liegen, dann ist die erfolgreiche Umsetzung eines Trainingsprogrammes behindert. Ein Beispiel: Eisenmangel bzw. bestimmte Vitaminmängel führen auch zu einer verminderte Sauerstofftransportfähigkeit im Blut…
    Das soll aber nicht heißen, dass eine gesundheitsorientierte Bewegung grundsätzlich behindert ist!

    5) Kann man durch eine Carnitin-Supplementierung schneller und weiter laufen?
    Ich möchte diese Frage aus mehreren Blickwinkeln beantworten.
    Die Forschungserkenntnisse zur Beantwortung dieser Frage weisen einen klaren Trend auf.
    Je besser das Forschungsdesign ist (Stichwort: Doppelblindstudie…) um so mehr zeigt sich ein „NEIN“.
    Es gibt Ergebnisse (besonders bis 2000), welche man als ein klares „Nein“ interpretiert hat. Dann stürzten sich viele Wissenschaftler auf dieses Thema und es kam in einigen Studien zu einem „Ja“. Zusammengefasst: Je besser die Untersuchungen aufgebaut sind, desto eher kam ein „Nein“. Hinweis: Es ist prinzipiell sehr sehr schwierig solche Forschungsergebnisse zu bekommen, welche eine allgemein gültige Aussage für alle Menschen in allen (sportlichen) Situationen geben können. Aber leider wird dies kaum beachtet, dann heißt es einfach „der Wirkstoff xy hilft“ Basta! , anstatt zu sagen „bei der Stichprobe im Alter von xy bei der Bewegungsform z … kommt es zu dem Ergebnis…“.
    Beachtet bitte alle: Forschungsergebnisse kann man meist für die eigenen Interessen verwenden, wenn man die Forschungsumstände einfach nicht nennt – Bildzeitungswortwahl.

    6) Schneller laufen? Weiter laufen?
    Aus meiner Sicht sehr unwahrscheinlich! Weshalb? Eine Carnitin-Supplementierung ist nicht DER limitierender Faktor um schneller bzw. weiter laufen zu können. Ein einfaches Beispiel: Wer zwar Carnitin supplementiert aber im Marathon vergisst den erhöhten Energieverbrauch (da hilft auch nicht das eine(!) KH-Gel mit 100kcal pro Pack) auszugleichen bzw. den Magen im Training vorher auf die ‚Verdauung unter Belastung‘ zu trainieren. Das Gleiche betrifft den Natriumverlust während des Marathons, damit die Koordination aufrecht erhalten werden kann (Stichwort: Schneller).
    Dies sind nur einige Beispiele die zeigen, dass es fast unmöglich ist, den wirklichen limitierenden Faktor für „Schneller, Weiter, Höher“ zu finden. Und Carnitin ist es jedenfalls nicht, da die Eigenproduktion über die Aminosäuren Lysin und Methionin ja primär zum Verlustausgleich bereit steht.

    7) Braucht L-Carnitin-Supplementierung 1 h bis zu den Zielzellen?
    Ja und nein, es kommt darauf an. Wer Magen leer ist, dann kann eine Aufnahme etwas schneller geschehen. Wenn der Magen aber noch gut gefüllt ist, dann liegt das Carnitin (auch in flüssiger Form) einfach oben auf. Bis dann alles durchgekommen ist, kann es dauern und dauern…

    8) Meine Erfahrungen?
    Der L-Carnitin-Hype kam erst nach meiner Leistungszeit. Wir hatten so etwas einfach nicht. Und kamen trotzdem sehr gut ins Ziel. Wobei das ‚sehr gut‘ sich erst im Nachhinein so anfühlt. Im Wettkampf hatte ich häufig ein anderes Gefühl als ‚sehr gut‘ ;-)
    Allgemein zu Erfahrungen:
    Sehr häufig hat man das „Gefühl“, dass alles besser läuft mit Carnitin-Supplementierung (weiter und schneller). Bessere Zeiten/Herzfrequenzwerte etc. können auch besser sein.
    Nur kommen diese Verbesserungen wirklich durch Carnitin-Supplementierung?
    Woran will man es denn festmachen, dass es durch Carnitin-Suppl. kam?
    Wir Menschen urteilen nach dem Prinzip der „positiven Teststrategie“ :
    • positiv = es soll eine Bestätigung der eigenen Meinung stattfinden, keine Negierung
    • Teststrategie = bewusst und unbewusst geht man „strategisch“ dieser Selbst-Bestätigung nach und zwar so lange bis man sich selbst bestätigt hat.

    Dieses allgemein gültige psychologische Prinzip trifft man tag-täglich:
    • Wenn man sich ein neues Auto kaufen will, dann sieht man ab dann genau dieses Auto auf unseren Straßen.
    • Wer die Terroranschläge vom 11.Sept in NY als Intrige sehen will, dann sieht man in allen offiziellen Schreiben der Regierung einen Betrug und auch in den Videoaufnahmen vom Anschlag sieht man „sein Bild“.
    • Wenn man L-Carnitin nimmt, dann kann man bei einer momentanen Trainingsleistungsverbesserung dies als Ursache im Carnitin für sich sehen. Dabei kann es auch nur der bessere Schlaf der letzten Nacht gewesen sein. Oder etwas kühlere Temperaturen oder …..Wenn es nicht zu einer momentanen Leistungsverbesserung kam, dann erfolgt sehr häufig keine Carnitin-Ursachenbewertung. Die positive Teststrategie zur Carnitin-Supplementierung wird kann erst berücksichtigt, wenn es ein besseres Training war.

    Eine einfache Ursachen-Wirkung-Zuschreibung des Wettkampf- bzw. Trainingsergebnis auf den Faktor Carnitin-Supplementierung ist nicht möglich. Unser Organismus ist ein zu sehr komplexes System. Außer man sucht regelrecht nach der negativen/positiven Ursache, siehe positive Teststrategie!
    Dies erfolgt auch, wenn man nicht von der Carnitin-Supplementierung überzeugt ist. Auch in diesem Fall wird DIESE Supplementierung in den Focus der Betrachtung gesetzt, siehe positive Teststrategie!

    Meine abschließende Ansicht: Ich würde nie L-Carnitin-Supplementierung für sehr teures Geld (z.B. oberhalb von 20 Euro für einen viertel Liter, bei 250 mg pro Portion) ausgeben. Dosis zu niedrig, preislich sehr…! Sinnhaftigkeit?

    So das war’s!

    Viele Grüße
    Ronny

    PS: Willi, ich empfinde es als vorteilhaft, wenn auf deiner Startseite rechts-mitte bei den “neuesten 3 Kommentaren” ein Link (wieder) da ist, um an ‘alle’ letzten Kommentare zu kommen, sonst übersehe ich die, welche nicht unter den letzten 3 Kommentaren ist.
    Einfach so wie bis gestern…

  14. RunningWilli sagt:

    Hallo Ronny,

    danke dass du dir so viel Zeit nimmst um diese Fragen für uns zu beanworten.

    zu 7) Ich werde in der Früh “das Zeug” einfach nehmen denn schaden kann es ja nicht…. ;-)

    Danke für deine ehrlichen Erfahrungen. Ja und ein positiver Test ist ja auch bei allen anderen “schneller machenden” Dingen schwer. Derzeit bin ich durch meine Verletzung auf dem Trip zu reduzieren. Ich verwende nur mehr wenige Dinge. Aber das sind Dinge die ich aus der Erfahrung heraus schätzen gelernt habe. Und ich merke, dass ich wieder mehr Vertrauen in meine eigene Leistung habe. Schuld daran war so ein Ronny Pohl mit dem ich mal gesprochen hatte……

    Danke dafür!

    Run ON!
    Willi

    PS: Der Kommentar Link ist wieder drin.