Laktatmessgerät Test Scout sorgt für “Diskussionen”

Stellungnahme von SensLab wegen Laktatmessgerät Test Scout von mir

Stellungnahme von SensLab wegen Laktatmessgerät Test Scout von mir

Mein Laktatmessgerät Test (bzw. Kritik) von Scout sorgt für Diskussionen. Die Firma SensLab hat mir eine Stellungnahme zu meinem Laktatmessgerät Test vom Lactate Scout geschickt. Der Geschäftsführer persönlich, Herr Bernd Ggründig, hat die Zeilen verfasst. Vor X Jahren hatte ich den Hersteller vom Laktatmessgerät gebeten seine Sichtweise zu meiner Kritik zu geben. Gekommen ist nie eine Reaktion – erst vor ein paar Tagen. Jeder der nun einen Vergleich haben möchte kann nun die Zeilen vom Hersteller  die er an mich persönlich geschrieben hat, lesen.

Laktatmessgerät Test Scout von damals

Ich möchte dir den Testbericht vom Lactate Scout zeigen den ich damals verfasst hatte. Er ist ein sehr kritischer Bericht und hat anscheinend dafür gesorgt, dass nun weniger Leute dieses Laktatmessgerät kaufen. Mein “Ratgeber” hat vielleicht ein paar Personen die das Gerät vielleicht sogar nur mieten wollten verunsichert. Ich möchte nun keine neuen Tipps dazu geben obwohl sich die Lage bezüglich der Laktatmessgeräte im Allgemeinen bei mir geändert hat. Der Beitrag von der Firma Senslab soll eine Hilfe sein. Eine Hilfe um die Funktion dieses Laktatmessgeräts kennenzulernen. Film ab! ;-)

Die Stellungnahme von SensLab

Lieber Herr Prokop,

ein Mitarbeiter des Vertriebs der EKF – Diagnostic, Barleben hat mich auf Ihre WEB-Seite verwiesen, auf der Sie den Hersteller des Lactate Scout auffordern, sich zu melden, um Ihr Fragezeichen zu erklären. Dem komme ich gern nach. Ich gehe aber auch davon aus, dass Sie meinen Beitrag in Ergänzung Ihrer Ansicht zum Laktatmessen auf Ihrer Seite Platz einräumen, so dass sich jeder Interessierte auch mit einer anderen Sichtweise vertraut machen kann.

Ich möchte mich jedoch zunächst vorstellen. Mein Name ist Bernd Gründig. Ich habe die SensLab GmbH 1995 gegründet und als Verantwortlicher für die Forschung & Entwicklung in unserer kleinen Firma maßgeblich an der Entwicklung des Lactate Scouts gearbeitet.

Um gleich mit dem Wichtigsten zu beginnen: Wir haben das Handmessgerät nicht entwickelt, um Menschen zu ersetzen oder “persönliche Laktatmessungen aus dem Verkehr zu ziehen“, sondern um mit dem Gerät die Laktatmessung einer größeren Interessentenkreis zugänglich zu machen. Bis vor ca. 10 Jahren war die Laktatmessung dem Leistungssportbereich und gut betuchten Hobbysportlern mit Verbindung zu einem Labor vorbehalten.

Sie schreiben einerseits, dass Sie Ihnen der Preis des Gerätes zu hoch erschienen ist, um es sich anzuschaffen. Andererseits erwähnen Sie, dass Sie regelmäßig Laktatmessungen machen lassen. Demzufolge wird Ihnen nicht entgangen sein, dass ein Stufentest (ohne Auswertung der Ergebnisse und Trainingsempfehlungen) immer noch so teuer ist, dass beispielsweise die wenigsten Sportvereine, Auszubildende oder Studenten diesen Service von Instituten oder privaten Leistungsdiagnostiklaboren ihren Mitgliedern regelmäßig anbieten können.

Wir haben festgestellt, dass mittlerweile auch Sportvereine, Trainingswissenschaftler und Ärzte, denen die Anschaffung und der Betrieb eines Laboranalysengerätes zu teuer und aufwendig sind, Stufentests mit dem Lactate Scout durchführen. Dabei bleibt keineswegs das persönliche Gespräch auf der Strecke, denn die Handhabung vereinfacht sich im Vergleich zur Laboranalytik und der zeitliche Aufwand zum Erhalt der Messwerte wird reduziert.

Wir haben uns bei der Entwicklung des Messgerätes und der Sensoren an den Blutzuckermesssystemen für den Heimgebrauch durch Diabetiker orientiert, so dass auch analytische Laien hinreichend zuverlässige Ergebnisse erhalten. Übrigens erfolgt die Probenahme bei Selbstanwendung über eine der Fingerbeeren. Für diejenigen, die in einem Trainingslager, auf einer Expedition oder am arbeitsfreien Wochenende, an dem in der Regel kein Diagnostikzentrum, Labor oder Arzt die Messungen bzw. den Stufentest durchführen wird, endlich „ambitioniert“ unterwegs sind, kann bei korrekter Handhabung eine Feldmessung sehr hilfreich sein, wobei wir keinesfalls eine Selbstanwendung präferieren, wenn eine zweite Person für die Messungen verfügbar ist.

Die Auswertung der Ergebnisse kann dann unabhängig vom Stufentest zu einem geeigneten späteren Zeitpunkt und wie von Ihnen empfohlen in einem vertrauensvollen, persönlichen Gespräch mit ihrem Coach, Trainingswissenschaftler/Sportarzt erfolgen.

Abgesehen davon bietet das Handmessgerät aber auch die Möglichkeit, sich beim Training punktuell zu testen, um anstelle eines überambitionierten Trainings, das zur Überlastung der Muskelzellen führen kann, tatsächlich ein aufbauendes Training zu sichern.

Selbst Olympiastützpunkte nutzen unser Messgerät für eine schnelle Vor-Ort-Laktatmessung. Als wir das Messystem 2003 eingeführt haben, gab es am Markt bereits ein photometrisches Küvettentestsystem im Kofferformat und auch ein Handmessgerät mit Sensoren einer japanischen Firma. Die stetige Entwicklung des Marktes hat gezeigt, dass unser Handmessgerät seine Existenzberechtigung längst erlangt hat, selbst wenn es sich im Vergleich zur Pulsmessung noch um eine Nischenanwendung handelt.

Nun schließlich zu Ihrem Fragezeichen in Bezug auf unsere Nichtempfehlung für den klinischen Bereich.

Der Lactate Scout unterliegt allen Kriterien für ein In vitro – Diagnostik Medizinprodukt und muss sowohl in Bezug auf die Herstellung als auch auf das Produkt selbst die entsprechenden Anforderungen nach der Richtlinie 98/79/EG über In-vitro Diagnostika erfüllen, die durch eine benannte Stelle in einem Auditzyklus mit jährlichen Überwachungsaudits kontrolliert werden. Das Messsystem ist beim DIMDI registriert und sollte bei einer Messung ein Unfall eintreten, ist der Vorfall seitens des Herstellers meldepflichtig. Es handelt sich damit nicht um ein „Spaßprodukt“.

Die Nutzung des Gerätes für klinische Anwendungen ist aufgrund möglicher Abweichungen klinischer Proben eingeschränkt: Im klinischen Alltag können beispielsweise neonatale Proben mit Hämatokritwerten bis zu 70 %, sowie sehr niedrige Hämatokritwerte in Folge von hohem Blutverlust auftreten, Patienten können Überdosen von Medikamenten eingenommen haben oder es sind Proben von gichterkrankten Patienten mit abnormalen Harnsäurewerten auszumessen. Diese Abweichungen gegenüber Proben Gesunder, die im Referenzbereich liegen, können zu einer fehlerhaften Messung mit Teststreifensystemen führen.

Darüber hinaus sind klinische Messungen gemäß der Richtlinien der Deutschen Bundesärztekammer (RiliBÄK) durchzuführen, die u.a. ein Qualitätssicherungssystem vorsehen, wobei eine regelmäßige Überprüfung des Messsystems mit Kontrolllösungen, eine Dokumentation der Messdaten sowie eine geräte-interne Zuordnung der Messung zum Messenden und der Patientenprobe (Patienten-ID) erfordert, was mit dem Handmessgerät nicht geleistet werden kann. Deshalb sind wir verpflichtet zu vermerken, dass dieses Messsystem nicht für klinische Anwendung geeignet ist.

Unsere aktuellen Leistungsparameter können Sie der Produktspezifikation entnehmen.
Ich hoffe, dass ich Ihnen mit dieser Erläuterung zumindest im Ansatz eine neue Sichtweise auf den Lactate Scout vermitteln konnte, die Sie vielleicht zu einem Überdenken Ihrer WEB-Seite gegen den „Lactate Scout“ anregt, denn mittlerweile gibt es weitere Handmessgeräte anderer Firmen, die Sie in Ihre Kritik zu deren Glück nicht berücksichtigt haben.

Sollten Sie andere Probleme oder Argumente gegen die Nutzung eines Handmessgerätes haben, lassen Sie es mich bitte wissen. Vielleicht wäre diese Diskussion hilfreich für beide Seiten. Falls Sie bei einer Gelegenheit in der Nähe von Leipzig vorbei kommen, sind Sie gern eingeladen, den Disput mit mir persönlich weiter zuführen.

Viele Grüße und Erfolg mit Ihrem „Running Willi“ – Projekt.

Bernd Gründig
Geschäftsführer SensLab
Leipzig, den 07.01.2013

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